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Neuer Vorschlag

Wissenszentren gegen Extremismus

Publicerat torsdag 26 november 2015 kl 14.48
"Viele haben einfach weggeschaut"
(5:36 min)
Die Koordinatorin gegen extremistische Gewalt, Mona Sahlin (Mitte), möchte, dass die verschiedenen Stellen an einem Strang ziehen (Foto: Dieter Weiand/Sveriges Radio)
Die Koordinatorin gegen extremistische Gewalt, Mona Sahlin (Mitte), möchte, dass die verschiedenen Stellen an einem Strang ziehen (Foto: Dieter Weiand/Sveriges Radio)

Mit Wissenszentren in Stockholm, Göteborg, Borlänge und Örebro soll dem gewaltbereiten Extremismus in Schweden begegnet werden. Die von der Regierung eingesetzte Koordinatorin Mona Sahlin präsentierte am Donnerstag ein Projekt, in dem dabei die entsprechenden Kompetenzen gesammelt werden.

Die Experten dort sollen dann schnell handeln können, wenn Tendenzen der Radikalisierung bekannt werden.

Schweden ist gemessen an seiner Einwohnerzahl mit offiziell knapp 300 Dschihad-Reisenden offenbar eines der Länder, wo der IS am häufigsten junge Leute rekrutiert. Auch im rechtsextremen Milieu nimmt die Gewaltbereitschaft anscheinend zu. Die von der Regierung eingesetzte Koordinatorin Mona Sahlin will jetzt diesem Problem zunächst in Stockholm, Göteborg, Borlänge und Örebro begegnen:

„Zusammen mit diesen vier Städten wollen wir diese Wissenszentren aufbauen. Dort wird alles, was relevant sein kann, für die vorbeugende Arbeit gesammelt.“

Zu wenig Kompetenz

Es geht darum, eingreifen zu können, wenn sich etwa besorgte Eltern an die Behörden wenden, weil beispielsweise ihr Sohn sich auf den Weg nach Syrien machen will, um dort für den IS zu kämpfen. Sahlin hat in vielen Fällen bisher nur Hilflosigkeit feststellen müssen, weil niemand kompetent genug war, um mit diesem Problem umzugehen.

„Wenn etwa ein Angehöriger heute bei einer Stadtverwaltung anruft, passiert es oft, dass der Angerufene sagt, das ist nicht unser Verantwortungsbereich. Sie sollten die Polizei anrufen, und die Polizei sagt dann, man sollte sich an die Sozialbehörde wenden. Wenn unsere Wissenszentren eingerichtet sind, reicht ein Anruf an einer Stelle. Dort hat man die Möglichkeit und auch die Befugnis, zu helfen. Das muss deutlich von den Stadtverwaltungen geregelt werden. Dann führt das auch zu einem Agieren und verbleibt nicht nur Bürokratie.“

Die Wissenszentren werden auf unterschiedliche Weise geleitet, so Sahlin. Das Ziel sei aber dasselbe: „Das sieht in den verschiedenen Städten unterschiedlich aus, wer die Verantwortung trägt. Wichtig für die Bürger und für die, die dort arbeiten, ist, dass die Kompetenzen vorhanden sind. Sonst verliert man ja nur Zeit und Information, wenn man von einer Stelle zur anderen geschickt wird. So hat das nämlich bisher oft ausgesehen.“

Nachlässige Kommunen

Sie sei geschockt gewesen, wie nachlässig viele Städte und Kommunen an dieses Thema herangegangen seien, erzählt Sahlin im Gespräch mit Radio Schweden und wischt Bedenken beiseite, dass die Behörden hyperaktiv würden:

„Das Problem war ja nicht, dass man zu viele Methoden angewandt hat. Das Problem war viel zu häufig, dass man überhaupt nichts unternommen hat, oder einfach zu wenig. Jetzt gibt es klare definierte Verantwortungen, Kooperationen, und man ist gezwungen zu agieren. Das Problem bisher war, dass zu viele einfach weggeschaut haben.“

Pilotprojekt

Bisher ist es nur ein Versuchsprojekt. So wird sich auch Malmö nicht an dem Pilotprojekt beteiligen. Dort habe man das Problem bisher nicht ernst genommen, so Sahlin. Aber auch in den anderen Kommunen ist die jetzige Regelung kaum zufriedenstellend. Sahlin setzt ihre Hoffnung jetzt auf die vier erwähnten Städte und dass sie richtungsweisende Beispiele werden.

„Es muss etwas geschehen. Die vier Städte werden Modellbeispiele für ganz Schweden, wie man schnell, effektiv und vorbeugend arbeitet.“

Orientiert hat sich Sahlin an Beispielen in den Niederlanden und Dänemark. Im dänischen Aarhus etwa hat man bereits 2007 damit begonnen, die Radikalisierung von jungen Leuten zu bekämpfen. Dort arbeiten Polizei, Sozialdienste, Schulen und islamische Gemeinden zusammen.

Imam hat geholfen

Sahlin berichtet von einem Beispiel in Schweden, wo es einem Imam gelungen war, einen jungen Mann davon zu überzeugen, dass er in Syrien nicht zum Märtyrer werden, sondern im Meer der Tränen seiner Mutter ertrinken werde.

Wichtig sei, dass alle zusammenarbeiten. Die Wissenszentren werden jedoch selten tatsächliche Anlaufstellen sein. Die Kommunen würden ihre Ressourcen auf andere Weise bündeln, erklärt Rasmus Persson, der in der Stadverwaltung von Örebro für die Koordination verantwortlich ist.

„In diesen Zentren werden wir Ressourcen nutzen, die es bereits gibt. Aber das Ganze wird mehr zielorientiert geschehen. Wir tun etwas, weil wir wissen, dass es richtig ist, nicht weil wir es nur glauben. Alle müssen dabei an einem Strang ziehen, bei unserer Arbeit in den Schulen, den Freizeitheimen, in den Vereinen und so weiter. Das Wissenszentrum wird nicht ein tatsächliches Gebäude sein, sondern eine Struktur. Eine Koordinationsstelle. Eine Art und Weise die sicherstellt, dass wir das Richtige tun.“

Nicht alle Informationen zugänglich

Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass der Staatsschutz Säpo die Wissenszentren nicht unterstützen wird. Das hätte Mona Sahlin gerne gesehen:

„Ich hätte mir schon gewünscht, dass die Säpo mehr Informationen preisgibt. Zum Beispiel über die Rückkehrer von IS aus dem Irak und Syrien. Wenn eine Stadtverwaltung nichts davon weiß, wird es schwierig. Ich habe kürzlich ein Beispiel gehört von einer Frau, die mit ihren Kindern aus Rakka zurückgekehrt war. Sie kommt in eine schwedische Stadt, die Kinder gehen auf eine schwedische Schule mit traumatischen Erlebnissen im Gepäck. Wenn man das nicht weiß, wird die vorbeugende Arbeit der Kommune erschwert.“

Die Zentren werden zu Beginn des Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Im Frühjahr sollte sich bereits ihre Arbeit bemerkbar machen, glaubt Mona Sahlin.

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