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Radio Schweden Reportage

Anti-Terror-Kampf in schwedischer Idylle

Publicerat tisdag 17 februari 2015 kl 14.38
„Sprengsätze werden immer raffinierter"
(5:59 min)
Rekonstruktion der Bomben-Küche vom Londoner Attentat 2005 (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
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Ein Herd und ein Topf, mehr nicht. So bauten die Attentäter von London 2005 ihre Sprengsätze (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Henric Östmark ist einer der führenden Sprengstoffexperten Schwedens (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
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Henric Östmark ist einer der führenden Sprengstoffexperten Schwedens (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Was ist in dieser Ski-Box? (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
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Was ist in dieser Ski-Box? (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Sprengkammer mit Schweinsnase (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
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Sprengkammer mit Schweinsnase (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Mit diesem Apparat kann Sprengstoff aus der Entfernung identifiziert werden (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
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Mit diesem Apparat kann Sprengstoff aus der Entfernung identifiziert werden (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)

Terroristen greifen immer häufiger zu selbstgemischten Sprengstoffen – in Schweden gibt es eine europaweit einzigartige Forschung, die dieser neuen Gefahr auf die Schliche kommen soll.

Auf dem Gelände des Forschungsinstituts der Streitkräfte (FOI) südlich von Stockholm simulieren schwedische Bombenexperten berühmt-berüchtigte Terrorattentate, etwa das von London 2005 oder vom Bostoner Marathon 2013, und entwickeln so im Auftrag der EU neue Methoden im Anti-Terror-Kampf. Die Forschungsarbeit findet unter großer Geheimhaltung statt – Radio Schweden konnte dennoch den Bomben-Forschern einen Besuch abstatten.

Sprengstoffexperte Henric Östmark führt auf das Forschungsgelände des FOI in Grindsjön, etwa eine Autostunde südlich von Stockholm. Die Anlage, idyllisch gelegen zwischen Pferdeweiden, Wäldern und Seen, erstreckt sich auf ein über sieben Quadratkilometer großes, hermetisch abgeriegeltes Areal mit Überflugverbot, das laut Östmark in dieser Form einzigartig in Europa ist.

Einzigartiges Knowhow in Schweden

„Schweden verfügt über großes Wissen auf diesem Gebiet. Die zivile Verwendung von Strengstoff wurde ja in Schweden von Nobel erfunden, und es gibt eine lange industrielle Vergangenheit in diesem Bereich. Hier in Grindsjön haben wir eine einzigartige Anlage, auf der Sprengstoffe und selbstgebaute Bomben aller Art unter guten Sicherheitsvoraussetzungen getestet werden können. Deshalb wollen viele andere Länder, dass ihre Forschungsprojekte hier durchgeführt werden.“

Die EU hat sich mittlerweile zu einem der größten Partner der Bombenforscher von Grindsjön entwickelt. Umgerechnet etwa 26 Millionen Euro hat die EU-Kommission für das neue Projekt Expedia bewilligt, mit dem herausgefunden werden soll, wie man Anschlägen mit selbstgemischten Sprengstoffen besser auf die Schliche kommt.

Dies mag zunächst wie eine Mammutarbeit klingen. Laut Östmark gibt es aber nur eine Handvoll Stoffe, die in der Hand von Terroristen wirklich zur Gefahr werden können. Ein Ziel des Projektes ist es, Zusätze zu finden, die den Produkten beigemischt werden, um so deren Explosionspotenzial zu verringern. Als Beispiele nennt Östmark Salpeter und den Klassiker unter den Bomben-Bastlern: Kunstdünger.

Sprengstoff-Küchen im Nachbau

Gleichzeitig versuchen die Forscher, neue Messmethoden zu entwickeln, um die explosiven Mittel besser aufzuspüren – etwa wenn Reste in Dämpfen aus einem Sprengstofflabor aufsteigen. Zu diesem Zweck versuchen Östmark und seine etwa 20 Kollegen und Kolleginnen, die Arbeitsschritte der Terroristen zu rekonstruieren. So hat das FOI die Küche von Leeds nachgestellt, in der 2005 die Attentäter von London ihren Sprengstoff aufgekocht hatten.

