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Reportage

Astrid Lindgrens Zuhause erstmals für Besucher geöffnet

Publicerat fredag 20 november 2015 kl 20.00
"Als sei sie nur kurz weggegangen, um eine Zeitung zu kaufen"
(7:28 min)
Eingangsschild zu Astrid Lindgrens Wohnung (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
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Eingangsschild zu Astrid Lindgrens Wohnung (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
Lena Törnqvist (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
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Lena Törnqvist von der Astrid Lindgren Gesellschaft (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
Astrid Lindgrens Schreibtisch und Schreibmaschine in der Dalagata 46 in Stockholm. (Foto: Jessica Gow/TT)
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Astrid Lindgrens Schreibtisch und Schreibmaschine in der Dalagata 46 in Stockholm. (Foto: Jessica Gow/TT)
Astrid Lindgren zuhause in ihrer Wohnung in der Dalagata (Foto: Bertil S-son Åberg/SVTbild)
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Astrid Lindgren zuhause in ihrer Wohnung in der Dalagata (Foto: Bertil S-son Åberg/SVTbild)
Informationsschild Astrid Lindgrens Hem (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
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Eine Hinweistafel am Haupteingang zur Dalagata 46 (Foto: Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)

Astrid Lindgrens Wohnung in Stockholm hat seit dieser Woche für Besucher geöffnet.

Seit ihrem Tod im Jahr 2002 war das Zuhause der weltberühmten Schriftstellerin in nahezu unverändertem Zustand verblieben und kann nun erstmals bei öffentlichen Führungen besucht werden. Radio Schweden warf einen Blick in die 4-Zimmer-Wohnung in der Dalagata 46.

Schon an der Eingangstür beschleicht den Besucher ein Gefühl, als sei sie gerade nur kurz weggegangen, um eine Zeitung zu kaufen. A. Lindgren steht an der Tür. In der Garderobe am Eingang hängt eine beige Jacke von ihr. Man zieht sich, wie in Schweden üblich, beim Eintreten die Schuhe aus. 

Von 1941 an bis zu ihrem Tod wohnte Astrid Lindgren in der Dalagata 46 im Stadtteil Vasastan. Hier verfasste Lindgren zahlreiche weltberühmte Werke wie Pippi Langstrumpf, Mio mein Mio oder Ronja Räubertochter. Ein Großteil ihres Lebens spielte sich auf diesen knapp 140 Quadratmetern ab.

Original-Einrichtung aus den 40ern

Lena Törnqvist ist Mitbegründerin der Astrid Lindgren-Gesellschaft und führt den Radio Schweden-Reporter durch die Räume. Nach dreijähriger Vorbereitung hat die Gesellschaft Lindgrens Privaträume der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein großer Teil der Einrichtung stammt noch original aus den 1940er und 50er Jahren. Auch Renovierungsarbeiten der 1970er Jahre haben ihre Spuren hinterlassen.

Lindgrens Heim in der Dalagata 46 als Museum zu bezeichnen, wäre verfehlt. Es ist ein vollständig intakt gehaltenes Zuhause, mit Privatbildern, Schränken und Sofas, Kunstgegenständen, Fotos von der Familie und aus der Kindheit, mit Briefen, CDs, Auszeichnungen und Büchern. Im Arbeitszimmer ist ihre alte Schreibmaschine aufgebaut. Diese Wohnung erzählt viel über den Menschen Astrid Lindgren, wie Lena Törnqvist erklärt:

„Sie war in ihrem späteren Lebensabschnitt eine sehr wohlhabende Frau. Dennoch wohnte sie in dieser Mietwohnung, die in keiner Weise besonders exklusiv ist. Sie hätte sich problemlos ein großes Anwesen kaufen können. Ihr hat es so aber besser gefallen. Sie war eine sehr freundliche und anspruchslose Person. Sie behandelte alle Menschen genau gleich, egal ob es nun Könige, Präsidenten oder Busfahrer waren.“        

Lange Vorbereitungen

Seit Lindgrens Tod am 28. Januar 2002 war die Wohnung unbewohnt geblieben. Die verschiedenen Unternehmen und Stiftungen, die das Erbe der großen Kinderbuchautorin verwalten, benutzten die Räume gelegentlich für repräsentative Zwecke. Dass die Astrid Lindgren-Gesellschaft gemeinsam mit den Erben letztlich den Entschluss fasste, die Räume für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hatte laut Lena Törnqvist auch praktische Gründe: Ein Gedenk-Haus erst nach vielen Jahrzehnten einzurichten, wie dies bei manchen anderen berühmten Schriftstellern der Fall gewesen war, wäre weitaus aufwändiger gewesen:  

„Wir haben ihr Zuhause, dass sie 60 Jahre lang bewohnte, völlig intakt vor uns. Es hätte an Idiotie gegrenzt, die Wohnung aufzulösen, nur um dann 40 Jahre später zu versuchen, alles wiederherzustellen.“

Kein Riesen-Touristenansturm möglich

Lena Törnqvist betont, dass die Wohnung in der Dalagata 46 nicht aus unternehmerischen Gründen geöffnet wurde. Große Busladungen mit Besuchern, wie am Junibacken in Stockholm oder in „Astrid Lindgrens Welt“ in Vimmerby, können hier nicht empfangen werden. Der Riesen-Touristenansturm soll bewusst vermieden werden.

