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Bettler als Ausstellungsgegenstände

Publicerat torsdag 29 januari 2015 kl 13.47
"Warum tolerieren wir die Armut?"
(3:45 min)
Photo: Anders Carlsson
Hier kann man nicht wegsehen (Foto: Anders Carlsson, Institutet)

Die Kunsthalle Malmö hat mit einer ungewöhnlichen Performance für Aufsehen gesorgt: In einer Live-Performance werden die Besucher mit einem Problem konfrontiert, vor dem außerhalb des Museums viele lieber die Augen verschließen.

Kein Elefantenmann und auch keine siamesischen Zwillinge, sondern rumänische Bettler sind in der Kunsthalle Malmö zu sehen. „Wir sollen in einem Raum der Kunsthalle sitzen", erzählt Luca Lakatos - in derselben Pose, die sie ansonsten draußen vor dem Supermarkt einnehmen. Zwei Stunden pro Tag kommen Luca Lakatos und seine schwangere Frau Marcela Cerisi nun ins Warme und bekommen für ihre Arbeit bezahlt. Das Projekt finden sie gut. Besser als auf der Straße zu sitzen, sei es allemal. Richtiges Betteln ist im Museum verboten.

Lediglich zum Begaffen wie einst in der Freak Show seien die EU-Migranten selbstverständlich nicht ausgestellt, beeilt sich Performance-Künstler Anders Carlsson im Schwedischen Rundfunk zu versichern.

„Warum tolerieren wir die Armut, die sich in Europa immer mehr ausbreitet und nun in Schweden mit den Bettlern vor den Läden deutlich sichtbar wird? Dann haben wir überlegt, was mit unserem Selbstbild passiert, wenn uns als solidarische Menschen die Armut plötzlich so auf den Leib rückt."

„The Alien within", also „Der Fremde in uns", heißt das Projekt, bei dem die Performance der Kunst- und Theatergruppe „Institutet" unter der Leitung von Anders Carlsson nur einen Teil ausmacht. Das Projekt insgesamt nimmt seinen Ausgangspunkt in der Multimedia-Installation „Animatograph" des 2010 verstorbenen deutschen Künstlers Christoph Schlingensief - eine seiner wenigen Installationen, die noch intakt sind.

Nicht weggucken

Die beiden rumänischen Bettler nun sitzen allein in einem kahlen, weiß gestrichenen Raum. Im Gegensatz zu der Begegnung mit den Bettlern, die im Eingang des Einkaufsladens sitzen, gibt es hier keine Möglichkeit zu entkommen, stellt Besucher Anders Tsirk im Schwedischen Fernsehen fest.

„Ihren Blicken in der Stadt zu begegnen, ist schon schlimm. Aber hier fällt es eigentlich noch schwerer."

„Eigentlich war es, als würde man raus auf die Straße treten, nur dass es hier eben eine Kunstinstallation ist", meint Pauline Johansson. „Ich finde es schrecklich, wie es momentan in Schweden aussieht. Es ist schwer zu beschreiben, aber in dem Ausstellungsraum war die Situation plötzlich viel direkter und konkreter."

Ethisch nicht unproblematisch

Die Reaktionen auf die Performance fallen insgesamt stärker aus als sonst bei Ausstellung üblich, haben die Mitglieder von „Institutet" festgestellt. Manchen Besuchern reichten schon die Medienberichte, um der Ausstellung von vornherein den Rücken zu kehren.

„Ich finde das erniedrigend für diejenigen, die da gezwungenermaßen sitzen müssen", sagt eine Besucherin, die lieber anonym bleiben möchte. „Das ist ja wie im Zirkus, wo man in seiner Armut vorgeführt wird. Mir wäre es unangenehm, da reinzugehen. Genauso wie es mir peinlich wäre, im Urlaub mit einem Touristenbus in die Slums zu fahren, nur um mal zu gucken."

Das Kunstprojekt ist ethisch nicht ganz unproblematisch, räumt Künstler Anders Carlsson ein. Wie stark die Kunst die Wirklichkeit beeinflussen kann, darüber ließe sich aber nur spekulieren.

„Ich glaube nicht, dass Kunst die Welt in so großem Umfang verändern kann. Man kann aber einen Zustand mit Hilfe von Kunst wie mit einem Vergrößerungsglas betrachten. Und in diesem Falle fragen: Wie verändert sich unser Selbstbild in der Begegnung mit einem leidenden, armen Anderen?"

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