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En underbar jävla jul

Wundersame Weihnachtsfilme

Publicerat tisdag 22 december 2015 kl 10.00
„Dabei entsteht eine Art gesteigertes Weihnachtsgefühl“
(8:37 min)
Ein typischer Weihnachtsmann lächelt einen Säugling an. Auch in Schweden ist Glücklichsein zu Weihnachten oberstes Gebot (Foto: AP Photo/Robert F. Bukaty)
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Am Heiligabend ist Glücklichsein ein Muss (Foto: AP Photo/Robert F. Bukaty)
Schwerpunkt Weihnachtsessen (Foto: Jurek Holzer/TT)
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Schwerpunkt Weihnachtsessen (Foto: Jurek Holzer/TT)
Auch die Geschenkpakete sind eine klassische Zutat (Foto: Fredrik Sandberg / TT)
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Auch die Geschenkpakete sind eine klassische Zutat (Foto: Fredrik Sandberg / TT)
Die Handlung von "Fanny und Alexander" trägt sich in Uppsala zu (Foto: SVT)
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Die Handlung von "Fanny und Alexander" trägt sich in Uppsala zu (Foto: SVT)
Bezaubernde Weihnachtsstimmung (Pontus Lundahl / ´TT Schweden)
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Bezaubernde Weihnachtsstimmung (Pontus Lundahl / ´TT Schweden)

„En underbar jävla jul” (ung. Wunderbare, verdammte Weihnacht) ist der Titel des diesjährigen Weihnachtsfilms in den schwedischen Kinos. Die Komödie in Regie von Helena Bergström schildert, wie die Beziehungen der Menschen am Heiligabend einer Zerreißprobe ausgesetzt werden. Das ist ein erprobtes Rezept. Schwedische Film-Weihnachten sind traditionell chaotisch und kompliziert.

So wie in Fanny und Alexander, mit Tanz um den Tannenbaum für die ganze Großfamilie stellen wir uns ein klassisches schwedisches Weihnachtsfest vor, eine Weihnachtsidylle. Und einen klassischen schwedischen Weihnachtsfilm natürlich auch.

Vor schwarzem Fond

„Dieses Wunschweihnachtsfest mit den wunderbaren leuchtenden Farben, mit traditionellen Gerichten wie eingelegten Schweinsfüssen, mit Glögg, das ist warm, goldglänzend und anheimelnd. Dabei entsteht eine Art gesteigertes Weihnachtsgefühl“, beschreibt Jenny Jägerfeldt den Ausgangspunkt der Filmweihnacht. Sie ist Psychologin und Autorin.

„In dieser abgehobenen Stimmung wird die Katastrophe desto deutlicher. Der Effekt, wenn alle hochgesteckten Erwartungen zunichte gemacht werden, ist besonders stark. Und weil die ganze, große Familie mit verschiedenen Generationen versammelt ist, kann auch besonders viel passieren.“

Unglück und Chaos lauern nicht nur in schicksalsschwangeren Bergman-Filmen. Auch das Weihnachtswerk „Tomten är far till alla barnen” (Meine schöne Bescherung) vom Regisseur Kjell Sundvall lebt von Familiendramatik:

„Ich will dass ihr schwört, dass ihr das nicht getan habt!“

„Na hör mal, jetzt reicht‘s aber!“

Schöne Bescherung

In „Tomten är far till alla barnen“ (dt. ungefähr Der Weihnachtsmann ist der Vater aller Kinder) feiert Sara, die Mutter einer weitverzweigten Patchwork-Familie, mit ihrem Mann Jan, ihren drei Ex-Männern, nebst Frauen, Freundinnen, eigenen, fremden und adoptierten Kindern. Ein richtiger Familienabend nimmt unaufhaltsam seinen Lauf. Als große Überraschung verkündet Sara, dass sie ein Kind von Jan erwartet. Aber Jan weiß etwas, das niemand weiß: er ist zeugungsunfähig. In trunkenem Kummer versucht er, Saras Ex-Gatten zu einem Eid zu zwingen:

„Stellt euch alle hin und sagt mir nach: Wir schwören, dass wir nicht mit Sara Hamrell gebumst haben.“

„Nein, das haben wir doch alle!“

Regisseur Kjell Sundvall betont die klassischen Elemente der Komödie in seinem Weihnachtsfilm von 1999:

„Also Weihnachten mit seinen enorm hochgeschraubten Erwartungen. Da müssen Kinderaugen leuchten, Weihnachtslieder und Psalmen klingen und vor allem gibt es Glück und nochmals Glück. Alle sollen sich verdammt glücklich fühlen, und damit basta. Das lädt einen Filmemacher förmlich dazu ein, ein Misslingen zu schildern. Wir kennen das ja: die moderne Familie, man hat Stiefkinder, gemeinsame Kinder, meine Kinder, eure Kinder und so weiter. Ich glaube, viele erkennen sich darin wieder. Das ist das Kennzeichen einer guten Komödie: wenn man schallend lacht, einem dieses Lachen aber im Halse stecken bleibt. Manchmal soll es eben auch ein bisschen weh tun.“

Fest der Superlative

Psychologin Jenny Jägerfeldt glaubt, dass die Zuschauer ihr eigenes Weihnachtfest durch Filme wie diesen gelassener betrachten können:

„Nach einem Film über eine echte Weihnachtskatastrophe, sieht der Zuschauer ja vielleicht ein, dass er es eigentlich doch ganz gut hat. Abgesehen davon können im Film ja auch diese erlösenden Dinge geschehen, die in Wirklichkeit nicht passieren. Eine klassische Katharsis. Dass jemand diesen unangenehmen rassistischen Onkel zur Rede stellt, oder den Menschen, der alle Jahre wieder zu viel trinkt. Jemand tut die Dinge, die man selbst nicht hinbekommt.

