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In eigener Sache

Radio Schweden wird abgeschafft

Veröffentlicht torsdag 21 januari kl 10.57
Aktualisiert torsdag 21 januari kl 13.39
"Die deutsche Redaktion hat treu gedient"
(4:37 min)
P4 Kronoberg
Kommt künftig ohne Radio Schweden aus

Die deutsche Redaktion des Schwedischen Rundfunks, Radio Schweden, wird zum 31. März abgewickelt. Dies gab Redaktionsleiter Ingemar Löfgren am Donnerstagvormittag bekannt.

Der Auslandsdienst des Schwedischen Rundfunks, das Pendant zur Deutschen Welle, besteht seit 1938 und ist in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zusammengeschrumpft. 2007 verschwanden die Redaktionen der baltischen Sprachen sowie Polnisch. Wie lange sich der Schwedische Rundfunk also noch eine deutsche und eine russische Redaktion leisten würde, um vorzugsweise ein Publikum im deutsch- und russischsprachigen Raum zu erreichen, war demnach einzig eine Frage der Zeit. 

Nun ist es amtlich: Nach 76 Jahren ist Schluss. Dazu sagte Redaktionsleiter Ingemar Löfgren im Gespräch mit Radio Schweden: „Die deutsche und die russische Redaktion werden vor dem Hintergrund abgewickelt, dass die Minderheitensprachen heute so viel wichtiger sind. Deutsch und Russisch sind Überbleibsel des alten Auslandsdienstes. Nun konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Minderheitensprachen.“ 

„Alle hier Lebenden ansprechen“ 

Gemeint sind allerdings nicht die offiziellen Minderheitensprachen wie etwa Meänkieli oder Samisch, sondern die Sprachen, die im Zuge der anhaltenden Zuwanderungswelle vermehrt in Schweden gesprochen werden. Daher bleiben die somalische, arabische, persische, kurdische und englische Redaktion erhalten. Künftig werden sie allerdings ein Teil der Nachrichtenredaktion „Ekot“ sein. 

„Zum einen sollen die Redakteure wie bisher Nachrichten und eigene Stories für die eigene Zielgruppe in Schweden machen. Zum anderen sollen sie das Nachrichtenangebot des Schwedischen Rundfunks generell inspirieren und bereichern. Es gibt heute eine große Schwäche und die besteht darin, dass sich nicht alle neuen Schweden in dem Angebot richtig zu Hause fühlen. Wir müssen alle, die in Schweden leben, ansprechen können.“ 

„Können nicht alles abdecken“ 

Dass dazu potenziell auch die beiden großen Einwanderergruppen der Deutsch- und Russischsprachigen in Schweden zählen, sei dabei zu vernachlässigen. Redaktionsleiter Löfgren: „Man kann immer hin- und herüberlegen. Oder zum Beispiel die Frage stellen, warum wir nicht auf Tigrinja senden. In diesem Vorschlag nun, der auch nicht auf die nächsten hundert Jahre in Stein gemeißelt ist, haben wir uns auf fünf relevante Sprachen geeinigt. Uns ist klar, dass wir nicht alle erreichen können. Sicher gibt es auch Deutsche, Russen, Eritreer und andere Afrikaner hier, aber wir können eben nicht alles abdecken.“ 

Löfgren, der selbst zum 31. März in Pension gehen wird, räumt Versäumnisse bei der Berichterstattung des Schwedischen Rundfunks ein. Geschuldet sei dies auch dem Umstand, dass viele Journalisten in den attraktiveren Innenstadtlagen der Ballungszentren wohnen würden. Damit seien sie entsprechend weit weg zumindest von einem Teil des relevanten Geschehens. 

Näher am Vorort-Geschehen 

Indem ein Teil seiner Redaktion nun der Nachrichtenredaktion „Ekot“ unterstellt wird, hofft Löfgren, dass die Informationen künftig breiter gefächert sein werden als bisher. 

„Wenn da draußen etwas passiert, wie zum Beispiel die Krawalle in den Vororten Akalla und Husby vor einigen Jahren, dann fliegt man dort so ungefähr mit schusssicherer Weste im Hubschrauber hin. Dabei wohnen wir ja dort. Dieser Teil der Wirklichkeit ist oft nicht vorgekommen. Sicher kann man erfolgreich nach Nachrichten in der Innenstadt Stockholms suchen, aber die Nachrichten sind auch da draußen.“ 

Treu gedient 

Obwohl die Diskussionen an der Umstrukturierung seit geraumer Zeit liefen, tut sich Chef Löfgren schwer damit, Abschiedsworte für die 76 Jahre lange Arbeit von Radio Schweden und die der russischen Redaktion zu finden. 

„Das ist auf die Schnelle sehr schwer zu sagen. Ich habe mich ja nicht nur mit der deutschen und der russischen Redaktion befasst, sondern mit etwas weitaus Größerem. Sie habe ich mir da nicht an vorderster Stelle angesehen.

Ich sag's mal in der Diplomatensprache: 'Die deutsche und die russische Redaktion haben dem Schwedischen Rundfunk über die Jahre treu gedient.'“

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