Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Wohnungsmarkt

Stockholm - geteilte Stadt

Publicerat fredag 2 oktober 2015 kl 14.00
"Schweden hat seit 1990 am allerwenigsten gebaut"
(6:58 min)
Stockholm (Foto: Anne Rentzsch)
Hartes Pflaster für Wohnungssuchende - Stockholm (Foto: Anne Rentzsch)

Knapp zehn Jahre warten auf eine Mietwohnung, galoppierende Preise für Wohneigentum: Auf Stockholms Wohnungsmarkt gilt das Recht des finanziell Stärkeren. 

Zwar ist Segregation, die Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Wohnviertel entsprechend der Finanzkraft ihrer Bewohner, europaweit ein deutlicher Trend. Doch die schwedische Hauptstadt sticht hervor. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die sozioökonomische Segregation zwischen 1990 und 2010 in 13 europäischen Metropolen untersucht.

Überraschung

Für die Forscher aus dem Ausland sei Stockholm die große Überraschung gewesen, sagt Roger Andersson, Professor für Kulturgeographie an der Universität Uppsala, der gemeinsam mit seiner Kollegin Anneli Kährik für den schwedischen Teil der Untersuchung verantwortlich war. „Ich glaube, die meisten hatten erwartet, dass die Segregation in Stockholm vergleichsweise gering ist – wegen der schwedischen Geschichte, die ja eng mit dem Wohlfahrtsstaatsmodell und geringen Einkommensunterschieden verknüpft ist. 1990, zu dem Zeitpunkt, an dem unsere Studie beginnt, war das auch noch so. Danach ist Stockholm aber schneller auseinandergedriftet als die meisten anderen Städte.“

Rotstift nach Wirtschaftskrise

Dabei sind die „Konkurrenten“ durchaus nicht ohne: Auch in London, Riga, Madrid, Vilnius, Mailand, Tallinn, Amsterdam, Athen, Budapest und Oslo ist der Wohnungsmarkt hart umkämpft. Dass Stockholm seit 2001 dennoch die stärkste räumliche Polarisierung verzeichnet, führt Roger Andersson auf mehrere Faktoren zurück. Neben wachsenden Einkommensunterschieden, die hier wie anderswo in Europa seit den 1980-er Jahren zu verzeichnen sind, erlebte Schweden maßgebliche Veränderungen der Wohnungspolitik. Insbesondere im Zuge der tiefen schwedischen Wirtschaftskrise Anfang der 1990-er Jahre setzten die Politiker beim Wohnungsbau den Rotstift an. „Früher hatte die Politik nach ausgleichenden Momenten gestrebt, mit umfangreicher staatlicher Subventionierung von Neubauten, mit der generösen Vergabe von Wohngeld und einem großen Bestand im sozialen Wohnungsbau“, so Roger Andersson. „All das änderte sich nun. Inzwischen hat der schwedische und vor allem der Stockholmer Wohnungsmarkt einen weitaus deutlicheren Markt-Charakter als früher, da Staat und Kommunen noch stärker Einfluss nahmen.“  

Bürgerliche initiierten Ausverkauf

Angeheizt wurde die Entwicklung zusätzlich ab 2006, als ins Stockholmer Rathaus nach langer sozialdemokratischer Führung eine bürgerliche Mehrheit einzog. Sie ermöglichte es Mietern, die eigene Wohnung zum Vorzugspreis in ein sogenanntes Wohnrecht umzuwandeln, eine Wohnform, bei der man sich in eine Wohngenossenschaft einkauft. Besonders in den attraktiven Lagen kam es daraufhin zu regelrechten Kauf-Orgien; die Zahl verfügbarer Mietwohnungen sank drastisch. „In der Stockholmer Innenstadt waren im Jahr 1990 73 Prozent aller Wohnungen Mietwohnungen, jetzt sind es noch rund 35 Prozent, also nicht einmal mehr halb so viele“, fasst Roger Andersson zusammen.

Bevölkerung wächst – Wohnungsbau schrumpft

Wer ein Dach über dem Kopf braucht, muss häufig teuer bezahlen: Die ins Astronomische steigenden Preise für sogenannte Wohnrechte und die entsprechend hohe Verschuldung vieler Schweden macht inzwischen gar der EU und der OECD Sorgen. „Ich glaube, Schweden ist das europäische Land, das seit 1990 die wenigsten Wohnungen gebaut hat. Gleichzeitig gehört Stockholm zu den Städten, in denen die Bevölkerung am stärksten wächst“, beschreibt Roger Andersson die prekäre Lage. „Die Konkurrenz um Wohnungen ist also sehr stark und die Preisentwicklung spiegelt das wider. Die hohen Kosten erschweren es Neueinsteigern, einen Fuß in den Wohnungsmarkt zu bekommen. Besonders schlecht dran sind diejenigen, die weder Kapital noch reiche Eltern haben.“

Wohlhabende Migranten fliehen

Die Investitionen in den Wohnungsbau, die die rot-grüne Regierung laut ihrem jüngsten Haushalt plant, sieht Andersson nur als Tropfen auf den heißen Stein. Unterdessen schreitet die Segregation fort – wobei das hier zu Lande häufig bemühte „Schwarz-Weiß-Bild“, ethnische Schweden wohnten citynah, Migranten aber am unattraktiven Stadtrand, laut Roger Andersson so nicht ganz stimmt. Migranten mit hohem Einkommen sähen nämlich zu, die „verschrienen“ Bezirke am Stadtrand, mit großen sozialen Problemen und wachsender Kriminalität, selbst schnellstmöglich hinter sich zu lassen: „Vor 20 Jahren hatten viele Vororte zwar einen hohen Migrantenanteil, aber alle sozialen Schichten waren vertreten. Heute sind Menschen mit hohen Einkünften aus diesen Gebieten im Prinzip weggezogen. Übrig bleibt eine sehr ressourcenschwache Bevölkerung, darunter viele Flüchtlinge. Es wäre also zu einfach, die Segregation in Stockholm als eine ethnische zu beschreiben. Sie ist in erster Linie eine sozioökonomische Segregation. Aber natürlich haben wir in Schweden auch eine ‚Färbung‘ der Klassenstruktur. Denn viele Migranten haben es ja sehr schwer, einen Job zu bekommen, und gehören deshalb zu den Ärmsten der Armen.“

„White flight“ nicht aktuell

Tendenzen, mit denen sich andere europäische Städte herumschlagen – so die als „White flight“ (Weiße Flucht) beschriebene Neigung Einheimischer, aus Wohngebieten mit wachsendem Migrantenanteil wegzuziehen – spielten im heutigen Stockholm im Prinzip kaum eine Rolle, so Andersson. Das liege schlicht daran, dass in Gebieten wie beispielsweise Rinkeby oder Tensta ohnehin nur noch ganz wenige ethnische Schweden übrig seien. Gleichzeitig beobachte man ein „White avoidance“, ein Ausweichen: Für ethnische Schweden kommen die stigmatisierten Gebiete – die einzigen, in denen es noch immer einen großen Anteil von Mietwohnungen gibt – nicht in Frage.

Mittlerweile wächst laut Roger Andersson der Konsens darüber, dass zumal der große Schlussverkauf von Mietwohnungen wohl nicht sonderlich smart gewesen sei. Neben wachsender Segregation hat die Stadt auch an Attraktivität nicht zuletzt für ausländische Studien- oder Jobmigranten verloren. Für einen Kurzzeitaufenthalt hohe Schulden zwecks Wohnungskauf zu machen, können und wollen sich nur wenige leisten.

Anne Rentzsch

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".