Wahrheiten nicht gefragt

„Hör mal Mohamed, du sollst dein Kamel irgendwo parken und uns hier in Ruhe Weihnachten feiern lassen. Ist das klar?“

„Du rassistische Missgeburt!“

Auch die Familiengeheimnisse gehören zum Weihnachtsfilm, zählt Jägerfeldt die düsteren Zutaten weiter auf:

„Jemand weiß etwas über einen der Anwesenden, das aber nicht herauskommen soll. In Wahrheit ist er adoptiert, aber darüber reden wir nicht. Oder: sie ist bei den Anonymen Alkoholikern, aber dass dürfen nicht alle wissen. Zu Weihnachten gehören auch diese ganzen Vorstellungen darüber, was die anderen möchten oder nicht möchten. Man redet aber nie ordentlich darüber, weil man die Stimmung nicht verderben will. Alle verbrauchen ungeheuer viel Energie, um das, was sie eigentlich denken und sagen wollen, zu verschweigen. Das gilt sowohl für „Tomten är far till alla barnen“ als auch für Fanny und Alexander. Über bestimmte Dinge spricht man einfach nicht. Aber wir, das Publikum, dürfen sie ja sehen.“

Alle Klischees

In Helena Bergströms diesjähriger Weihnachtsfilm, „En underbar, jävla Jul“, besteht das Geheimnis darin, dass das homosexuelle Paar Eltern wird.

„Wann wollt ihr es denn erzählen? Wann lasst ihr die Bombe platzen?“

In „Tomten är far till alla barnen“ häufen sich die Geheimnisse wie die Geschenke unter dem Tannenbaum.

Ja und was wäre Weihnachten ohne das Weihnachtsessen? In „Fanny und Alexander“ geht ihm ein heftiger Streit, von dem niemand etwas merken soll voraus:

„Wo sind denn Karl und Lydia?“

„Die haben sich vielleicht in der Zeit geirrt.“

„Wir essen am Heiligenabend doch immer um halb fünf! Das ist wirklich sonderbar! Alexander, lauf runter und klingele bei ihnen.“

„Halt die Schnauze! Halt die Schnauze“

„Oh Mamma!”

„Guten Tag, Karl. Dann können wir ja endlich essen!“

Angelsächsisches Gemeinschaftideal

Filmkritiker Göran Everdal betont das Gewicht der Traditionsgerichte im Kino: „Eine Sache, die schwedische Weihnachtsschilderungen im Film von beispielsweise englischen, französischen oder amerikanischen unterscheidet, ist die Fixierung auf das Essen.“

„Die Essensfrage scheint eine uralte Tradition zu sein“, fährt er fort. „Wenn man sich nun Fanny und Alexander anschaut, der ja bei vielen als eine Art Traumweihnachtsfeier gilt. Ich glaube, das ideale Weihnachtsfest ist rund ums Essen gebaut. Das klassische Weihnachts-Büfett in der Totale und im Schwenk, und selbstverständlich der Tanz um den Tannenbaum Diese beiden Bestandteile sorgen dafür, dass viele in „Fanny-und-Alexander-Weihnachten“ das Ideal sehen. Diese Komponente taucht auch in dem neuen Weihnachtsfilm ‚Ein wunderbares, verdammtes Weihnachtsfest‘ auf. Ein wichtiger Teil der Handlung ist: Was isst man? Wann isst man? Wer hat welches Gericht mitgebracht? Und diese Dinge sind ja auch für viele Schweden wichtig, wenn sie Weihnachten in Wirklichkeit feiern.“

Im Vergleich dazu werden in den klassischen anglo-amerikanischen Weihnachtsfilmen meist geistige Werte und die Zusammengehörigkeit betont, sagt Göran Everdal:

„In ‚Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte‘ oder ‚Ist das Leben nicht schön?‘ von Frank Capra soll ein kollektives Gefühl entstehen, dass man etwas gemeinsam erlebt. Die einzige, der es gelungen ist diese beiden Traditionen zu vereinen, ist Astrid Lindgren mit Michel in Lönneberga. Dort wird eines der absurdesten Weihnachts-Büffets der schwedischen Literatur- und Filmgeschichte aufgebaut. Erst wird aufgezählt welche Schüsseln und Platten mit schwedischen Weihnachtsgerichten dort stehen, und dann ist der Witz Ist das Leben nicht schön? der Geschichte, dass Michel alles an die Armen verschenkt. Ungefähr so wie in einem Roman von Charles Dickens.

Lindgrens Lösung

Astrid Lindgren liest selbst aus der Geschichte vom Lausebengel Michel, der den Bewohnern des Armenhauses all das Essen auftischt, das seine Mutter für das Fest vorbereitet hatte.

„Ich will, dass du weißt, was an diesem zweiten Weihnachtstag auf dem Küchentisch in Katthult steht: Eine Schüssel mit Klößen, eine mit Schweinswurst, eine Platte mit Sülze, eine mit Leberpastete…

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