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Schweden gedenkt der Tsunami-Katastrophe

Publicerat tisdag 23 december 2014 kl 09.08
"Beruhigen Sie sich, Sie sind ja hysterisch!"
(6:32 min)
Ferienparadies Khao Lak: Idyllisch auch im Jahr 2004 - bis die Flutwelle kam (Foto: Margita Boström/Sveriges Radio)
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Nu börjar människorna i Aceh att åter våga sig tillbaka till sina älskade stränder. Men i många år efter tsunamin stod stränderna helt tomma. Foto: Margita Boström/SR
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Die Menschen in der Aceh-Provinz überwinden nur langsam ihr Misstrauen gegenüber dem Meer und kehren erst jetzt an die Strände zurück (Foto: Margita Boström/Sveriges Radio)
En av de uppspolade fiskebåtarna i byn Nam Kehm som drabbades värst av tsunamivågen för tio år sedan. Hela fiskebyn utplånades. Foto: Margita Boström/Sveriges Radio
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Ein Fischerboot, das der Tsunami an Land hob. Vom Ort Nam Kehm blieb nichts. (Foto: Margita Boström/Sveriges Radio)
Grafik: Liv Widell/Sveriges Radio.
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Das Seebeben im Indischen Ozean erreichte 9,3 auf der Richterskala (Grafik: Liv Widell/Sveriges Radio)

An Weihnachten jährt sich die verheerende Tsunami-Katastrophe in Südostasien zum zehnten Mal. Die Schwedische Kirche lädt zum Gedenkgottesdienst, an dem auch König Carl Gustaf und Königin Silvia teilnehmen werden. Zwei schwedische Bücher zum Thema sind schon jetzt erschienen und versuchen, die traumatischen Ereignisse von damals zu bearbeiten - und gehen abermals mit dem Auswärtigen Amt wegen seiner schlechten Arbeit ins Gericht.

An der miserablen Leistung des schwedischen Außenministeriums an den ersten Tagen der Flutwellenkatastrophe gibt es keinerlei Zweifel - das haben unabhängige Gutachten bewiesen. Während andere Länder schon längst alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um die eigenen Bürger heim zu holen, tat sich in der schwedischen Regierungskanzlei rein gar nichts.

Staatssekretär Lars Danielsson, die rechte Hand des damaligen Ministerpräsidenten Göran Persson, bereitete am 26. Dezember 2004 eine Auslandsreise vor. Außenministerin Laila Freivalds ging an diesem ersten Katastrophentag ins Theater und wusste auf Nachfrage nicht, wo das bei vielen Schweden beliebte Ferienparadies Phuket überhaupt liegt.

Klassische Behörde: Viel reden, spät handeln

Andreas Norman hatte gerade seinen Dienst als Beamter im Auswärtigen Amt aufgenommen, als die Flutwelle über die südostasiatischen Strände hereinbrach und mehr als 230.000 Menschen das Leben kostete, darunter auch 543 Schweden. In seinem Buch „9,3 auf der Richterskala" bearbeitet Norman nicht nur sein eigenes, durch das tagelange Identifizieren von Leichen entstandene Trauma. Der Ex-Diplomat rechnet auch mit seinem damaligen Arbeitgeber ab.

„Eine Bereitschaft beim Außenministerium gab es nicht. Es gab am Anfang keine Krisenorganisation. Arbeitsmethoden, die darauf bauen, dass man diskutieren und verhandeln soll, sind angesichts einer akuten Krise völlig hoffnungslos", fasst Norman im Schwedischen Rundfunk zusammen.

„Viel liegt aber auch an der Kultur im Auswärtigen Amt: Es gibt eine starke Hierarchie mit einem Heidenrespekt vor Vorgesetzten und wenig Zutrauen in niedere Beamte. Gerade die waren es aber, die schnell das Ausmaß der Krise erkannten und Alarm schlugen. Als sie den Chefs signalisierten, dass die Katastrophe sicher 30mal größer sei als das Estonia-Unglück, kam als patzige Antwort, sie seien ja hysterisch."

Von Pressesprecherin zur Landesmutter

Lebhafte Erinnerung an die Flutwellen-Katastrophe hat auch Lottie Knutson. Sie war damals die Pressesprecherin von Fritidsresor, einer der größten Reiseveranstalter Schwedens. Während bei den Verantwortlichen in der Regierung beredtes Schweigen herrschte, wurde Lottie Knutson persönlich erste Anlaufstelle für Betroffene vor Ort und zu Hause in Schweden. Durch ihr tatkräftiges Handeln erwarb sie sich Respekt bei der Bevölkerung, Umfragen zeigten, dass viele Schweden sie sogar gern auf dem Posten der Außenministerin sähen.

