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Wohnungsmarkt

Schwarzmarkt mit Mietverträgen blüht

Publicerat tisdag 15 december 2015 kl 16.29
"Fünf vor zwölf"
(5:13 min)
(Foto: Ingvar Karmhed / SvD / TT)
(Foto: Ingvar Karmhed / SvD / TT)

Aufgrund des akuten Wohnungsmangels gewinnt der illegale Handel mit Miet- und Untermietverträgen in Schweden weiter an Raum. Zumal im Zuge der Flüchtlingskrise sind auch die Preise für Scheinadressen in die Höhe geschnellt. Wohnungsbaugesellschaften wollen nun Verstößen gegen das Gesetz aufmerksamer nachspüren. Dem Grundübel der Wohnraumknappheit helfen sie damit freilich nicht ab.

Wie viele neue Wohnungen braucht Schweden in den kommenden fünf Jahren? 460.000, lautete die Antwort des Amtes für Wohnungswesen (boverket) noch in diesem Frühjahr. Angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen – mit knapp 190.000 rechnet man für dieses Jahr – hat das Amt die bisherigen Prognosen aber für überholt erklärt. Eine neue Richtzahl gibt es noch nicht. Dass es Schweden schafft, den Wohnungsmangel bis 2020 „wegzubauen“, glaubt ohnehin kaum jemand. So lag die Wartezeit auf eine Mietwohnung in Stockholm schon im vergangenen Jahr, also noch vor der akuten Flüchtlingskrise, bei knapp zehn Jahren.

Begehrte Briefkästen

„Zehn Jahre lang wurde nicht genügend gebaut, mittlerweile herrscht landesweit extremer Wohnungsmangel“, so Emilia Töyrä, sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete aus Kiruna, im Schwedischen Rundfunk. Für viele Neuankömmlinge gestaltet sich die Jagd nach einem Dach über dem Kopf zur allerschwersten Aufgabe in Schweden. Ist eine feste Adresse doch vielfach Voraussetzung, um in dem neuen Land Fuß zu fassen. Wie das Amt für Wohnungswesen in einem aktuellen Bericht schreibt, nutzen Kriminelle die Notlage freudig aus. So vermutet man einen im Verborgenen blühenden Handel nicht nur mit Mietverträgen, sondern auch mit Schein-Adressen. In Örebro beispielsweise habe man eine kommunale Wohnungsgesellschaft entsprechend „auf dem Kieker“, so Micael Nilsson vom Amt für Wohnungswesen bei seinem Besuch in der Stadt.

Steuergelder in trübe Quellen

„Weil es keine freien Wohnungen gibt, ist ein Schwarzmarkt mit Briefkasten-Adressen entstanden, die als polizeiliche Meldeadressen genutzt werden“, erläutert Nilsson im Schwedischen Rundfunk. Seinen Namen entsprechend vermerken zu lassen, koste umgerechnet zwischen 210 und 270 Euro. Und woher nimmt man dieses Geld? – „Aus der Integrations-Startbeihilfe, die man wiederum von der Arbeitsvermittlung bekommt, wenn man dort eine Meldeadresse angeben kann.“  Steuergelder fließen also fragwürdigen Quellen zu. „Aber im Moment jedenfalls wird dagegen kaum etwas unternommen“, sagt Micael Nilsson. „Es ist im Grunde Sache des Finanz- und Einwohnermeldeamtes, sich darum zu kümmern, ob es hier um Gesetzesverstöße geht. Die Wohnungsbaugesellschaften könnten verdächtige Adressen melden, das Finanzamt kann dann Nachforschungen anstellen.“

Big Brother in Södertälje

Ohne Umweg übers Finanzamt begegnet man dem Problem unterdessen in Södertälje, wo sich der Handel mit Wohnungen und Adressen in einschlägigen Kreisen zum lukrativen Geschäft ausgewachsen hat. So gibt es in der Stadt laut kommunaler Statistik 66 Wohnungen, in denen jeweils mehr als zehn Personen polizeilich gemeldet sind. Um Grauzonen im Mietgeschehen aufzuspüren, hat die Kommune jetzt einen Handlungsplan erstellt. Einer der wichtigsten Punkte: Die kommunale Wohnungsgesellschaft Telge Bostäder soll häufiger und härter kontrollieren, wer tatsächlich in den kommunalen Wohnungen wohnt. „Ich denke, Kommune, Telge Bostäder und Sozialdienst sind sich einig: Es geht hier vor allem um den Abschreckungseffekt“, erklärt Joakim Ströberg, Marketingchef der Wohnungsgesellschaft, im Schwedischen Rundfunk. „Man soll sich bewusst sein: Man wird kontrolliert, und das wird häufiger geschehen.“ Geplant sind zum Beispiel mehr stichprobenartige Kontrollen der Mieter und die Überwachung von Internetforen, bei denen es um Untervermietung geht. Lässt hier „Big Brother“ grüßen? „Gewiss, es ist ein schwieriger Balancegang zwischen dem, was das Unternehmen und was die Stadt braucht, und der persönlichen Integrität“, räumt Ströberg ein. „Aber wir müssen eben feststellen, ob diejenigen, die im Mietvertrag stehen, auch tatsächlich in der betreffenden Wohnung wohnen.“

Bauerleichterungen

 5,5 Milliarden Kronen – umgerechnet knapp 600 Millionen Euro – will die Regierung nun im kommenden Jahr investieren, um dem akuten Mangel an Wohnraum entgegenzuwirken. Angedacht sind Erleichterungen wie der Bau transportabler Wohnungen und die unkompliziertere Vergabe von Baugenehmigungen.

 „Es ist fünf vor zwölf“, betont die Sozialdemokratin Emilia Töyrä. „Wenn wir eins der weltweit führenden Länder sein wollen, müssen wir dafür sorgen, dass die Menschen vernünftig wohnen können.“

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