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Hintergrund

Gewalteinsatz gegen Kind: Was dürfen Wachdienste?

Publicerat onsdag 11 februari 2015 kl 15.07
"Früher doppelt so viele Polizisten wie private Sicherheitsleute"
(6:01 min)
Malmö centralstation
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Ausschnitt aus dem Film, den die Zeitung Sydsvenskan auf Youtube veröffentlichte

Ein Einsatz privater Sicherheitsleute gegen einen 9-jährigen Jungen in Malmö hat die Diskussion über die Rolle und Qualifikation privater Wachdienste aufs Neue entfacht.

Passanten hatten am Freitag am Malmöer Zentralbahnhof einen Wächter dabei gefilmt, wie er das Kind unter Einsatz körperlicher Gewalt am Boden festhält. Der Film fand große Verbreitung in den Sozialen Medien und weckte Proteste gegen die privaten Sicherheitsdienste, die in Schweden immer häufiger die Arbeit der Polizei übernehmen.

Der Filmausschnitt auf YouTube lässt niemanden ungerührt. Ein neunjähriger Junge liegt mit dem Rücken auf dem Betonboden, weint und schreit verängstigt. Über ihm kniet der körperlich um ein Vielfaches überlegene Sicherheitswächter und fixiert ihn hart an Kopf und Körper. Der Junge versucht sich mit Gewalt loszureißen, der Wächter drückt dagegen, woraufhin der Hinterkopf zweimal mit einem dumpfen Knall auf dem Boden aufschlägt.

Einsatz am Zentralbahnhof

Laut Polizeiangaben hatten zwei Sicherheitsangestellte am Freitagabend am Zentralbahnhof von Malmö den 9-Jährigen und seinen 12-jährigen Begleiter beim Versuch aufgegriffen, ohne Fahrschein in einen Zug zu steigen. Die Beiden waren am selben Tag aus einem Jugendheim ausgerissen; die Ordnungswächter hatten die Anweisung erhalten, die Jungen an Ort und Stelle festzuhalten, bis die Polizei eintrifft.

In dem Vorfall von Malmö steckt viel Zündstoff. In die Heimunterbringung, aus der die beiden ausgerissen waren, werden Kinder und Jugendliche häufig wegen aggressiven Verhaltens, Drogen oder Kriminalität eingewiesen. Beide Kinder sind Flüchtlinge, die ohne Begleitung von Erwachsenen nach Schweden kamen – die Kommentare in den Sozialen Medien überschlugen sich entsprechend. Auf der einen Seite stand die Einschätzung, der Junge habe sich die harte Behandlung selbst zuzuschreiben. Auf der anderen Seite stand der Vorwurf, der Sicherheitsmann hätte nur aus rassistischen Motiven heraus so hart durchgegriffen.

"Gewalt gegen Kinder niemals gerechtfertigt"

Welche Geschichte er hätte und welchen Widerstand der Junge geleistet habe, dürfe aber nicht von Bedeutung sein, sagte die Psychologin Maria Bühler, die verhaltensauffällige Jugendliche betreut, dem Schwedischen Fernsehen.

„Solch gewaltsames Handeln ist schlichtweg niemals berechtigt gegenüber einem Kind. Ich frage mich wirklich, wie die Wächter auf solche Konfliktsituationen vorbereitet werden. Haben sie gelernt, wie sie selbst die Ruhe bewahren können? Und falls sie wirklich jemanden festhalten müssen, haben sie Techniken gelernt, mit denen dies mit nur minimalem Einsatz von Gewalt funktioniert? Aber solche Methoden erfordern eben eine gediegene Ausbildung. Das lernt man nicht einfach schnell an einem Nachmittag.“

Die Kritik, die privaten Ordnungshüter seien nicht ausreichend auf derartige Konfliktsituationen vorbereitet, ist nicht neu. Vor knapp drei Jahren hatten Angestellte einer Sicherheitsfirma an der Stockholmer U-Bahnstation Slussen einem 12-Jährigen Handschellen angelegt. Der Kinderombudsmann hatte dagegen protestiert, woraufhin die Bestimmungen der Kinderrechtskonvention mit in die Wachausbildung aufgenommen wurden. Nach dem Vorfall am Freitag forderte Ombudsmann Fredrik Malmberg, dass aufs Neue geprüft werden müsse, wie die Sicherheitsdienste auf die Konfrontation mit Kindern vorbereitet werden.

Was lernt man in zwei Wochen Ausbildung?

Wieviel Unterrichtsstoff aber kann in einer Wachausbildung, die in der Regel schon nach zwei Wochen abgeschlossen ist, behandelt werden? In Schweden bildet die Polizei die privaten Sicherheitsleute aus. Im größten Teil des Kurses werden rechtliche Fragen behandelt, Konfliktbewältigung macht einen geringeren Teil aus. Selbst wenn die Wächter später weiterführende Kurse besuchen können stellt sich in Schweden wieder aufs Neue die Frage, ob die privaten Sicherheitsdienste wirklich allen Aufgaben gewachsen sind. Nicht zuletzt deshalb, weil sie immer mehr Bereiche abdecken, die eigentlich zur traditionellen Polizeiarbeit gehören.

„Als ich noch Polizeichef war, gab es doppelt so viele Polizisten wie private Sicherheitsleute. Diese werden jetzt von uns, also dem privaten Sektor ersetzt, eben weil die Polizeiarbeit so schwer zu finanzieren ist“, so Björn Eriksson, altgedienter Polizeimitarbeiter und Landespräsident, und heute Vorsitzender der Interessenorganisation der Sicherheitsdienste. „Wir wollen die Polizei entlasten, damit sie sich um andere Einsätze kümmern kann.“

Einzelfall oder Alltag?

Eriksson räumt ein, dass die Szenen aus dem Filmausschnitt „wirklich nicht schön“ aussehen, will aber die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten, die die Polizei nun, nach anfänglicher Verzögerung, gegen die Sicherheitsleute eingeleitet hat. Die beiden Wächter sind von ihrem Dienst befreit, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind. Eriksson betont, dass es sich hier um einen Vorfall handle, der nur äußerst selten in Schweden auftrete.

„Allein in den Reisezentren haben wir 4.000 Einsätze jeden Monat. Allgemein sind es mehr als 50.000 Einsätze monatlich. Dieser Vorfall ist äußerst ungewöhnlich. Und da muss ich mich doch fragen, ob es wirklich so ist, dass etwas nicht mit unseren Ausbildungen stimmt? Gegen uns wird ja seltener Anzeige erstattet als gegen die Polizei.

Dass derart junge Kinder in Vorfälle wie nun in Malmö verwickelt werden, ist wahrlich nicht schwedischer Alltag – Übergriffe und Diskriminierungen in Nachtclubs und Kneipen allerdings schon. Mittlerweile gibt es Organisationen, die Fälle dokumentieren und auf den Alltagsrassismus mancher Sicherheitswärter aufmerksam machen. Omar Abdullahii steht einer dieser Vereinigungen vor. Er selbst wurde von Sicherheitsleuten in einer Kneipe zusammengeschlagen. Später wurde ihm von einem Gericht Schadenersatz zugesprochen. Abdullahii organisierte nach dem jüngsten Vorfall von Malmö eine Kundgebung, zu er einige hundert Teilnehmer kamen.

„Die Sicherheitsleute brauchen eindeutig bessere Ausbildung. Die Politik sollte dieses Thema in die Hand nehmen.“

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