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Hintergrund

Freistil-Kampf erobert Schweden

Publicerat onsdag 28 januari 2015 kl 14.41
"Passt nicht zu einer modernen Gesellschaft"
(6:54 min)
Alexander Gustafsson, MMA
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Vollkontakt in der vollbesetzten Arena von Stockholm (Foto: Jessica Gow/TT.)
Alexander Gustafsson, MMA
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Auch am Boden wird der Kampf fortgesetzt ( Foto: Jessica Gow/TT. )
Alexander 'The Mauler' Gustafsson, MMA (Foto: Jessica Gow / TT)
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Alexander 'The Mauler' Gustafsson verlässt nach verlorerem Kampf die vollbesetzte Tele2-Arena in Stockholm (Foto: Jessica Gow / TT)

Ausgerechnet im besonnenen Schweden hat sich nun ein Sport etabliert, dem wie kaum wie ein anderer übertriebene Härte, Brutalität und Macho-Kultur vorgeworfen wird.

Am Wochenende fand in Stockholm das europaweit bislang größte Event der Kampfsportart MMA – Mixed Martial Arts – statt. In einer Art Käfig treten die Wettkämpfer so gut wie ungeschützt gegeneinander an, fast alle Schläge, Tritte und Ringtechniken sind erlaubt – der Kampf endet in der Regel mit einem KO. Warum hat es gerade dieser Sport geschafft, im kleinen Schweden fast 30.000 Zuschauer in die Stockholmer Arena locken?

Es wurde – trotz der frühen Morgenstunden – ein Megaevent der Extraklasse. Gegen 4 Uhr morgens – der Fernsehzuschauer in den USA zuliebe – boten die Zuschauer im vollbesetzten Tele2-Stadion von Stockholm ihrem Favoriten, dem Schweden Alexander „The Mauler“ Gustafsson einen lautstarken Empfang. Der Fight in dem achteckigen, ringsherum eingezäunten Ring sollte aber nur von kurzer Dauer sein.

Ohne Schutz an Körper, Kopf und Beinen treten und boxen Gustafsson und sein Widersacher, der US-Amerikaner Anthony Johnson aufeinander ein. Nach wenigen Minuten schon liegt der Schwede am Boden. Ungleich einem Kick- oder Faustbox-Kampf bricht der Ringrichter an dieser Stelle aber nicht ab. Stattdessen kniet sich Johnson rittlings auf den Schweden, drückt ihn mit einer Hand am Boden fest und schlägt mit der anderen ohne Unterlass auf Bauch und Kopf ein. Nach fast 30 ungebremsten Treffern bricht der Ringrichter schließlich ab – technischer Knock-Out.

Nichts für zarte Gemüter

   Ein MMA-Kampf ist nichts für zarte Gemüter. Entwickelt in den USA während der 1990er Jahre war Mixed Martial Arts (Gemischte Kampfkünste) lange Zeit eine interne Angelegenheit für Kampfsportler, die aus unterschiedlichen Stilrichtungen wie Ringkampf, Kickboxen, Karate, Judo oder Jiu-Jitsu kamen und in einem so gut wie regelfreien Kampf ihre Stärken und Grenzen testen wollten.

Der US-Veranstalter UFC (Ultimate Fighting Championship) erkannte das Potential und hat es schließlich nach jahrelanger Arbeit und hochprofessionellem Marketing geschafft, den Vollkontaktkampf näher an die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Zuerst in den USA, und jetzt auch in Schweden, wie Anders Lindblad, Sportkommentator der Zeitung Svenska Dagbladet, gegenüber Radio Schweden erklärt.

„Die UFC hat schlichtweg sehr gute Arbeit geleistet. Sie haben mit Schweden ein Land gefunden, in dem großes Potential und Interesse besteht, einen Ausnahmekämpfer zu promoten. In Alexander Gustafsson haben sie so jemanden gefunden. Er ist das Gesicht, mit dem MMA in Schweden einen Aufschwung erlebt hat.“

"Streithammer" sorgt für Erfolg

Alexander Gustafsson trägt den Spitznamen „The Mauler“ , was ein mittelalterlicher Streithammer bedeutet, aber auch als „Der Misshandler“ übersetzt werden kann. Der 28-Jährige aus Arboga in Mittelschweden ist ein nüchterner und offener Mann, der häufig in Talkshows sitzt und dessen Gesicht regelmäßig die Sportseiten der großen Medien ziert. Sportbeobachter nennen ihn Schwedens zweitbekanntesten Sportler in der Welt, gleich nach Fußball-Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic.

