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Tanzen verboten

Publicerat torsdag 18 december 2014 kl 13.45
"Tanzartige Bewegungen im Takt mit der Musik"
(5:00 min)
Tanz in einer Kneipe Foto: Åsa Westerlund/TT
Kneipenbesucher am Rande des Gesetzlosigkeit (Foto: Åsa Westerlund/TT)

Kneipenbesucher, die nach ein paar Gläsern spontan die Tanzlust packt, müssen sich auf schroffe Rügen seitens des Barpersonals gefasst machen. In Schweden darf man nämlich nicht einfach so mir nichts, dir nichts drauf losschwofen – dafür benötigt die Bar eine amtliche Tanz-Zulassung.

In regelmäßigen Abständen weckt die eigentümliche Regelung Proteste, erst kürzlich wieder Gävle, nachdem städtische Inspekteure eine Bar wegen unerlaubten Tanzeinlagen abgemahnt hatte.

Der Vorfall im mittelschwedischen Gävle Anfang Dezember rief aufs Neue die vielleicht sonderbarste Vorschrift in Schweden in Erinnerung. Inspekteure der Stadtverwaltung besuchten in Undercover-Mission eine Kneipe in der Studentenstadt, gelegen an der schwedischen Ostküste. Sie dokumentierten das Geschehen fotographisch, machten sich ausführliche Notizen. In ihrem Abschlussbericht notierten die Tanz-Kontrollanten, dass sich „50 bis 80 Personen in tanzartigen Formen im Takt mit der Musik bewegt“ hätten. Der Fall liegt nun in den Händen der Staatsanwaltschaft, die darüber entscheiden wird, ob ein Verbrechen vorliegt.

Unerbittlich gegen Tanzeinlagen eingreifen

Es handelt sich hier um eine Verordnung, in Schweden allgemein als „Tanz-Zulassung“ bekannt ist. Konkret bedeutet die Vorschrift, dass Kneipenbesitzer, die nicht über eine kostenpflichtige Genehmigung verfügen, dafür Sorge tragen müssen, spontan aufkommenden Tanz in ihren Lokalen zu verhindern. Tische und Stühle müssen so aufgestellt werden, dass sich keine provisorischen Tanzflächen bilden können. Sollten die Kneipenbesucher trotz aller Vorkehrungen doch in Versuchung geraten, das Tanzbein zu schwingen, so ist das Personal dazu angehalten, sofort und unerbittlich einzugreifen.

Die Verordnung wurde 1993 eingeführt – die Moral hinter der Geschichte geht jedoch weitaus länger zurück. In einer Reportage des Schwedischen Rundfunks aus dem Jahr 1941 ist von dem „Tanzflächen-Elend“ die Rede. Von moralisch verderblichem Treiben auf den Volkspark-Tanzflächen. Von stark alkoholisierten jungen Menschen, die ihren Samstagabend ungezügelt-tanzend verbringen und dabei auch in die eine oder andere Schlägerei verwickelt waren.

Sicherheit vor Moral

Heute deutet die Ordnungsmacht nicht mehr mit dem moralischen Zeigefinger – stattdessen wird die Sicherheit der Kneipengäste in den Vordergrund gestellt. „Die Gäste sammeln sich an einem Punkt, das Licht wird vielleicht gedämpft, die Musik lauter gedreht. In dieser Situation benötigt es einen anderen Aufbau und andere Sicherheitsvorkehrungen in einem Lokal“, erklärt Robert Lindgren von der Stockholmer Polizei gegenüber Radio Schweden. „Man braucht mehr Notausgänge und Alarmvorrichtungen, falls etwa ein Feuer ausbrechen sollte. Ich kann verstehen, dass der Begriff Tanz-Zulassung viele Fragen aufwirft. Es geht hier eigentlich aber nicht um Tanz. Das müssen wir als Polizei den Menschen klarmachen.“

Nur die wenigsten Kneipen und Restaurants beantragen die Genehmigung. In Stockholm ist es nur etwa jede zehnte Einrichtung, die ihren Gästen die eine oder andere kesse Sohle auf dem Kneipen-Parkett gönnt. Bei Nichtbeachtung drohen der Kneipe Bußgelder – wie vor Kurzem erst eine Bar in Uppsala, die wegen ihrer hüftschwingenden Gäste 500 Euro berappen musste.  

Belastung für die Kneipen

Für die Restaurantbesitzer ist die Verordnung nichts weiter als eine unnötige Belastung, meint Stefan Lundin von Visita, der Interessenorganisation für den Servicebereich. „Natürlich braucht es klare Verordnungen für Restaurants und Nachtclubs. Es gibt aber auch ohne die Tanzregelung bereits viele Verordnungen, die hohe Anforderungen an die Kneipen stellen und die für die Sicherheit der Gäste sorgen.“

Von politischer Seite her scheint der Wille, dem Tanzalarm in naher Zukunft ein Ende zu bereiten, durchaus vorhanden zu sein. Allein seit 2011 sind 20 Anträge im Parlament vorgelegt worden, die die Prüfung einer Gesetzesänderung vorschlagen. In der öffentlichen Debatte gibt es im Grunde keinen Befürworter mehr für das Tanzverbot. Dies zeigte sich deutlich Ende November, als der Jugendsender des Schwedischen Rundfunks eine Diskussionsrunde zum Thema Tanzgenehmigung auf die Beine stellen wollte, was letztlich daran scheiterte, dass sich kein Vertreter der Befürworter-Seite finden ließ.

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