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Flüchtlinge

"Ich wollte mir selbst ein Bild machen"

Uppdaterat tisdag 24 november 2015 kl 11.54
Publicerat tisdag 24 november 2015 kl 07.28
"Jeder kann dazu beitragen, dass die Integration besser klappt"
(6:10 min)
susanne nyberg-sander hat ihren Job als Firmenchefin aufgegeben, um mit Flüchtlingen zu arbeiten (Foto: Liv Heidbüchel/Radio Schweden)
Susanne Nyberg-Sander: "Die Arbeit gibt mir so viel!" (Foto: Liv Heidbüchel/Sveriges Radio)

Ungefähr 10.000 Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, kommen derzeit nach Schweden. Wer sich hat registrieren lassen und seinen Asylantrag abgegeben hat, kommt für ein paar Tage in eine der vielen Übergangsunterkünfte im Land - und landet vielleicht in der Obhut von Susanne Nyberg-Sander. Sie hat für die Flüchtlinge ihren Job als Chefin einer erfolgreichen Firma aufgegeben.

Eine Berufung würde Susanne Nyberg-Sander es nicht nennen. Es war eher eine Mischung aus Neugier, dem Wunsch nach sozialem Engagement und dem Bedürfnis, beruflich nochmal etwas Neues auszuprobieren, die sie dazu bewogen hat, ihren Top-Job als Firmenchefin an den Nagel zu hängen und stattdessen an die 50 Stunden pro Woche ehrenamtlich in einem Flüchtlingsheim zu arbeiten.

„Ich habe mich ganz schön mutig gefühlt, aber so bin ich eben“, erzählt Susanne Nyberg-Sander lachend bei einem Kaffee Latte im Café. Denn Besuche von Journalisten sind in dem Heim nicht zugelassen. Die Migrationsbehörde will aus Sorge vor noch mehr Anschlägen weitestgehend geheim halten, wo Flüchtlinge untergebracht sind. 

 „Ich habe es mir reiflich überlegt, so wie ich das immer tue, und habe mich dann ganz bewusst entschieden. Bereut habe ich es nicht eine Minute. Die Arbeit mit Flüchtlingen gibt mir so viel! Ich bekomme ganz neue Kontakte, ich arbeite in einem ganz anderen Umfeld und habe wirklich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun – und zwar unmittelbar.“ 

Organisieren und zuhören 

Im August, als immer mehr Flüchtlinge ins Land strömten, entschied die 54-Jährige, dass sie sich selbst ein Bild von der Lage machen wollte. Zunächst bis Ende des Jahres wollte sie ehrenamtlich mit Flüchtlingen arbeiten, nahm sie sich vor. Als die Übergangsunterkunft in Sundbyberg für 200 Gäste eröffnete, stand sie mit unzähligen anderen Freiwilligenhelfern auf der Matte. 

Als langjährige Chefin fing sie sofort an, die Abläufe zu koordinieren. Die Flüchtlinge bleiben nicht länger als fünf Tage, jeden Tag kommen viele neu dazu, für andere findet die Migrationsbehörde längerfristige Unterkünfte. Eine reibungslos funktionierendes System auf die Beine zu stellen, liegt Nyberg-Sander. Noch viel wichtiger ist ihr aber, den Menschen und ihren Geschichten nahe zu kommen, sagt sie Radio Schweden. 

„Ich wollte mir eine eigene Meinung bilden. Nun gehe ich nur von mir selbst aus, aber für mich gab es vorher keine natürlichen Berührungspunkte. In meinem Wohngebiet zum Beispiel gibt es keine Flüchtlinge. Ich weiß kaum etwas über diese Menschen und wollte sie und ihre Kulturen besser kennenlernen. Denn das Hauptproblem sind ja oft Berührungsängste, die von Unkenntnis herrühren.“ 

Probleme sind zum Lösen da 

Die negativen Berichte aus Flüchtlingsunterkünften über Streit unter den Bewohnern, Unzufriedenheit über die Platzierung oder sogar chaotische Zustände kann die Projektleiterin nicht bestätigen. Während ihrer bisherigen Zeit hätte sie nicht von einer Auseinandersetzung gehört, erzählt sie, und eigentlich alle Flüchtlinge seien extrem dankbar für die Hilfe in Schweden. 

„Menschen vieler Nationalitäten wohnen zusammen, die Familien, Frauen, Männer schlafen alle im selben Saal. Nun dürfen aber die Frauen ihr Haar nicht vor anderen Männern zeigen, und manche fragen mich dann, wie sie das lösen sollen. Dann erkläre ich, dass die Situation nun einmal ist, wie sie ist, und dass wir keine Einzelzimmer anbieten können. Und dann schlafen die Frauen eben mit ihrem Kopftuch und lösen das so.“ 

„Ich habe keine Angst vor diesen Kulturen“ 

Eine Einführung in die schwedische Kultur und Gesellschaft bieten die Kommunen erst an, wenn der Asylantrag genehmigt wurde. Susanne Nyberg-Sander sieht es nicht als ihre Aufgabe, Flüchtlinge an Tag Eins in der Unterkunft über kulturelle Unterschiede zu informieren. Dass es Unterschiede gibt, ist für sie das geringere Problem. 

„Es sind früher viele Einwanderer aus zum Beispiel Italien und Griechenland gekommen, heute haben wir hier jede Menge Pizzerien und asiatische Restaurants. Vor dem Einfluss der Kultur, die jetzt hinzukommt, habe ich keine Angst, weil ich davon überzeugt bin, dass wir die künftige Kultur gemeinsam schaffen. Dabei ist für mich wichtig, dass wir an unseren Traditionen festhalten, zum Beispiel dass wir unsere Schulabschlussfeier weiter in der Kirche stattfinden lassen und diese einfach als Räumlichkeit betrachten. Wir haben unsere Traditionen und dann kann ja jeder selbst entscheiden, ob er daran teilnehmen möchte oder nicht.“ 

Problem Arbeitsmarkt 

Von ihren Gesprächen mit zahlreichen Flüchtlingen weiß die Helferin, dass praktisch jeder von ihnen nichts lieber möchte als einer Erwerbstätigkeit in Schweden nachzugehen. Nur: Im Schnitt braucht es acht Jahre, bis ein Einwanderer auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Fuß gefasst hat. 

Zu wenige Einsteigerjobs, zu starr auf schwedische Abschlüsse und Zeugnisse ausgerichtet, dazu die nachgewiesene Benachteiligung von Arbeitnehmern mit ausländisch klingendem Nachnamen - alle müssen sich jetzt bewegen; die Arbeitgeber, die mehr Praktikanten nehmen können, aber auch die Gewerkschaften, die niedrigere Löhne zulassen sollten, meint Susanne Nyberg-Sander. 

Sie selbst hat inzwischen von der Kommune Sundbyberg eine Stelle angeboten bekommen: In den kommenden sechs Monaten soll sie den Betrieb in einer neuen Unterkunft für unbegleitete Minderjährige organisieren. Dass ihre ehrenamtliche Arbeit also nur vier Wochen statt drei Monate dauerte, kam dann doch etwas überraschend. Auch wenn längst nicht jeder zu einem so extremen Schritt wie sie selbst bereit ist: Wenn alle ihren Möglichkeiten entsprechend mit anpacken würden, könne Schweden den derzeitigen Zustrom von Migranten eben doch bewältigen, meint Susanne Nyberg-Sander. 

„Jeder kann dazu beitragen, dass es mit der Integration besser klappt, anstatt nur zu Hause zu sitzen und zu sagen, das klappt ja eh nicht.“

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