Der Weg zu der Sprengstoff-Küche führt durch festgefrorenen Schnee zu einem alten Bauwagen. Wenn die Sprengstoffforscher ihre Versuche durchführen, kann dieser leicht an einen anderen Ort verlegt werden, an dem im Falle einer Explosion niemand gefährdet wird. Das Sprengstoff-Labor von Leeds ist erschreckend simpel: Ein Herd und ein Kochtopf.

„Sie verwendeten ein Reinigungsmittel, dass durch Kochen konzentriert wurde. Dadurch gelangten scharfe Gerüche nach außen. Wir haben in dieser Küche die Bombe nachgebaut und konnten mit Messgeräten aus weitem Abstand eindeutig die Bombenaktivität feststellen.“ Hätte es solche Messgeräte damals schon gegeben, hätte die Polizei womöglich die Londoner Anschläge, bei denen über 50 Menschen ums Leben kamen, verhindert, so Östmark.

Eigener Sprengstoff leichter herzustellen

Selbstgebaute Bomben sind kein Phänomen der Neuzeit. Bereits 1605 verübten der Sprengstoffexperte Guy Fawkes und seine Mitverschwörer einen Anschlag auf das britische Parlament. Die heutige Bedrohungslage sei seit den Anschlägen von Spanien, London, Stockholm, Oslo oder Boston allerdings eine völlig neue, so Östmark:

„Die Sprengsätze werden immer raffinierter. Früher hat man eher versucht, Sprengstoffe zu stehlen – dies ist heute weitaus schwieriger geworden. Deshalb werden selbst entwickelte Stoffe immer häufiger verwendet. Außerdem sind Informationen zum Bombenbau im Internet verfügbar.“

Bei etwa der Hälfte aller Rekonstruktionen simulieren die FOI-Forscher bereits verübte Attentate, um der Polizei im Falle einer Wiederholung bessere Mittel zur Aufspürung in die Hand zu geben. Gleichzeitig ergründen die Schweden, wie neue Anschläge aussehen könnten. In diese Arbeit erhalten wir aus Sicherheitsgründen allerdings keine Einsicht.

„Unsere Arbeit wird niemanden davon abhalten, Bomben zu bauen. Sie wird aber die Terroraktivitäten erschweren. Das Bombenbauen dauert länger, Stoffe gelangen in die Luft, die Attentäter müssen weitaus mehr Mengen an Sprengmitteln kaufen. So gewinnen Polizei und Informanten mehr Zeit, um Bombenfabriken aufzuspüren. Nehmen Sie die Attentäter von London. Sie kauften einige hundert Liter. Mit einem Zusatz, an dem wir forschen, müssten sie stattdessen 1-2 Tonnen kaufen. Das macht es für sie also weitaus schwieriger und das Aufspüren leichter.“

Ist die Umsetzung realistisch?

Doch ist es wirklich realistisch, dass die Zusammensetzung aller Erzeugnisse, die für Terroristen attraktiv sind, verändert werden, um ihnen so ihr Explosionspotenzial zu nehmen? Henric Östmark zeigt sich zuversichtlich:

„Wir haben bereits Kontakt mit Herstellern, die versprochen haben, unsere Zusätze zu verwenden. Sie wollen ja vermeiden, dass ihre Produkte irgendwann auf einer Verbotsliste landen. Es ist also sehr realistisch, dass mit den Herstellern entweder ein Abkommen getroffen wird, oder dass in anderen Fällen die EU-Kommission es per Gesetz durchsetzt“, so Henric Östmark, während im Hintergrund deutlich hörbar zwei Sprengsätze detonieren.

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