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Orkan Gudrun

Leben mit dem Provisorium

Publicerat onsdag 19 januari 2005 kl 15.45
Foto: Gunnar Lundmark/TT
Sturmschaden (Foto: Gunnar Lundmark/TT)

Fast zwei Wochen nach dem schweren Sturm in Süd- und Westschweden, sind noch immer tausende von Haushalten ohne Elektrizität und Telefon. In mehreren Dörfern können ausgekühlte Kindergarten- und Schulgebäude nicht benutzt werden. 400 Kinder werden im Bus in den nächsten größeren Ort gefahren, zum Beispiel nach Ljungby.

Rund 50 Schüler von der Vorschule bis zur sechsten Klasse werden zusammen mit ihren Lehrern täglich im Bus nach Ljungby kutschiert. Ihr Heimatdorf Bolmsö ist für unbestimmte Zeit stromlos. Und unbestimmte Zeit kann nach Auskunft des regionalen Energieversorgers in einigen Fällen Wochen bedeuten. Der Alltag der Kinder hat sich in vieler Hinsicht verändert:

Taschenlampe

„Ja, es ist ziemlich dunkel zu Hause in meinem Zimmer“, erzählt Jonatan Cederquist. „Ich muss jetzt morgens und abends eine Taschenlampe benutzen. Das ist aber auch ein bisschen gemütlich.“

Vorschülerin Frida Johansson fehlt vor allem die Bewegungsfreiheit der vertrauten Dorfschule. „In unserer richtigen Schule dürfen wir rumlaufen. Da gibt’s auch einen Pausenhof, da kann man schaukeln. Und wenn Schnee liegt rodeln.“

Ihre Lehrerin Karin Forsmark hat es mit ihren lebhaften kleinen Vorschülern nicht leicht und gesteht ein, dass auch sie sich in die richtigen Schulräume zurücksehnt.

„Wir möchten natürlich schnellstmöglich wieder zurück. Aber unsere Schule ist ja dunkel und ausgekühlt, wir müssen warten, bis sie wieder Strom hat und benutzbar ist. Das kann noch Wochen dauern!“

So werden die Kinder dort unterrichtet, wo sonst das Blasorchester probt: im Fest- und Übungssaal von Ljungby. An den Wänden hängen ein paar ausgediente Trompeten und Kunstblumen von der letzten Festveranstaltung, ganz hinten im Saal ist die Bühne. Davor Reihen von langen Klapptischen, die in diesen Tagen nicht festlich gedeckt sind, sondern mit Schulbüchern, Stiften und Heften übersät.

50 Kinder verteilt auf sieben Klassen müssen in dem Saal miteinander auskommen. Es ist eng und trotz der schalldämmenden Holzvertäfelung kann es schon mal ganz schön laut werden. Als Ausweg organisieren die Lehrer möglichst viele Aufflüge und Studienbesuche, erzählt Grundschullehrerin Jeanette Alfredsson.

„Das ist das Positive an unserem Provisorium. Wir sind ja sonst weiter draußen auf dem Lande und da nutzen wir jetzt die Gelegenheit und rufen bei Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen an um dort zu Besuche machen. In der Bibliothek, im Museum usw.“

Kinder brauchen Alltagsleben

650 Schüler in und um Ljungby haben nach dem Sturm in provisorischen Räumen Unterrichtet bekommen. Nach Weihnachten, allen Berichten von der Tsunami-Katastrophe und dem großen Sturm hier brauchen die Kinder die Geborgenheit im Schulalltag. Die provisorische Schule sei immer noch besser als gar kein Unterricht, meint der zuständige Schulrat Nils-Göran Jonasson:

„Es ist wichtig, dass der Alltag für die Kinder wieder einkehrt. Sie müssen sehr viele neue Eindrücke und Erlebnisse bewältigen! Darüber wollen sie reden. Ich glaube es ist wichtig, dass der Unterricht schnellstens wieder so normal wie möglich wird.“

Doch die schulische Normalität lässt sich nur bedingt erreichen. So muss die in Schweden übliche warme Schulspeisung zum Beispiel vorläufig ausfallen. Albin Johnsson ist gar nicht begeistert:

„Wir haben hier ja keine Kantine. Außerdem ist es schwer mit allen Klassen im selben Raum zu sitzen. Manchmal stört mich der Lärm sehr.“

Nach Schulschluss fahren Albin und die anderen Kinder im Bus die 30 Kilometer zurück ins Heimatdorf Bolmsö. Rechts und links der Landstrasse stand noch vor zwei Wochen dichter Nadelwald. Nutzwald. Jetzt liegen die dicken Baumstämme abgeknickt wie Streichhölzer. Die Aufräumarbeiten in diesem Riesenmikado werden Monate in Anspruch nehmen. Und der wirtschaftliche Schaden wird vermutlich noch vielen kleinen Waldbesitzern das finanzielle Rückrad brechen…

Aber vorläufig gilt es, die dringlichsten praktischen Probleme Bolmsö zu lösen. Die vom Schulrat gewünschte Normalität glänzt durch Abwesenheit. Auf dem Bauernhof von Albins Vater läuft der vom Traktor betriebene Dieselgenerator auf vollen Touren. Diese – derzeit einzige – Energiequelle teilt sich die Familie mit den Nachbarn. Anders Johnsson ist jetzt immer besonders früh auf den Beinen, damit der Tagesverlauf einigermaßen reibungslos klappt. Den Generatorstrom braucht er vor allem zum Melken seiner 15 Kühe.

Von Hand Melken

„Melken so gegen vier Uhr, das dauert ungefähr zwei Stunden. Dann schlaf ich noch mal anderthalb oder zwei Stunden bis es hell wird. Und dann mach ich bei den Aufräumarbeiten der Strassen und Leitungen mit. Danach übernehmen wir den Generator wieder vom Nachbarn, um Essen zu kochen. Der Mensch braucht was Warmes! Dann am frühen Abend noch mal Melken und dann ab ins Bett. Den Generator benutzen mein Nachbar und ich abwechselnd zu bestimmten Tageszeiten“, sagt Anders Johnsson und deutet auf Jonny Palm, der mit am Generator steht.

Wie lange das noch so weiter geht, ist nicht abzusehen. Da muss man die Ruhe weg haben, meint Palm:

„Da kann man nur die Zähne zusammenbeißen. Jetzt haben wir uns ja an einen bestimmten Tagesrhythmus gewöhnt. Diese Ausnahmesituation dauert wohl noch eine Zeit.“

Vor allem hoffen die die Bewohner von Bolmsö, dass jetzt nicht der Winter mit voller Kraft zuschlägt, und es bitter kalt wird. Mit ein paar alten Holzöfen lassen sich die Häuser kaum warm halten. Und dann ist da natürlich noch die Feuergefahr…

Sybille Neveling

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