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Wissenschaft

Gentechnik: Schweden prescht vor

Publicerat onsdag 25 november 2015 kl 09.00
Stellt bisherige Gentechnik auf den Kopf
(3:53 min)
Weizenfeld
In Schweden könnte die Gentechnik im Weizenanbau Verwendung finden (Foto: Johan Nilsson/TT)

Schweden hat einen entscheidenden Schritt hin zur Anwendung einer neuen Gentechnik genommen.

Als erste Behörde in der EU hat das schwedische Landwirtschaftsamt einem Antrag stattgegeben, eine Pflanzensorte mit einer bestimmten neuen Gentechnik zu verändern, ohne dies vorher mit entsprechender Genehmigung als Gentechnik klassifizieren zu müssen. Die Gentechnik mit dem Namen CRISPR/Cas9 gilt als revolutionäre Errungenschaft für die Medizin und den landwirtschaftlichen Anbau. Der schwedische Beschluss treibt eine längst überfällige EU-Regelung voran, wie der Wissenschaftsjournalist Peter Sylwan gegenüber Radio Schweden sagte.

Neue Gen-Gesetze nötig

„Das heutige Regelwerk umfasst genau, was gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind. Nun gibt es aber neue Methoden, die präzise in die Genstruktur eingreifen, aber dennoch nicht als GVO klassifiziert sind. Damit öffnen sich völlig neue Möglichkeiten, Pflanzen gentechnisch zu verändern, ohne vorher den sehr strikten und auch teuren Genehmigungsprozess durchlaufen zu müssen. Der Beschluss der schwedischen Behörde zeigt auf, wie dringend es einer neuen Gesetzgebung über Biosicherheit bedarf. Ein Regelwerk, das von Risiken und Eigenschaften der veränderten Pflanzen ausgeht, und nicht wie bisher davon, welche Technik angewendet wurde“, so Peter Sylwan.

Das biotechnische Werkzeug CRISPR/Cas9 stellt alle bisherigen Erkenntnisse über genetische Modifizierung auf den Kopf. Wie in früherer Gentechnik wird auch hier das Ziel verfolgt, etwa Pflanzen für den landwirtschaftlichen Anbau erwünschte Eigenschaften zu verleihen. Beispielsweise Getreide, das mit wenig Bewässerung und Dünger auskommt und gegen Schädlinge resistent ist. Im Vergleich zur herkömmlichen Gentechnik kommt CRISPR/Cas9 aber ohne Erbinformationen von anderen Arten aus. Stattdessen wird die in der Pflanze bereits enthaltene DNA präzise verändert und verschoben. Von dem Züchtungsprozess bleiben in dem fertigen Produkt keine Spuren übrig – die geltende GVO-Gesetzgebung ist damit wirkungslos.

EU nimmt sich Zeit

Die biologischen Risiken, die bei der herkömmlichen Gentechnik diskutiert wurden und diese zu einem politischen Pulverfass machten, treten bei der neuen Methode laut heutigem Wissensstand nicht auf. Dennoch ringt die EU-Kommission seit Jahren schon um neue Richtlinien.

Die schwedische Landwirtschaftsbehörde hat jetzt Nägel mit Köpfen gemacht: Beim jüngsten Forschungsantrag hat die Behörde eine wegweisende Entscheidung getroffen. Für gentechnische Versuche mit CRISPR/Cas9, die schwedische Wissenschaftler an Kreuzblütlern durchführen wollen, brauchen die Forscher keine spezielle Genehmigung gemäß dem umfassenden EU-Regelwerk zu GVO einzuholen.

Schwedens Vorstoß

„Wir haben die Anfrage von den Forschern erhalten, und als Behörde müssen wir eine Antwort geben können“, so Heléne Ström, Sachbearbeiterin für Gentechnik bei der Landwirtschaftsbehörde, gegenüber Radio Schweden. „Wir haben seit Jahren auf Richtlinien der EU gewartet, und es scheint nicht sicher, dass diese so bald kommen wird.“

Die neue Errungenschaft im Bereich der Genwissenschaften ist eng mit Schweden verbunden. CRISPR/Cas9 wurde unter anderem an der Universität von Umeå in Nordschweden entwickelt, die Forscherin Emmanuelle Charpentier gilt seitdem als heiße Anwärterin auf den Nobelpreis. Seitens der Landwirtschaftsbehörde wird aber betont, dass der jüngste Vorstoß in keiner Weise absehe, schwedische Interessen zu fördern. Auch der Wissenschaftsjournalist Peter Sylwan meint nicht, dass Schweden ein größeres Interesse an einer neuen Gesetzgebung habe als andere Länder:

„Allerdings steht Schweden innerhalb der EU eher in der Tradition, wissenschaftlichen Argumenten zu folgen. Es gibt auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass diese Gentechnik als solche eine Gefahr darstellt. Es kommt letztlich nur darauf an, wie diese Methode angewandt wird.“

 

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