Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/

Sex-Kauf-Verbot ohne Wirkung

Publicerat måndag 2 februari 2015 kl 11.01
"Regierung deutet negative Effekte positiv"
(4:44 min)
En prostituerad kvinna på Malmskillnadsgatan. Foto: Claudio Bresciani/TT.
Kundenwerbung auf der Malmskillnadsgatan in Stockholm (Foto: Claudio Bresciani/TT)

Seit seiner Einführung vor 15 Jahren ist das schwedische Sex-Kauf-Verbot heftig umstritten. Jetzt kommt Kritik aus ungewohntem Munde. RFSU, der Zentralverband für Sexualaufklärung in Schweden, gibt dem Gesetz schlechte Noten.

RFSU geht mit dem Gesetz hart ins Gericht. Kristina Ljungros, Vorsitzende des Verbandes für Sexualaufklärung, nennt vor allem drei Kritikpunkte: Erstens gebe es keine klaren Belege dafür, dass die Zahl der Freier gesunken sei. Zweitens zwinge das Gesetz viele Prostituierte,  im Geheimen zu agieren. Und drittens stigmatisiere das Verbot die Prostituierten noch mehr.

Prostituierte leiden unter negativer Einstellung

„Ein Ziel des Gesetzes war es, eine negative öffentliche Meinung  gegenüber den Käufern von sexuellen Diensten zu schaffen. Das ist gelungen. Gleichzeitig ist aber auch die Haltung gegenüber den Verkäufern von sexuellen Diensten wesentlich negativer geworden und das wollen wir absolut nicht“, sagte Ljungros im Schwedischen Rundfunk.

Immer mehr für Kriminalisierung von Prostitution

Ihre Aussagen basieren auf einer Studie der Hochschule Malmö, die RFSU in Auftrag gegeben hatte. Demnach sind mittlerweile mehr als die Hälfte aller Schweden dafür, auch den Verkauf von sexuellen Diensten zu kriminalisieren. Vor Einführung des Gesetzes im Jahr 1999 wollte das nur ein Drittel. Das Sex-Kauf-Verbot kriminalisiert den Freier, lässt aber die  Prostituierten unbehelligt.

"Versprechen wurden nicht eingehalten"

Susanne Dodillet, promovierte Kulturpädagogin und Historikerin an der Universität Göteborg, hat ausführlich zu den deutschen und schwedischen Prostitutionsgesetzen geforscht. Sie bestätigt die Ergebnisse von RFSU im Interview mit Radio Schweden: „In Schweden hat man sich damit begnügt, den Sexkauf zu verbieten und die Freier zu kriminalisieren. Man hoffte auf einen Erziehungseffekt, der die Nachfrage und damit auch die Zahl der Prostituierten sinken lassen würde. Darüber hat man die Versprechen vergessen, die man bei Verabschiedung des Gesetzes gemacht hatte,  nämlich die soziale Betreuung für Prostituierte zu fördern und Aussteigerprojekte zu finanzieren.“

Deutsche reden Prostitution schön

Vereinfacht gesagt, kritisieren sowohl Dodillet als auch RSFU, dass die schwedische Regierung in all ihrem Bemühen, Prostitution als gesellschaftliches Phänomen zu verurteilen, das Schicksal der einzelnen Prostituierten vergisst. Ihnen, so der Tenor, würde durch das Sex-Kauf-Verbot das Leben nur noch schwerer gemacht. Für Dodillet ist aber auch die deutsche Lösung, die Prostitution legalisiert, problematisch. In der deutschen Diskussion, so die Forscherin, werde Prostitution oft schön geredet.

Regierung nach wie vor positiv

Konkrete Lösungen schlagen weder die Forscherin noch RFSU vor. Beide sind jedoch der Meinung, dass die schwedische Regierung die Auswirkungen des Sex-Kauf-Verbotes zu positiv darstellt. So behauptete sie bei einer offiziellen Auswertung des Gesetzes vor vier Jahren, das Verbot gegen den Kauf von sexuellen Diensten habe sein Ziel erreicht. Es sei „ein wichtiges Instrument, um Prostitution und Menschenhandel zu sexuellen Zwecken vorzubeugen und zu bekämpfen“.

Alles eine Frage der Interpretation 

Die Zahlen dazu sind allerdings mager. Seitdem das Gesetz vor fünfzehn Jahren eingeführt wurde, wurde noch kein einziger Freier zu einer Haftstrafe verurteilt. Die meisten Sexkäufer kommen mit Geldstrafen davon. Angaben darüber, wie viele Personen im vergangenen Jahr wegen des Kaufs sexueller Dienste angezeigt wurden, liegen im Moment noch nicht vor. Doch selbst besseres Zahlenmaterial würde nicht notwendigerweise zu klaren Erkenntnissen führen. Bei diesem umstrittenen Thema bleibe Vieles Interpretationssache, wie Susanne Dodillet betont: „Auch die Regierung schreibt in ihrer Auswertung, dass es den Prostituierten durch das Gesetz wesentlich schlechter geht und dass deren Arbeit der Prostituierten unsicherer geworden ist. Sie räumen auch ein, dass viel weniger Freier bereit sind, in Zuhälterprozessen auszusagen, weil sie sich selbst strafbar machen.“  Allerdings, so die Forscherin,  ziehe die Regierung daraus Schlussfolgerungen, die denen von RFSU genau entgegengesetzt sind.  „Sie argumentieren, dass das Gesetz den Alltag der Prostitution erschweren und die Frauen aus der Prostitution herauszwingen solle. Und damit deutet der schwedische Gesetzgeber diese negativen Effekte auf die einzelnen Prostituierten als positiv.“

Karin Bock-Häggmark

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".