In ihrem Buch „Hilferuf" (Nödrop) geht Knutson analytisch der Frage nach, welche Lehren aus der Katastrophe gezogen worden sind. Antworten der höchsten Verantwortlichen fehlen, bedauert sie.

„Das Thema ist offenbar nach wie vor sehr heikel. Oder man hat keine Lehren aus den Ereignissen gezogen, was ich mir aber nicht vorstellen kann. Man möchte wohl einfach nicht alte Wunden aufreißen. Ich will ja kein Recht sprechen, dafür gibt es die ganz hervorragende unabhängige Untersuchung der Ereignisse, sondern wollte nach vorne blicken. Leider bin ich da nicht weiter gekommen."

Behördenarbeit drastisch verbessert

Nur ungern erinnert sich Lottie Knutson an die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt: Ihr Unternehmen sei immer wieder abgeschmettert worden, erzählt sie bedauernd. Dem Chef von Fritidsresor, der sich um tausende betroffene Kunden kümmern musste, wurde bedeutet, sich zu beruhigen.

„Ein paar Personen behinderten den ganzen Prozess, wie wir ja dank des Gutachtens wissen. Prestigegründe und eine starke Hierarchie sind gefährlich, wenn es schnell gehen muss", so Knutsons Schlussfolgerung.

Beim Auswärtigen Amt ist inzwischen deutlich nachgebessert worden, kann Andreas Norman bestätigen, der erst 2012 seine Karriere dort an den Nagel gehängt hat und sich inzwischen ganz auf das Schreiben konzentriert.

„2004 hatte die Konsulatsarbeit, also Schweden im Ausland in der Not zu helfen, noch einen ganz niedrigen Status. Krisenübungen waren eigentlich nur störendes Element. Heute sieht das ganz anders aus: höherer Status, mehr Ressourcen, eine robustere Organisation. Inzwischen kann man in diesem Bereich Karriere machen. Eine Krise kann heute viel professioneller bewältigt werden."

Aber gilt das für schwedische Behörden allgemein? Lottie Knutson ist sich da nicht ganz so sicher. Zuletzt war es der schwere Waldbrand in Västmanland im vergangenen Sommer, bei dem alte Mechanismen wieder zutage traten, meint die ehemalige Pressesprecherin.

„Da haben wir die Schuldzuweisungen, auch auf politischer Ebene, Kritik an der unzureichenden Information, Betroffene und ihr Recht auf Schadenersatz. Alle Bestandteile sind wieder dabei, das ist fast schon unheimlich. Und zu guter Letzt noch der Wettkampf, welcher Politiker zuerst vor Ort ist."

Sehnsucht nach Thailand ungebrochen

Zehn Jahre nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean zeigen sich die zahlreichen schwedischen Thailand-Touristen von der potentiellen Bedrohung durch eine neuerliche Katastrophe unberührt. Lediglich in der Saison direkt nach der kolossalen Flutwellenzerstörung knickte die Reiselust der Schweden in die Region ein.

Schon 2007 konnten die Reiseveranstalter feststellen, dass der Tsunami paradoxerweise sogar stimulierend wirkte. Der größten schwedischen Reisebürokette Ticket zufolge lagen in den Sportferien im vergangenen Februar mit Phuket, Bangkok und Krabi drei Orte in Thailand unter den Top 5 der beliebtesten Reiseziele der Schweden.

In Khao Lak, das vom Tsunami besonders hart getroffen wurde, wird Lottie Knutson dieses Jahr Weihnachten verbringen - ein wichtiger Abschluss des Kapitels Flutwellenkatastrophe anno 2004, meint Knutson, die erst kürzlich bei Fritidsresor gekündigt hat und sich nach 15 Jahren wieder vorstellen kann als Journalistin zu arbeiten.

„Die Reise ist seit Langem gebucht. Ich möchte gerne zugegen sein - für alle Schweden, aber auch alle Thailänder, die von der Katastrophe betroffen waren. Ich habe geholfen, Khao Lak wieder aufzubauen und nun möchte ich dort sein, zehn Jahre danach. Vielleicht wird es eine Art Abschluss, aber auch ein Blick nach vorn."

Der Gedenkgottesdienst in Uppsala beginnt am zweiten Weihnachtsfeiertag um 16 Uhr und wird live im Schwedischen Fernsehen übertragen.

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