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Radio Schweden-Reportage

Das Asyl-Dilemma von Norberg

Publicerat onsdag 14 januari 2015 kl 15.41
Anwohner und Asylbewerber gleichermaßen unzufrieden
(6:43 min)
Ansichten von Norberg in Västmanland (Foto: flickr.com)
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Norberg in Västmanland (Foto: flickr.com)
Das Zentrum von Norberg (Foto: Jourij Gourman / Radio Sweden)
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Das Zentrum von Norberg (Foto: Jourij Gourman / Radio Sweden)
Das Zentrum von Norberg (Foto: Jourij Gourman / Radio Sweden)
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Das Zentrum von Norberg (Foto: Jourij Gourman / Radio Sweden)

Schweden ist, zumindest von der Bevölkerungszahl her, ein recht kleines Land.

Nichtsdestotrotz nimmt Schweden annähernd so viele Flüchtlinge auf wie das bevölkerungsreichste Land der EU, nämlich Deutschland. Wo aber kommen die Asylbewerber in dem weitläufigen und nur dünn besiedelten Land unter? Welche Perspektiven haben sie dort, und wie gehen Gemeinden und Anwohner mit der neuen Situation um? Radio Schweden ging diesen Fragen in Norberg nach, einer kleinen Gemeinde in Mittelschweden. Norberg zählt etwas mehr als 5.000 Einwohner, fast jeder sechste von ihnen ist Asylbewerber.

"Viel gibt es nicht hier"

Carita Eriksson leitet einen Rotkreuz-Laden im Zentrum von Norberg. Für den Reporter fasst sie kurz und konkret zusammen, was die Gemeinde alles für die Anwohner zu bieten hat. „Einen Supermarkt, eine Apotheke und ein Alkoholgeschäft. Mehr als das gibt es hier nicht. Die neuen Bewohner von Norberg brauchen aber viel mehr als nur das. Bekleidungsgeschäfte, Schuhläden, Nähzubehör, Elektrogeschäfte. Aber so was gibt es hier nicht. Und für eine Busfahrt in den nächstgelegenen größeren Ort benötigt man Geld und Kenntnisse darüber, wo welche Dinge zu finden sind.“

Nicht nur in Sachen Einkaufsmöglichkeiten ist Norberg spärlich bestückt. Das Freizeitangebot ist begrenzt, und auch potenzielle Arbeitsplätze sind spärlich gesät für Zuwanderer, die kaum Sprach- und Landeskenntnisse mitbringen. Dennoch hat die Gemeinde einen enormen Zuzug erlebt: Aufgrund der Flüchtlinge konnte Norberg im letzten Jahr einen Bevölkerungszuwachs von 12 Prozent verbuchen.

Nicht alle Gemeinden nehmen Flüchtlinge auf

Den schwedischen Gemeinden steht es zwar grundsätzlich zu, die Aufnahme von Asylbewerbern auch gegen den Willen der Migrationsbehörde zu verweigern. Und viele attraktive Gemeinden mit generell hohem Zuzug und niedriger Arbeitslosigkeit machen von diesem Recht auch regen Gebrauch – häufig mit der Begründung, dass kein ausreichender Wohnraum vorhanden ist. Für andere Orte, die mit Wohnungsleerstand und einer zunehmend alternden Bevölkerung zu kämpfen haben, bietet die Flüchtlingsaufnahme hingegen eine nicht zu verachtende Einnahmequelle.

Die adäquate Unterbringung von 750 Flüchtlingen zu verwalten und zu betreiben, dafür fehlt es an einem kleinen Ort wie Norberg aber am notwendigen Know-how. Deshalb betreibt auch nicht die Gemeinde selbst die Unterkünfte, sondern Privatunternehmer, die über eine öffentliche Ausschreibung ermittelt werden und die sich aufgrund der hohen Nachfrage dafür auch fürstlich entlohnen lassen können. Eine im ganzen Land gängige Lösung, die den sozialdemokratisch geführten Gemeinden – und diese sind es meist, die die Flüchtlinge aufnehmen – ein Dorn im Auge ist.

