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Soziales

Zu viele Kinder – zu wenig Heimressourcen

Publicerat fredag 4 december 2015 kl 16.42
„Hier kann doch alles Mögliche passieren“
(7:23 min)
Socialstyrelse-skylt och inredningen i ett rum på ett HVB-hem.
Sozialamt / Einrichtung in einem HVB-Heim (Foto: Sveriges Radio)

Wo sollen die vielen allein angekommenen Flüchtlingskinder untergebracht werden? Das ist eine der großen Herausforderungen, denn in den dafür zuständigen speziellen Kinder- und Jugendheimen fehlt es nicht nur an Platz sondern auch an Personal.

Das Sozialamt will daher kurzerhand das Regelwerk lockern, durch das eigentlich sichergestellt werden soll, dass alle Kinder eine nach schwedischen Standards angemessene Betreuung erhalten.

Die Heime, die allein ankommende Flüchtlingskinder aufnehmen sollen, sind in Schweden bestens bekannt, sie haben allerdings keinen uneingeschränkt positiven Ruf. Im schwedischen Sozialsystem heißen sie HVB-Heime („Hem för vård och boende“; Heim für Pflege und Wohnen) – dort werden Kinder und Jugendliche betreut, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihrer Familie leben können, zum Beispiel weil sie aus sozial zerrütteten Verhältnissen kommen. Das System war in den vergangenen Jahren schon mehrfach stark in die Kritik geraten, weil die pädagogische Leistungsfähigkeit des Personals bemängelt wurde.

Genau dieses Heimsystem ist nun auch für die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen zuständig, die als Flüchtlinge ohne Familie in Schweden ankommen. Und das sind wesentlich mehr, als das System an sich zu leisten vermag. Die bisherige Kapazität lag bei 400 Unterbringungsplätzen im Jahr. Im Herbst diesen Jahren sind aber bereits pro Woche bis zu 1.200 Kinder und Jugendliche eingetroffen.

Lage akut

Pär Ödman, Justiziar des Sozialamtes, betont den Druck der harten Realität: „Die Lage ist akut, und der soziale Dienst hat Mühe, das zu schaffen. Und wir brauchen jetzt ein flexibles Regelwerk, und das schnellstmöglich.“

Das Sozialamt sucht intensiv nach Möglichkeiten, neue Heime wenigstens vorübergehend einrichten zu können. Im Weg steht dabei vor allem das eigene Regelwerk, das z. B. genau vorschreibt, welche Kompetenzen das Personal haben soll. Der Betreiber muss zum Beispiel eine einschlägige akademische Ausbildung nachweisen und die Betreuung muss rund um die Uhr erfolgen.

Solche Regeln sollen jetzt gelockert werden, wenigstens vorübergehend.

Daumen hoch vom Heimleiter

„Lange herbeigesehnt und positiv“ – das ist die Reaktion von Vladislav Viddi, der bei Stockholm ein HVB-Heim leitet. „Man kann dann die verschiedenen Räumlichkeiten besser nutzen. Wenn ich nachts nicht im gleichen Gebäude sein muss, dann könnte man das andere Haus, das 20 Meter weiter liegt, auch zum Schlafen benutzen. Es wird einfach flexibler sein. Man ist ja auch telefonisch erreichbar, oder man läuft einfach ein paar Meter weiter“, sagt Viddi dem Schwedischen Rundfunk.

Kinderombudsman: Daumen runter

Der Kinderombudsman Schwedens, Fredrik Malm, sieht die vorgeschlagenen Lockerungen allerdings überhaupt nicht positiv: „Ich finde den Vorschlag nicht gut, weil es dadurch in diesen Heimen, in denen sich viele Kinder aufhalten können, dann möglichweise kein Personal gibt, das rund um die Uhr Aufsicht hat, und da bin ich dagegen.“

Für diese strikte Ablehnung hat Fredrik Malm gleich eine Reihe von Gründen: „Wir sehen, dass es für diese Heime eine Bedrohungslage gibt. Wir wissen, dass es immer wieder Probleme mit Ausreißern gibt und ein Teil der Kinder gehört auch zur Gruppe der Problemfälle. “

