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Hintergrund

Nobel-Center wider Willen

Publicerat fredag 19 december 2014 kl 08.00
"Im Stil der 1960er Jahre dem Erdboden gleichmachen"
(7:05 min)
Nobel Prize Center Foto: David Chipperfield Architects
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Der Entwurf des Nobel Prize Center auf Blasieholmen (Foto: David Chipperfield Architects)
Nobel Prize Center Foto: David Chipperfield Architects
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Ansicht von der Schlossseite her (Foto: David Chipperfield Architects)
Lars Heikensten Foto: Pontus Lundahl / TT.
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Lars Heikensten, Leiter der Nobelstiftung, hält weiter an den Bauplänen fest (Foto: Pontus Lundahl / TT.)

Ob Stockholms neues Prestigebauwerk, das Nobel Center direkt gegenüber der Altstadt Gamla Stan, jemals errichtet wird, bleibt weiter ungewiss.

Immer lauter wird die Kritik am Entwurf des deutschen Architektenbüros und an der Baulage. Mittlerweile hat sich eine Protestgruppe mit einflussreichen Lobbyisten an der Spitze formiert. Sogar einer der wichtigsten Investoren, die Familie Wallenberg, stellt nun das Bauvorhaben in seiner jetzigen Form in Frage. 

Für die Nobelstiftung sollte es eigentlich ein Schlussstrich werden unter eine seit etwa 100 Jahren währenden Geschichte. Stockholm ist weltweit bekannt als die Stadt Alfred Nobels – im Stadtbild selbst fällt dies dem Besucher allerdings nicht ohne weiteres auf. Die großen Nobelfeierlichkeiten finden Jahr ein, Jahr aus im Stockholmer Rathaus sowie im Konzerthaus statt. Zwischen den jeweiligen Nobelwochen zeugt lediglich das Museum am Stortorget in der Altstadt von dem wissenschaftlichen Erbe des großen schwedischen Erfinders.

Goldener Augenmagnet weckt Proteste

Mit einem neuen Prachtbau will es die Nobelstiftung nun richten. Der Entwurf von Chipperfield Architects Berlin sieht einen futuristischen Kubus vor, ganz in Gold und von allen Seiten sichtbar platziert auf Blasieholmen, direkt gegenüber der Schlossanlage in der Stockholmer Altstadt. Ein wahrer Augenmagnet soll es werden, der sich überdeutlich von der angrenzenden Architektur abhebt und das Erscheinungsbild der Innenstadt entscheidend verändern wird.

Proteste gegen dieses Vorhaben ließen nicht lange auf sich warten: „Unser Protest richtet sich weniger gegen das Aussehen, sondern gegen die geographische Lage“, erklärt Caroline Silfverstolpe gegenüber Radio Schweden.  Silfverstolpe ist Gründerin des Protestnetzwerkes „Blasieholmen bewahren – Nobelcenter woanders bauen“. „Blasieholmen ist ein spezieller Ort mit großem kulturhistorischen Wert. Es gibt andere Plätze, die für dieses Bauwerk weitaus besser geeignet sind. Außerdem müsste das alte Zollgebäude von 1876 abgerissen werden, denn die Stadt hat die Bewahrung dieses Gebäudes nicht zur Bedingung für den Neubau gemacht. Es ist einfach unzeitgemäß; im Stile der 1960er Jahre sollen diese wertvollen Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden.“

Demonstrationen und Blockaden?

Über 7.000 Mitglieder hat die Gruppe auf Facebook mittlerweile, knapp 3.000 Protestunterschriften wurden bereits eingesammelt. Die Protestgruppe hat mehrere prominente Lobbyisten in ihren Reihen. Caroline Silfverstolpe selbst war Mitarbeiterin im Außenamt und ist außerdem die Großenkelin des schwedischen Nobelpreisträgers Gustaf Dalén. Das Netzwerk versteht sich als konstruktiver Dialogpartner – im Gespräch mit Radio Schweden will Silfverstolpe aber auch drastischere Maßnahmen nicht ausschließen.

„Es gibt sicherlich einige, die sich im schlimmsten Fall am Zollgebäude festketten werden. Vielleicht sogar auch ich selbst. Wir hoffen aber, dass dies nicht nötig sein wird.“

Spezial-Deal mit der Stadt Stockholm

Das neue Nobelzentrum soll auf einem der wertvollsten Grundstücke der Stadt errichtet werden, was letztlich nur durch ein besonderes Abkommen mit der Stadt Stockholm möglich wurde. Für lediglich 400.000 Euro pro Jahr vermietet die Stadt das 25.000 Quadratmeter große Areal. Begründet wird der sagenhaft billige Mietpreis im Abkommen mit der Nobelstiftung damit, dass das Gebäude „vorrangig Museumszwecken dienen soll.“  Den neuen Prunkbau aber nur als Nobelmuseum zu bezeichnet wäre eine kräftige Untertreibung. Das neue Center soll Platz für eine neue Kongresshalle für 1.400 Personen bereitstellen, eine unterirdische Garage, Restaurants, Ausstellungs- und Büroräume.