„Uns wäre es lieber, wenn die Migrationsbehörde selbst das Recht erhielt, Unterbringungen in eigener Regie zu betreiben, wenn wir auf diesem Weg nur die Ausschreibungen an private Betreiber umgehen“, sagt die Bürgermeisterin von Norberg, Åsa Eriksson, im Gespräch mit Radio Schweden. Allein im vergangenen Halbjahr sind 60 neue private Asylbewerberheime landesweit entstanden, häufig unter Beteiligung von Risikokapitalgesellschaften, was ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass es in dieser Branche etwas zu verdienen gibt. „Die Politik muss mehr Verantwortung übernehmen. Dass der Markt darüber bestimmen soll, wo unsere Flüchtlinge untergebracht werden, das darf einfach nicht sein“, so die Bürgermeisterin von Norberg.

Immenses Problem für Schulen und Kindergärten

Vor allem bei der Schulbetreuung geht für das Städtchen die Rechnung nicht auf. Die kommunale Schule, die Platz für 500 Schüler bietet, stand plötzlich vor der Herausforderung, 200 neue Schüler aufzunehmen. Kinder, die vorher noch nie eine schwedische Schule besucht haben. „Auf die Kita- und Kindergärtenplätze herrschen jetzt lange Wartezeiten, wir können nicht mehr die Plätze im vorgeschriebenen Zeitraum anbieten“, so Bürgermeisterin Eriksson. „Jetzt zum Januar werden wir den Kindergarten ausbauen. Geld für neue Einrichtungen haben wir aber leider keines.“

Flüchtlinge unzufrieden mit Norberg

Wie erleben die Neu-Norberger die Situation in dem Städtchen? Hassan Yama lebt seit Mai vergangenen Jahres im Ort. Gegenüber Radio Schweden erzählt er seine Flüchtlingsgeschichte. Yama kommt aus Syrien. Mithilfe von Schleppern fuhr er im Laderaum eines Lastwagens fast zwei Wochen lang quer durch Europa, bis er schließlich nach Schweden gelangte. Zwei grauenvolle Wochen in völliger Dunkelheit, wie er sagt. Nach seiner Aufnahme in Schweden schickte ihn die Migrationsbehörde direkten Weges nach Norberg.

„Ich bin mit etwa 130 anderen Asylbewerbern in einem früheren Sommerhotel untergebracht. Es ist keine winterfeste Bleibe, das Leben ist recht schwierig dort. Es gibt nicht viel zu tun. Wir unterhalten uns, spielen Karten. Inzwischen hat man uns einen alten Billardtisch gespendet.“

750 größtenteils beschäftigungslose Flüchtlinge in einem kleinen abgelegenen Ort wie Norberg – das stellt Asylbewerber und Anwohner gleichermaßen auf die Probe, wie Carita Eriksson im Rote-Kreuz-Laden meint.

„Viele Flüchtlinge zeigen offen ihre Unzufriedenheit darüber, dass sie hier gelandet sind. Sie sind laut, schreien offen auf der Straße, als ob sie protestieren wollten. Die Norberger reagieren darauf gereizt. Sie finden, dass sich die Flüchtlinge zu viel herausnehmen. Es ist deutlich, dass es einfach zu viele sind für so einen kleinen Ort.“  

Stimmen für die Schwedendemokraten

Das Ergebnis der letzten Wahl gibt einen deutlichen Hinweis darauf, was die Bewohner von Norberg empfinden. Etwa 20 Prozent erhielt die fremdenfeindliche Partei der Schwedendemokraten bei der Parlamentswahl hier im Ort. Im eigenen Gemeinderat erhielt die Partei zwar nur 13 Prozent, was laut verschiedenen Norbergern, mit denen Radio Schweden sprach, aber nur an den wenig vertrauenserweckenden Kandidaten der Partei gelegen habe.

Das Dilemma von Norberg, es wird sich angesichts der Kriege und Krisen wie etwa in Syrien und im Irak nicht von selbst lösen. An die 100.000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr in Schweden Asyl beantragen, so die Prognose der Migrationsbehörde. Viele von ihnen werden zu Freunden und Verwandten ziehen können, denn das schwedische Asylgesetz gewährt den Flüchtlingen die freie Wahl des Wohnortes, solange dort für die Unterbringung gesorgt ist. Ungefähr 70.000 von ihnen wird die Behörde aber frei in eine der Gemeinden im Land platzieren. In Gemeinden wie Norberg.  

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