Der Justiziar des Sozialamtes, Pär Ödman, verweist auf die Lage, aus der heraus die Entscheidungen getroffen werden müssen: „Ich finde, in der Situation, in der wir jetzt gerade sind, ist ein solcher Beschluss einfach notwendig. Das ist natürlich ein Balancegang zwischen dem Bedarf an Flexibilität zum Meistern der Herausforderungen und dem Aufrechterhalten von Anforderungen, was die Geborgenheit und den Schutz derjenigen angeht, die in den Heimen untergebracht werden müssen.“

Die Sicherheit muss, so Ödman, weiterhin garantiert werden: „Der Betreiber eines Heims ist natürlich dafür verantwortlich, dass der Betrieb auf eine sichere Weise erfolgt.“

Sicherheit im Ausnahmezustand

Doch kann man Geborgenheit und Sicherheit gewährleisten, wenn die Kinder und Jugendliche nachts auf sich alleine gestellt werden? Die Regel, dass rund um die Uhr eine Aufsicht da ist und die von der Sozialbehörde mit Hinweis auf den Ausnahmezustand nun ausgehebelt werden soll, besteht ja nicht ohne triftige Gründe. Die Betroffenen befürchten, dass für sie dabei genau die Geborgenheit und der Schutz auf der Strecke bleibt: „Ich finde den Vorschlag sehr schlecht. Wissen Sie, hier kann doch alles Mögliche passieren“, sagt einer der Heimbewohner. Sein Name bleibt ungenannt, im Schwedischen Rundfunk nennt man den 16-jährigen „Edin“: „Man muss auf alles vorbereitet sein. Es ist sehr wichtig, dass immer jemand da ist, der die Aufsicht hat.“

Die Angst geht um

Edin hat Angst. Es geht nicht nur darum, dass die Jugendlichen untereinander in Streit geraten und sich dabei verletzen. Alle Heimbewohner wissen, dass in Schweden eine Reihe von Asylunterkünften in Brand gesetzt wurden. „Dies hier ist ein großes Haus, mit vielen Fenstern. Solche Häuser wie unseres, für Flüchtlinge, wurden angegriffen. Und man muss doch Vorkehrungen treffen.“

Ingrid Solberg arbeitet in Edins Heim. Sie sieht sowohl die Vorteile als auch die Nachteile der Sozialamtspläne. Sie kennt alle Untergebrachten und sie weiß, dass alle Schicksale unterschiedlich sind: „Vielen geht es nicht so gut, einige fühlen sich wohl. Und das weiß man nie, wenn man nicht vor Ort ist.“

Der Leiter des HVB-Heims bei Stockholm, Vladislav Viddi, erklärt, warum die Frage, ob und wann Personal eingesetzt oder eingespart werden kann, von den einzelnen Fällen abhängig ist: „Das kommt eben drauf an. Wie sind die Räumlichkeiten? Wie viel Erfahrung hat das Personal? Wie ist die Bemannung im übrigen? Wie viele Kinder und Jugendliche wohnen da? Sind da welche mit posttraumatischer Stressbelastung, haben die Albträume? Das alles muss berücksichtigt werden.“

Risiko Geschäftemacher

Viddi, der die in Aussicht gestellte Flexibilität begrüßt, räumt allerdings auch ein, dass die Ausnahmeregelung eine andere Gefahr heraufbeschwören kann: Dass unseriöse Geschäftemacher die Gunst der Stunde wittern. Damit wäre dann auch sein HVB-Heim einem Preisdruck unterworfen, den Konkurrenten erzeugen, die schnelles Geld mit Flüchtlingskindern machen wollen, ohne dafür eine faire Gegenleistung zu erbringen. „Ja, klar. Absolut. Es ist ganz offensichtlich, dass diese Gefahr besteht.“

Das schwedische Sozialamt überprüft derzeit alle eingegangenen Gesichtspunkte zu den Vorschlägen für die Regelbefreiung. Ein Beschluss soll umgehend erfolgen, so dass die Änderungen bereits zum 1. Januar 2016 in Kraft treten können.

Michael Harmann / Johanna Sjövall

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