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Provinzphänomen Speedway

Publicerat onsdag 12 oktober 2005 kl 12.17

Dreck, Motorräder und Todesgefahr - das ist Speedway, ein echter Männersport. Das Motorradrennen der etwas bodenständigeren Art hat sich klammheimlich zur drittbeliebtesten Sportart Schwedens gemausert. Nur Fussball und Eishockey haben derzeit mehr Fans. Doch, glaubt man den Veranstaltern von Speedway, dann ist der Siegeszug in Schweden noch lange nicht beendet. Denn der Erfolg dieses Motorsports hat viel mit den Gepflogenheiten im dünnbesiedelten Land zu tun.

Verpackt in bunte Lederkluft hetzen die Fahrer auf ihren knatternden Motorrädern durch das schlammige Rund meist improvisierter Arenen. Am Rand grölt das ländliche Zuschauervolk, als gehe es um den Sieg der Fussballweltmeisterschaft. Speedway ist ein Phänomen. Und obwohl es bereits in den USA, Grossbritannien und Polen etabliert ist, passt dieses Phänomen besonders gut nach Schweden.

Wenige Kilometer weiter zeigt sich die schwedische Provinz von ihrer altbekannten Seite. Die 2.000-Seelen-Gemeinde Målilla könnte man auf EU-deutsch durchaus als strukturschwach bezeichnen - keine Industrie, kaum Dienstleitung und die Landwirte leben vor allem von Subventionen. Wer hier wohnt, dem ist es wahrscheinlich nur einfach egal. Es sind nicht gerade Erfolgstypen, die aus Orten wie Målilla kommen. Doch gerade das macht den Reiz des Underdog-Sports Speedway hier aus.

Bis ins Halbfinale gekämpft

„Speedway? Ach so, ja, das fängt doch gleich an. Deswegen haben wir jetzt den ganzen Ort für uns.”, sagen zwei alte Damen. Sie haben es sich auf den weissen Plastikstühlen des Strassencafés von Målilla gemütlich gemacht. Nur ab und zu brausen verspätete Autos vorbei, die auf Weg zum Speedway-Showdown am Stadtrand sind. Bis ins Halbfinale hat sich das Team „Luxo Stars” gekämpft, genau wie vergangenes Jahr. Dann war Schluss. Die Aufgabe diesmal ist nicht leichter. Mit der Speedway-Auswahl von Västervik treffen die Jungs aus Målilla diesmal auf den heissesten Meisterschaftsanwärter. Entsprechend aufgeregt ist Andreas Jonsson vom Team „Luxo Stars”: „Klar, vor dem Rennen bin ich etwas angespannt, aber ich vertraue auf meine Maschine. 120 kann die fahren, hat keine Bremse, sondern nur Gas und Kupplung.”

Ventil für frustrierte Schweden

Niemals bremsen, einfach nur Gas geben. Speedway ist für alle Beteiligten ein regelrechtes Ventil. Denn alle Menschen in der Umgebung eint vor allem die Frustration über „die da oben” in Stockholm oder Brüssel. Vergessen fühlen sie sich, hier inmitten der Provinz. Hier, wo man sich seine eigenen Helden schaffen muss. Es sind zum Beispiel die Jungs von „Luxo Stars”. Rund 6.000 Zuschauer wollen sie diesmal sehen. Darunter auch erstaunlich viele Frauen. Birgitta Karlsson ist eine von ihnen: „Die Begeisterung ist im ganzen Ort zu spüren. Das ist gut für die Gemeinschaft.”

Dass sich auch immer mehr Frauen für Speedway begeistern können, mag im Musterland der Gleichberechtigung nicht überraschen. Und ein bisschen wird es wohl auch daran liegen, dass es in der schwedischen Provinz an Alternativen mangelt. Doch selbst der hohe Frauenanteil kann an diesem Abend an der deutlichen Niederlage der Heimmannschaft nichts ändern. Die „Luxo Stars” gehen sang- und klanglos gegen den haushohen Favoriten Västervik unter. Fahrer Andreas Jonsson sucht nach einer Erklärung: „Keine Ahnung. Bei keinem von uns hat es heute hundertprozentig geklappt.”

Schiedsrichter meistens unparteiisch

Dass David diesmal nicht gegen Goliath gewann, mag in Målilla an diesem Abend weniger göttliche Fügung als vielmehr der Ausdruck des Stadt-Land-Gefälles sein. Schliesslich ist Västervik zwar nicht gross, aber immer noch deutlich grösser als Målilla. In den Teams vom Lande fahren eben keine internationalen Speedway-Grössen mit. Hätte vielleicht Startmann Ingemar Frej die Niederlage noch verhindern können? Selbstverständlich nicht. Dafür ist der Speedway-Schiedsrichter viel zu sehr Profi - meistens jedenfalls: „Es gibt einfach nichts Besseres im Leben. Natürlich muss ich neutral bleiben, aber ab und zu versuche ich, den Gegnern den Start schwer zu machen.”

Eine melancholische Zuschauermenge

Und so verlässt eine etwas melancholische wie alkoholisierte Zuschauermenge die wacklige Holzarena und kehrt langsam nach Målilla und in die noch kleineren Nachbardörfer zurück. Immerhin, in der Landesliga haben sie ihren dritten Platz vom Vorjahr verteidigt. Und wo sonst spielt Målilla so weit oben mit in Schweden? Ein Zuschauer hat die Schmach der Niederlage deswegen schnell abgehakt: „Es lief halt schlecht für uns. So ist das manchmal.” So einfach sind die Dinge eben in der Provinz.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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