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"Antanzen" auch in Stockholm

Schweigen zu Festival-Übergriffen: Polizei leitet interne Ermittlungen ein

Publicerat måndag 11 januari 2016 kl 15.38
"Die neue Art der Belästigung hat uns geschockt"
(4:39 min)
Beim Festival "We are Stockholm" hat es mindestens zwei Jahre in Folge massive Probleme mit sexueller Belästigung gegeben - die Polizei ermittelt (Foto: Sophia Hogman / Studio Emma Svensson)
Hier lässt es sich leicht anderen auf den Pelz rücken - die Polizei ermittelt nun intern, ob der Öffentlichkeit mutwillig Fakten vorenthalten wurden (Foto: Sophia Hogman/Studio Emma Svensson)

Im Zuge der Anzeigen wegen sexueller Belästigung während der Silvesternacht in Köln und Kalmar sind ähnliche Vorfälle während eines Jugendfestivals in Stockholm bekannt geworden. Ob die Polizei absichtlich nicht über die Herkunft der Täter sprechen wollte, wie ein Beamter der Zeitung Dagens Nyheter sagte, soll nun untersucht werden.

Die Stockholmer Polizei fasste das fünftägige Festival „We are Stockholm“ im vergangenen August so zusammen: Mit Blick auf die Teilnehmeranzahl habe es vergleichsweise wenige Straftaten und Gewahrsamnahmen gegeben. 

200 Männer des Platzes verwiesen 

170.000 Besucher zählt das Festival für Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren im Kungsträdgården in der Innenstadt. Aus den internen Polizeiberichten, die Dagens Nyheter eingesehen hat, geht hervor, dass es bei zwei Festivals in Folge ganz so ruhige fünf Tage nicht gewesen sein können: Demnach haben Gruppen männlicher Jugendlicher junge Mädchen systematisch belästigt, Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gab es hingegen nur rund zehn. Dennoch gelang es der Polizei, etwa 50 Täter zu identifizieren. Insgesamt 200 junge Männer, die Mädchen bedrängten, wurden im Festivalverlauf aus dem Gedränge gefischt. 

Die Beamten hätten also keineswegs tatenlos zugesehen, betont Polizeisprecher Varg Gyllander. 

„Die Polizei wusste, was da los war, und hat meines Wissens große Anstrengungen unternommen. Viele Menschen wurden ja wegen sexueller Belästigung des Platzes verwiesen.“ 

Unerklärliches Schweigen 

Warum die Öffentlichkeit jedoch nichts von den Übergriffen erfuhr, ist dem Polizeisprecher ein Rätsel, erklärte er im Schwedischen Rundfunk. 

„Wir hätten das kommunizieren sollen. Warum wir das nicht gemacht haben, vermag ich nicht zu sagen. Normalerweise berichtet die Polizei ja von Aktionen bei größeren Ereignissen. Warum wir diesmal geschwiegen haben, werde ich untersuchen.“ 

Gleiches kündigte Polizeichef Dan Eliasson an. Auf der Verteidigungspolitischen Konferenz „Folk och Försvar“ in Sälen sagte er: „Selbstverständlich müssen wir uns die Angelegenheit genauer ansehen. Dies wird zunächst durch eine interne Untersuchung geschehen, um zu überprüfen, ob Fehler gemacht wurden oder sogar Straftaten begangen wurden. Wenn kein Verbrechen geschehen ist, besteht die Möglichkeit, bei Bedarf Disziplinarverfahren einzuleiten.“ 

Auch Eliasson habe erst durch die Zeitung davon erfahren, dass die Öffentlichkeit über die wahren Ereignisse möglicherweise wissentlich im Dunkeln gelassen wurde. Eliasson bestritt, dass die Polizei Rücksicht auf politische Umstände nehme. 

Angst vor Rassismus-Vorwürfen? 

Damit reagiert der Polizeichef auf die Äußerungen des Einsatzleiters in der Tageszeitung. Weil viele Täter ausländischer Herkunft gewesen seien – etliche darunter unbegleitete Minderjährige aus Afghanistan – habe die Polizei sich möglicherweise gescheut, dies öffentlich zu machen. „Manchmal trauen wir uns nicht zu sagen wie es ist, weil wir glauben, dass das den Schwedendemokraten in die Hände spielt“, so der Beamte. 

Ministerpräsident Stefan Löfven zeigte sich bestürzt über die Ereignisse. Es mache ihn sehr zornig, wenn junge Frauen nicht zu einem Festival gehen könnten, ohne sexuell belästigt und attackiert zu werden. Dies sei ein großes Problem für die Betroffenen und für das gesamte Land. „Wir werden nicht einen Zoll weichen und wegschauen“, so Löfven gegenüber der Nachrichtenagentur TT. 

Nach Köln sieht alles anders aus 

Beim Veranstalter des Festivals weiß man seit Langem um das Problem. Daher habe es besondere Schulungen des Personals gegeben, erklärte Roger Ticoalu im Schwedischen Rundfunk. Diese sollen zum nächsten Jahr noch weiter intensiviert werden. Weil alle, so auch die Beamten im Einsatz, auf die Problematik aufmerksam gemacht wurden, hält es Ticoalu für ausgeschlossen, dass die Polizei absichtlich zu den Geschehnissen geschwiegen habe. 

„Diese neue Art der Belästigung hat uns schon geschockt – auch die ganz hartgesottenen Polizisten und Aufpasser, mit denen ich seit 20 Jahren zusammenarbeite. Sie alle haben bestätigt, dass es sich um etwas ganz anderes handelt als die Einzelfälle, die einem vorher untergekommen sind. Bei unseren Vorbereitungen und beim Festival selbst haben wir uns gefragt, ob das ein lokales Problem ist und nur uns bei ‚We are Stockholm‘ betrifft. Doch nun nach den Geschehnissen in Köln zeigt sich ganz klar, dass das Problem deutlich größer ist.“ 

19 Anzeigen in Kalmar 

In Kalmar, wo es in der Silvesternacht ebenfalls zu sexuellen Übergriffen gekommen war, sind inzwischen weitere acht Anzeigen bei der Polizei eingegangen. Damit liegt die Zahl der Anzeigen insgesamt inzwischen bei 19. Die Anzeigeerstatterinnen gaben an, dass die Männer Englisch und andere, nicht näher genannte Sprachen gesprochen hatten. 

In der Silvesternacht waren zwei Männer in Polizeigewahrsam genommen worden. Sie stehen unter Verdacht, zwei Frauen sexuell drangsaliert zu haben.

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