„Diese Wohnung ist keine Einkommensquelle für uns und wird es auch niemals werden. Dies hier ist ein Zuhause. Hier können wir nur Gruppen von jeweils höchstens 12 Personen durchführen.“

Nur viermal im Monat bietet derzeit die Astrid Lindgren-Gesellschaft Führungen auf Schwedisch an. Auch Führungen auf Deutsch und Englisch sind geplant. Die Organisatoren haben eine Altersgrenze von 15 Jahren gesetzt, die Führung richtet sich bewusst an ein erwachsenes Publikum, das für den Preis von knapp 16 Euro (150 Kronen) pro Person mehr über den Menschen Astrid Lindgren erfahren möchte.   

Dalagata 46 in den Büchern?

Ihre Privatwohnung hat Astrid Lindgren nicht in ihren Erzählungen verewigt, betont Lena Törnqvist. Während sich Kindheitserinnerungen bei Michel aus Lönneberga oder in den Bullerbü-Geschichten wiederfinden, gebe es keine Verbindung zwischen der Dalagata 46 und Lindgrens Werken. Am nächsten dran ist womöglich noch Karlsson auf dem Dach, so Törnqvist:

„Karlsson auf dem Dach wohnt wohl auf der anderen Seite des Parks, der hier vor dem Haus beginnt. In der Vulcanusgatan, wo Lindgren während der 1930er Jahre lebte. Karlsson wohnt nämlich in einer `ganz gewöhnlichen Straße in Stockholm, in einem ganz gewöhnlichen Haus´. Und dies tat auch Astrid“, sagt Törnqvist und lacht.

Portrait der Original-Madita

Dennoch sind Schnittstellen zwischen Lindgrens Zuhause und ihren weltberühmten Kinderbuchfiguren nicht zu übersehen. Ein Originalgemälde der echten Madita schaut von der Wand und lässt säuerlich das Portraitmalen über sich ergehen. Auf einem Foto ist Astrid Lindgrens Vater auf einem Ochsenkarren in Småland zu sehen. Neben ihm auf dem Kutscherbock sitzt der Knecht Pelle, der Astrid Lindgren später als Vorbild für den Knecht Alfred in Michel aus Lönneberga diente.  

In keinem der Zimmer kommt der Besucher dem Geiste der Kinderbuchautorin wohl so nahe wie in ihrem Schlafzimmer. In der kleinen Kammer verfasste die Frühaufsteherin Lindgren im Bett einen Großteil ihrer Geschichten in Stenographie. Der braune Teppichboden ist an einer Stelle deutlich abgewetzt, hier setzte Lindgren jeden Morgen beim Aufstehen ihre Füße auf den Boden.

Gefahr des Personenkults?

Astrid Lindgren verfasste zu Lebzeiten nicht nur Kinderbücher, sie erhob auch zu gesellschaftlich brisanten Themen ihre Stimme – mit großer Wirkung. Erinnert sei etwa an ihre Erzählung von der Hexe Pomperipossa. Die in der Erzählung enthaltene heftige Kritik an dem schwedischen Steuersystem trug letztlich bei der Reichstagswahl 1976 zum Machtverlust der Sozialdemokraten bei.

Auch wenn mit dem Einblick in die Privaträume einer berühmten und von vielen verehrten Persönlichkeit leicht ein gewisser Personenkult entstehen kann: Eben weil Lindgren bei aller Bescheidenheit auch eine äußerst mediengewandte öffentliche Person war, hätte sie für die Führungen durch ihr Zuhause und den entsprechenden „Kult“ Verständnis gehabt, ist sich Lena Törnqvist sicher:

„Sie war professionell und sich ihrer gesellschaftlichen Rolle sehr bewusst. Sie empfand das Interesse, das ihr andere Menschen entgegenbrachten, als nur legitim. Ich weiß es zwar nicht sicher, könnte mir aber durchaus vorstellen, dass sie selbst einmal das Goethe-Haus in Weimar besucht und dabei verstanden hätte, warum die Menschen an der Person hinter dem Werk interessiert sind.“

Buchungen und Fotos

Aufgrund des großen Interesses sind alle Führungen in der Dalagata 46 bis April bereits ausgebucht. Mehr Informationen und Buchungen auf der Homepage der Astrid Lindgren Gesellschaft: http://www.astridlindgrensallskapet.se/

 

Einen virtuellen Rundgang durch Astrid Lindgrens Wohnung gibt es bei http://www.astridlindgren.se/sites/default/files/dalagatan/index.html  

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