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Schweden - Deutschland

Bundesbehörde warnt vor Schwedens Sex-Gesetzen

Publicerat tisdag 1 december 2015 kl 14.19
"Hohe Rate angezeigter Vergewaltigungen"
(4:44 min)
Print Screen Homepage Auswärtiges Amt (Foto: Print Screen / Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)
Sicherheitshinweis auf der Homepage des Auswärtigen Amtes. Der Hinweis wurde mittlerweile entfernt (Foto: Print Screen / Hansjörg Kissel / Sveriges Radio)

Das Auswärtige Amt in Berlin macht mit einem Sicherheitshinweis auf ein strengeres Sexualstrafrecht und hohe Strafen in Schweden aufmerksam.

Nicht um Schwedens vieldiskutiertes Sexkauf-Gesetz geht es hier – vielmehr wird auf der Homepage des Auswärtigen Amtes auf die hohe Rate angezeigter Vergewaltigungen hingewiesen und Besucher vor einer Missdeutung „freizügiger Körpersprache“ gewarnt. Müssen sich deutsche Touristen hierzulande in Acht nehmen? 

Wann ist ein Flirt sexuelle Belästigung? Wo verläuft die Linie zwischen Verführung und Aufdrängung? Wo beginnt der Tatbestand der Vergewaltigung? Moralisch und juristisch werden solche Fragen in Schweden und Deutschland offenbar recht unterschiedlich beantwortet, wie ein Sicherheitshinweis auf der Homepage des Auswärtigen Amtes in Berlin zeigt. Im Bereich Reise- und Sicherheitshinweise heißt es dort:

„Sexualdelikte, Kränkungen und häusliche Gewalt werden strenger geahndet als in Deutschland. Schweden weist eine hohe Rate angezeigter Vergewaltigungen und Gerichtsurteile mit zum Teil hohen Strafen auf. Liberale und freizügige Körpersprache sowie deren unterschiedliche Deutung können leicht zu Missverständnissen führen.“

Reisehinweis für wen?

Wie soll dieser Warnhinweis gedeutet werden? Dass man sich einer leicht bekleideten Frau in Deutschland sorglos aufdrängen darf, in Schweden dafür aber sofort vor Gericht gezerrt wird? Das Auswärtige Amt in Berlin und die deutsche Botschaft in Stockholm wollten sich auf Anfrage von Radio Schweden nicht näher zu diesem Reisehinweis äußern. Unsere Recherche in einem Browserarchiv zeigt, dass der Eintrag relativ neueren Datums ist und vom März vergangenen Jahres stammt.

Die Bundesbehörde teilte schriftlich mit, dass das Auswärtige Amt die Reise- und Sicherheitshinweise erstelle und dabei alle Quellen heranziehe, die zur Verfügung stehen, um Informationen zu beschaffen: „Dies können neben unseren Auslandsvertretungen und anderen Stellen der Bundesregierung etwa vor Ort ansässige deutsche staatliche und nichtstaatliche Einrichtungen, deutsche und ausländische Vertrauenspersonen, nationale Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen und mit Deutschland befreundete Nationen sein“, soweit die Stellungnahme.

Mehr Anzeigen wegen Sexualverbrechen?

In der Tat weist Schweden eine höhere Zahl an Anzeigen zu Sexualverbrechen auf. Dies liege zu großen Teilen an einer hierzulande intensiv geführten Debatte über Frauenrechte und Sexualität, und einem damit einhergehenden höheren Bewusstsein für sexuelle Übergriffe, wie Klara Hradilova Selin vom Rat für Verbrechensvorbeugung (BRÅ) gegenüber Radio Schweden sagt.

„In Schweden gibt es infolge der vielen Debatten eine höhere Bereitschaft, Anzeige zu erstatten. In vielen anderen Ländern kommt es beispielsweise nur sehr selten vor, dass eine Frau ihren Mann wegen sexuellen Übergriffen anzeigen würde, weil das in der dortigen Kultur nicht akzeptiert wäre. Solche Unterschiede zwischen Ländern lassen sich aber nur schwer statistisch festmachen.“

Rechte Kreise verbreiten Hinweis

Mittlerweile hat das Auswärtige Amt den Sicherheitstipp von seiner Homepage entfernt. Nichtsdestotrotz kursieren weiterhin Print Screens davon im Internet – zu großen Teilen auf fremdenfeindlichen Internetseiten. In rechtspopulistischen Kreisen wird seit Jahren schon hartnäckig das Gerücht verbreitet, Schweden sei aufgrund hoher Einwanderung zum Land mit den meisten Vergewaltigungen geworden. Ein offizieller Sicherheitstext einer Bundesbehörde wird dabei offenbar dankbar für die eigenen Zwecke umgedeutet, nämlich in eine Warnung vor Vergewaltigungen in Schweden.

Die Behauptung, in Schweden geschehen mehr Vergewaltigungen als in anderen Ländern, ist aber nicht belegbar, betont Hradilova Selin von BRÅ. Eine hohe Zahl an Anzeigen bedeute nicht, dass auch tatsächlich mehr Vergewaltigungen geschehen. Gleichzeitig ergibt sich ein großer statistischer Unterschied daraus, dass in Schweden Verbrechen anders registriert werden. Zeigt eine Frau ihren Mann dafür an, dass er sie im Laufe eines Jahres an jedem Wochenende einmal vergewaltigt hat, so sind dies in Schweden 52 gesonderte Anzeigen. In vielen anderen Ländern wäre dies hingegen als nur eine einzige Anzeige registriert.

Nicht mehr Vergewaltigungen in Schweden

Hinzu kommt die striktere Sexualstrafgesetzgebung: Vergehen, die in Schweden juristisch als Vergewaltigung geahndet werden, gelten in manch anderen Ländern nur als Delikte.

„Schweden hat eine weitergehende Definition darüber, was als Vergewaltigung gilt. Seit 2005 gibt es etwa den Paragraph über hilflosen Zustand, was bedeutet, dass wenn ein Opfer beispielsweise zu betrunken war, um Nein sagen zu können, so gilt es dennoch als Vergewaltigung. 2013 kam ein weiterer Abschnitt hinzu zur Situation, wenn sich ein Opfer aus Angst nicht wehrt. In Schweden werden mehr Vorkommnisse als Vergewaltigung gerechnet. Mehr als in vielen anderen Ländern.“

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