Im Grunde eine gute Idee, wie die Initiatoren des Protestnetzwerks finden. Nur eben am falschen Ort. Ein viel passender Ort wären Hagastaden nördlich der Innenstadt, wie Caroline Silfverstolpe erklärt. Ein neuer, heranwachsender Stadtteil, nahgelegen an der Königlich-Technischen Hochschule, dem Universitätsklinikum und der Wirtschaftshochschule Handels. Dort würde sich das Nobel-Zentrum wie „eine Art Diamant“ zwischen diesen renommierten Forschungseinrichtungen einschmiegen, meint Silfverstolpe.

Kritik aus dem Königshaus

Laut einem Bericht der Zeitung Svenska Dagbladet wurden sogar von königlicher Seite her kritische Stimmen vernommen  – der Bauplatz liegt nämlich im direkten Blickfeld des Stockholmer Schlosses, nur etwa 200 Meter entfernt  auf der anderen Seite des Kanals. Sie finde das Gebäude recht vierkantig, soll Königin Silvia zum Leiter der Nobelstiftung, Lars Heikensten, diplomatisch gesagt haben. Was die Königin auf Heikenstens Antwort, das Schloss selbst sei ja auch vierkantig, erwiderte, ist nicht bekannt.

Selbst bei einem der wichtigsten Investoren des Vorhabens, der Stiftung der Unternehmerfamilie Wallenberg, sind laut dem Artikel von Svenska Dagbladet inzwischen Zweifel aufgekommen. Die geographische Lage und den Entwurf der Architekten wolle er nicht kommentieren; die Finanzierung müsse aber neu geprüft werden, so der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Peter Wallenberg Jr., gegenüber Svenska Dagbladet.

Investoren zweifeln

Die Wallenbergs sind auch am benachbarten Grand Hotel beteiligt. Kritiker haben behauptet, dass Schwedens wichtigste Unternehmerfamilie das Nobelzentrum letztlich nur deshalb vorangetrieben hat, um der Konferenzanlage  im Grand Hotel neue Kundschaft zu verschaffen. Von solchen Gerüchten will Peter Wallenberg Jr. aber nichts wissen. Im Gegenteil: das neue Nobelhaus mit seinen eigenen Konferenzräumen konkurriere vielmehr mit dem Grand Hotel.

Für Februar und März sind Konsolidierungen zwischen allen Beteiligten und dem Protestnetzwerk geplant. Caroline Silfverstolpe glaubt, dass die Chancen gut stehen, dass das Projekt nicht in seiner jetzigen Form vom Stapel gehen wird. „Ich denke es wird eingesehen, dass dieses Projekt auf wackeligem Boden steht. Das Vorhaben muss in seiner Gesamtheit neu aufgerollt werden. Was ist der Zweck dieses Gebäudes, wie groß muss es sein, wie sieht es mit der Finanzierung aus, wo kann es stehen.“

Ansehen des Nobelpreises in Gefahr?

Letztlich steht und fällt das Stockholmer Nobelhaus-Projekt mit der endgültigen Entscheidung der Wallenbergs. 40 Millionen Euro an Spendengeldern hat die Wallenberg-Stiftung zugesagt – eine erhebliche Summe angesichts der berechneten Gesamtkosten von etwa 120 Millionen Euro. Andere potenzielle Geldgeber wie etwa die Familie Rausing haben dem Vorhaben die kalte Schulter gezeigt.  Die Bedingung der Wallenbergs, dass für das Vorhaben keine zusätzlichen Kredite aufgenommen werde dürfen, schränkt den Handlungsspielraum der Nobelstiftung zusätzlich kräftig ein. 

Das Prestige des Nobelpreises, es hat viel zu tun mit dem hohen Preisgeld und mit der erfolgreichen Verwaltung des geistigen Erbes Alfred Nobels. Beim Preisgeld musste die Nobelstiftung wegen wirtschaftlichen Schwierigkeiten bereits Abstriche machen: Statt den ehemals 1 Millionen Euro erhalten die Nobelpreisträger inzwischen umgerechnet 800.000 Euro. Was das geistige Erbe angeht muss sich zeigen, ob ein goldenes Nobelzentrum dem Prestige zuträglich ist.  

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