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Hintergrund

Altenpflege in der Kritik

Publicerat torsdag 29 september 2005 kl 15.15

Altenpflege in Schweden – das bedeutet im Regelfall eher Schadensbegrenzung als angemessene Betreuung. Eine Untersuchung des Zentralamts für Gesundheits- und Sozialwesen belegt dies nun mit erschreckenden Zahlen. Danach erhalten die Bewohner von Altenheimen im Schnitt gerade einmal 60 Prozent der Pflege, die ihnen zusteht. Ein Grund ist sicherlich der andauernde Personalmangel im Altenpflegebereich. Doch es gibt auch darüber hinausgehende Probleme.

Sonny Ericsson aus Südschweden glaubte seinen Vater in guten Händen, als er ihn vor mehr als fünf Jahren im örtlichen Altenpflegeheim unterbrachte. Und auch in den folgenden Jahren schien es keinen Grund zur Beunruhigung zu geben. Vor wenigen Tagen aber sorgte das Heim in der Lokalpresse für negative Schlagzeilen. Einige Bewohner seien mehrfach vernachlässigt worden sein. Sonny Ericsson war entsetzt:

„Ich konnte kaum glauben, dass diese Dinge hier geschehen sind. Natürlich bin ich nun etwas besorgt, weil ich nicht mehr weiss, ob mein Vater hier gut versorgt wird.“

Auf einem Informationsabend erfuhr Ericsson von der Heimleitung, sie habe sich von neun Mitarbeitern der Nachschicht getrennt, nachdem interne Vorwürfe über die Vernachlässigung der Altenheimbewohner laut wurden. Heimleiterin Christel Jönsson hatte die fristlosen Entlassungen umgehend eingeleitet:

„Die gelten Routinen sind nicht befolgt worden. So wurde den Älteren zum Beispiel nicht beim Toilettengang geholfen, Hilferufe wurden einfach ignoriert. Das ist zutiefst betrüblich. Man will einfach nicht wahrhaben, dass das wirklich passiert ist. Doch als ich davon erfuhr, war ich entschlossen zu handeln.“

Berichte häufen sich 

Es ist nicht das erste Mal, dass sich schwedisches Personal wegen Misshandlungen bzw. unterlassener Hilfe verantworten muss. In regelmässigen Abständen berichten die Medien von alten Menschen, die vom ambulanten Pflegedienst am Esstisch vergessen, oder von bettlägerigen Heimbewohnern, die tagelang in ihren eigenen Exkrementen liegen gelassen wurden. Oftmals kommen die Pfleger einfach nicht mit ihrer Arbeit hinterher. Es mangelt schlicht an Kollegen. Deswegen hat die zuständige Ministerin Ylva Johansson bereits angekündigt, den Kommunen mehr Geld für Personal bereitzustellen.

Doch das Problem hat nicht nur eine finanzielle Seite. Immer wieder werden Übergriffe auf die wehrlosen Alten gemeldet. Sonny Ericssons Vater hatte zwar Glück; Misshandlungen wurde er offenbar nicht ausgesetzt. Dennoch schätzt Ericsson mittlerweile die Gefahr als hoch ein, dass auch sein Vater einmal Opfer aggressiven bzw. überforderten Personals werden könnte:

„Im Grossen und Ganzen sind die Heimbewohner dem Personal ziemlich ausgeliefert. Hier gibt es schliesslich verschiedene Alterssymptome. Ein paar können sich zwar noch ganz gut selbst versorgen, doch die meisten Bewohner leiden an Demenz und können kaum oder gar nicht kommunizieren. Die haben keine Möglichkeit, ihre Situation zu beeinflussen. Sie sind in der Hand des Pflegepersonals.“

Überfordertes Personal 

Mittlerweile durften vier der neun beschuldigten Altenpfleger wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Ihnen konnte die Staatsanwaltschaft in den Voruntersuchungen kein Fehlverhalten nachweisen. Gegen die anderen fünf Pfleger wird jedoch weiter ermittelt. Gewerkschaftsvertreterin Ylva Eriksson sagt, die Beschuldigten fühlten sich ungerecht behandelt:

”Sie finden, dass die Vorwürfe aus der Luft gegriffen sind. Über etwaige Probleme hätten man auch am Arbeitsplatz reden können. Und zwar sofort.“

”Lex Sara”

Stress und eine recht hohe Verantwortung des Personals führen dazu, dass hin und wieder Pflegefehler auftreten. Ein Freibrief für Misshandlungen lässt sich dadurch aber nicht ableiten. Deswegen führte Schweden im Jahr 1997 ein spezielles Gesetz ein, das so genannte „Lex Sara“. Danach sind Pfleger verpflichtet, Fehlverhalten ihrer Kollegen sofort anzuzeigen. Den Anstoss dazu gab vor acht Jahren eine Altenpflegerin Namens Sara, die Misshandlungen der Bewohner meldete und damit eine Welle von Anzeigen im schwedischen Altenpflegebereich lostrat.

Zwar sind die Anschuldigungen nicht immer begründet, doch im Interesse der wehrlosen Alten muss schnell gehandelt werden, findet auch Sonny Ericsson:

„Als Angehöriger eines Bewohners finde ich es richtig, dass die Leitung so hart durchgegriffen hat. Natürlich habe ich ebenso Verständnis für die Gewerkschaftsvertreter, die die Suspendierung einer ganzen Arbeitsgruppe für überzogen halten. Denn nicht das gesamte Personal hat sich ja schlecht verhalten. So etwas ist eben bedauerlich.“

Eine Frage der Menschenwürde

In einem Artikel für die Tageszeitung „Dagens Nyheter“ in dieser Woche fordern Sozialexperten eine bessere Abstimmung zwischen Pflegepersonal, Angehörigen und Behörden. Dadurch könne die Altenpflege individuell abgestimmt werden, heisst es. Doch wahrscheinlich muss bei der Betreuung älterer Menschen umgedacht werden, damit Betreuung nicht zur Verwahrung und schliesslich zur Verwahrlosung wird. So muss sich auch die schwedische Gesellschaft fragen: Wieviel Würde gestehen wir den älteren Menschen zu?

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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