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Gesellschaft

Ehe-Streit klingt heute anders

Veröffentlicht fredag 4 mars kl 08.10
Vom Dampfkochtopf zur homöopatischen Wassersuppe
(3:46 min)
Schauspielerin Lena Endre und Regisseur Eirik Stubø bei der Pressekonferenz anlässlich der Inszenierung von "Und gib uns die Schatten" von Lars Norén (Foto: Anders Wiklund)
Schauspielerin Lena Endre und Regisseur Eirik Stubø bei der Pressekonferenz anlässlich der Inszenierung von "Und gib uns die Schatten" von Lars Norén (Foto: Anders Wiklund) Foto: Anders Wiklund/TT

Streiten die Schweden noch eher dezent, dafür umso perfider wie in „Szenen einer Ehe“ und wie bei Lars Norén oder schreien die genervten Paare ihren Frust heute vielmehr frei heraus? Die veränderte der Rolle der Frau wirkt sich entscheidend auf die innerehelichen Kämpfe aus.

Ingmar Bergmans Klassiker „Szenen einer Ehe“. Hässlichkeiten, Gemeinheiten und kaum verhohlener Hass – Gefühle, wie sie auch Schwedens Dramatiker Nummer Eins, Lars Norén, immer wieder in seinen Stücken aufgreift. Das Stockholmer „Dramaten“ zeigt derzeit „Und gib uns die Schatten“ (Och ge oss skuggorna). Die verbalen Tiefschläge in diesem Stück über den alternden Dramatiker Eugene O’Neill sind mit spitzer Zunge und im Druckkessel der eigenen vier Wände vorgebracht. Sie veranlassten die Journalistin Åsa Beckman, in ihrer Kolumne in der Tageszeitung Dagens Nyheter eine Streit-Forschung anzuregen. 

Im Schwedischen Rundfunk erklärte Beckman: „Bei Norén ist die Stimmung so dermaßen gepresst, so wie in einem Druckkochtopf. Schicht auf Schicht aus Hass und Unzufriedenheit. Als ich vom Theater nach Hause ging, habe ich überlegt, dass ich diese Art von Streit aber gar nicht wiedererkenne – weder von mir noch von Freunden. So sieht das heute eben nicht mehr aus. Die Menschen streiten gewiss nicht weniger als früher, aber diese Kämpfe hinter verschlossenen Türen sind eher an eine andere Zeit gebunden.“ 

Von finanzieller Abhängigkeit zur Scheidungs-App 

Die Ursache dafür sieht Beckman in der veränderten Frauenrolle. Gerade die finanzielle Abhängigkeit der Frauen von ihren Gatten noch zu Beginn und bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts spiegelte sich im alltäglichen Ehestreit, so Beckman. Heute hingegen gibt es Online-Tests für den Zustand der Ehe, verschiedene Diskussionsforen haben immer geöffnet, sogar eine Scheidungs-App lässt sich bequem ins Smartphone laden. 

„Die Familiensituation war in den 1940ern und -50ern, wo sich die frühen Norén-Dramen ja vielfach abspielen, ja noch eine komplett andere“, betont Journalistin Beckman. „Man war viel stärker aufeinander angewiesen. Gerade die Frauen konnten nicht einfach ihre Kleider zusammenraffen und losmarschieren, wie es ihnen gerade passte, weil sie sich ja nicht versorgen konnten. Probleme trug man eher innerhalb der Familie aus. Eine Scheidung war eine Schande. In so einer Situation wird der Druckkochtopf-Effekt enorm verstärkt, weil es keinen Ausweg gibt.“ 

„Problematik ist dieselbe“ 

Doch auch heute ist es nicht damit getan, einfach seine Sachen zu nehmen und der Familie den Rücken zu kehren, hält Clarence Crafoord dagegen. Der angesehene Psychoanalytiker und Autor hat schon unzählige Paartherapien geleitet und meint, das Gefühl von Versagen bei einem Streit oder einer Trennung sei heute genauso groß wie zu anderen Zeitpunkten. 

„Oberflächlich betrachtet sind die Streitereien ein Spiegel der jeweiligen Kultur, in der man lebt. Im Grunde geht es aber um dieselbe Problematik, nämlich um Enttäuschungen, um nicht erfüllte Erwartungen, auch eine Unfähigkeit, unrealistische Ideale aufzugeben. Das ist heute dasselbe wie schon in den Dramen Strindbergs vor 120 Jahren.“ 

Die Beschreibung des Druckkochtopfs für die Zeit vor der Emanzipation der Frau hält Psychoanalytiker Crafoord dennoch für passend. 

„Heute beobachten wir wohl eher eine Verwässerung. Eine wässrige, homöopathische Ehe-Suppe, die es nie schafft, so einen Druck aufzubauen. Die grundlegenden Probleme von Menschen in Beziehungen sind aber immer auch Möglichkeiten, die Beziehungen weiterzuentwickeln.“

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