Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/

Meeting-Inflation in Schweden

Publicerat fredag 6 februari 2015 kl 09.00
"Die Hälfte aller Besprechungen sind zwecklos"
(4:38 min)
Ninni Löwgren von der Deutsch Schwedischen Handelskammer in Stockholm sagt dass Schweden sich weniger auf Meetings vorbereiten als Deutsche. (Foto: Elin Körnich/Radio Schweden)
Ninni Löwgren Tischer (r.) kann der schwedischen Kaffeepause dennoch viel Gutes abgewinnen (Foto: Elin Körnich/Radio Schweden)

Meetings – das weiß jeder, der in Schweden arbeitet - sind ein wesentlicher Bestandteil des hiesigen Berufsalltages. Doch wenn vor lauter Besprechungen die Arbeit zu kurz kommt, dann läuft irgendetwas schief. Der Widerstand gegen inflationäre Meetings wächst.

„Der von Ihnen gesuchte Teilnehmer ist momentan in einer Besprechung  und gegen 16 Uhr zurück. Wenn Sie eine Nachricht hinterlassen wollen, dann drücken Sie die Eins.“ Telefonmitteilungen dieser Art bekommt man in Schweden andauernd zu hören. Die Unzahl von Meetings – Vor-, Nach- und Hauptbesprechungen, Koordinations – und Koordinatorentreffen – brachten die Soziologieprofessorin Malin Åkerström von der Universität Lund auf eine Idee: „Mir fiel auf, dass das wie bei Drogenabhängigen ist. Die erfinden auch reihenweise neue Namen für ihren Stoff.“

"Die Hälfte der Sitzungen hat keinen Zweck"

Åkerström startete das Forschungsprojekt „Wir sind in einem Meeting“. Sie schaut sich das Phänomen genauer an. Auf der einen Seite blüht die Meetingkultur in Schweden, in den meisten Städten schießen Konferenzzentren wie Pilze aus dem Boden. Gleichzeitig macht sich eine allgemeine Müdigkeit breit. Da werden in der tausendsten Besprechung Strichmännchen aufs Papier gemalt oder es wird das Handy befummelt.

Der Unternehmensberater Jacob Marinko hat die inflationären Meetings zu seinem Beruf gemacht. Er berät Organisationen, die effektiver arbeiten wollen. Seine Bilanz ist eindeutig: „Laut meinen Untersuchungen hat die Hälfte aller Besprechungen weder Zweck noch Ziel. Die Hälfte der Teilnehmer findet zudem, dass die Treffen schlecht vorbereitet sind, die Falschen dabei sind oder unklare Beschlüsse gefasst werden.“

"Deutsche werden nervös"

Deutsche, die in Schweden arbeiten, mache die ausgeprägte Meetingkultur in Schweden oft nervös, weiß Ninni Löwgren Tischer von der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm. Sie arbeitet dort seit Jahren mit interkulturellen Fragen.

„Als Deutscher geht man doch, wenn ich das Wort benutzen darf, mehr diszipliniert in eine Besprechung rein. Man ist vorbereitet“, sagt Löwgren Tischer im Interview mit Radio Schweden. „In Schweden hingegen nimmt man Fragen – zum Teil auch ganz bewusst – mit ins Meeting. Hier will man im Konsensus Probleme gemeinsam erörtern. Die Weichen werden während des Meetings gestellt, nicht davor.“

Flache Hierarchien - viele Meetings

Auch nehmen in Schweden im Prinzip alle an irgendwelchen Treffen teil. Grund dafür sind die flachen Hierarchien. „Man nimmt viele mit ins Boot. Zum Meeting kommen nicht nur die Experten und die Projektleiter, wie es vielleicht in Deutschland der Fall wäre. Projektteilnehmer aus allen Ebenen sind dabei, denn alle sind gleich wichtig.  Sie sind wie Zahnräder, die miteinander verzahnt sein müssen, um das Projekt ins Rollen zu bringen.“

Viele Teilnehmer, viele Treffen. Früher war das logisch. Da war das Meeting häufig der einzige Informationskanal für die Unternehmungsleitung. Heute jedoch gibt es durch das Internet so viele andere Kommunikationsformen. Dennoch stirbt die Besprechung nicht aus, im Gegenteil – sie erlebt eine Renaissance. „Bei einer Besprechung“, erklärt Åkerström, „geht es nicht nur darum, Entscheidungen zu treffen. Sie hat auch eine andere Bedeutung. Man will dabei sein und auf der Teilnehmerliste stehen. Das zeigt, dass man aktiv ist und seine Arbeit macht.“

Die effektive Kaffeepause

Unternehmensberater Marinko hat für sich selbst vermeintlich simple Konsequenzen gezogen: Er nimmt nur mehr an den Meetings teil, die ein klares Ziel haben und bei denen seine Anwesenheit wirklich erforderlich ist. Wenn jeder so handelt, könnte das die Besprechungsinflation begrenzen, glaubt er.

Ninni Löwgren Tischer sieht das differenzierter. Die soziale Funktion von eher informellen Meetings wird ihrer Meinung nach nach wie vor unterschätzt. Hier könnten sich die Deutschen sogar eine Scheibe von Schweden abschneiden: „Ich denke da an die fikapaus, wenn man bei einem Kaffee über Abteilungsgrenzen hinweg ad-hoc Dinge bespricht. So kommt man tatsächlich schneller und effektiver ans Ziel.“

 

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.

Användarkommentarer

Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".