Abgesehen von der effektiven Promotion-Arbeit der UFC und dem Ausnahmesportler Gustafsson sei aber auch die Unterstützung seitens der Politik ein Grund für den MMA-Erfolg in Schweden, so Lindblad: „Viele Politiker haben den Sport als eine Art soziale Hilfe für Jugendliche in den schwedischen Vororten beschrieben. Dass sie mithilfe des Kampfsportes von einer schiefen, kriminellen Bahn abgebracht werden können. Mona Sahlin (Frühere Vorsitzende der Sozialdemokraten – Anm. d. Red.)  war eine derjenigen, die MMA in Schweden beigesprungen sind.“

Profi-Boxen erst seit 2007

Professionelles Boxen war lange Zeit verboten in Schweden. Erst seit 2007 ist es wieder unter bestimmten Auflagen gestattet, für ein Preisgeld in den Ring zu steigen. „Mit dem jahreslangen Verbot hat sich ein aufgestautes Interesse gebildet. Als das Verbot dann aufgehoben wurde, hat weniger das Profi-Boxen als MMA die Lücke ausgefüllt. Boxen hat dann auch viele Sportler und Zuschauer an MMA verloren“, so Sportkommentator Anders Lindblad.

Das Riesenevent am Wochenende in Stockholm sollte aber nicht den Eindruck erwecken, dass Schweden plötzlich nur noch von gestählten Kampfmaschinen bevölkert wird. 90 aktive Vereine gibt es über das ganze Land verteilt mit annähernd 3.000 registrierten Mitgliedern. An Wettkämpfen nimmt nur ein Bruchteil von ihnen teil, auf internationalem Niveau sind es nur etwas mehr als zehn Teilnehmer aus Schweden, sagt der Vorsitzende des Schwedischen MMA-Verbands, Johan Halldin, gegenüber Radio Schweden.

„Man muss unterscheiden zwischen den Zuschauern und denjenigen, die MMA ausüben. Das ist alles andere als eine homogene Gruppe. Es sind ja viel mehr, die zuschauen – vergleichbar etwa mit der Formel 1.“

"Vorteilhaft für andere Kampfsportarten"

Halldin gehört zu den Pionieren des Freistil-Kampfsports in Schweden. Vor etwa 3-4 Jahren sei ein Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung zu spüren, die Medien würden über MMA zunehmend als ernstzunehmende Sportart berichten. Der Vorsitzende des Schwedischen MMA-Verbands glaubt auch nicht, dass der Erfolg sich schädlich auf die anderen etablierten Kampfsportarten wie Boxen ausgewirkt hätte. Im Gegenteil:

„Ringen beispielsweise war ja so gut wie verschwunden, obwohl wir früher eine große Ringkampf- und auch Boxnation waren. MMA, das zu großen Teilen aus Ringen besteht, kann diesen Sportarten neuen Aufwind geben, damit erkannt wird, dass sie denselben Status haben sollten wie etwa Fußball oder Hockey“, Johan Halldin.

"Moderner Gladiatorenkampf"

Der Sportkommentator Anders Lindblad glaubt allerdings nicht, dass die Kritik an der harten Kampfsportart verstummt ist, nur weil die Berichterstattung in den Sportmedien nüchterner geworden sei. Lindblad hatte kurz nach dem MMA-Kampf in der Stockholmer Arena einen Zeitungskommentar verfasst, der die gesundheitlichen Risiken und das schlechte Signal an Jugendliche aufs Schärfste kritisierte. Die Reaktionen auf den Artikel sprächen Bände, so der Sportjournalist:

„In unglaublich vielen Mails und Zuschriften war der Tenor, dass es gut sei, dass sich endlich jemand traut, diesen Sport als das zu bezeichnen, was er ist, nämlich eine Art moderner Gladiatorenkampf mit ernsten Gesundheitsrisiken. Ich kann die Faszination dafür auf jeden Fall verstehen. Ich finde aber nicht, dass dieser Sport zu einer modernen Gesellschaft gehört.“  

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