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Fräulein Julie Erfolg mit Sexappeal

Publicerat måndag 24 oktober 2005 kl 11.38

„Fräulein Julie“, August Strindbergs Tragödie, feiert an Schwedens Nationalbühne Dramaten Riesenerfolge. Nicht nur in diesem Jahr sondern auch im nächsten. 10.000 Karten für Vorstellungen im nächsten Jahr gingen an einem einzigen Tag weg!

Peter Pyk, stellvertretender Pressechef von Dramaten nennt die Gründe: „Also in diesem Jahr läuft Fräulein Julie auf der kleinen Bühne. Für Januar und Februar haben wir das Stück auf die grosse Bühne verlegt. Aber wie es dann weitergeht, das wissen wir im Moment noch nicht.“

Betagt und begehrenswert
Das alte Fräulein Julie ist offenbar jung und begehrenswert geblieben. Themen wie Liebe, Hass, Zerrissenheit und Geschlechterkampf locken auch heute noch. Grafentochter Julie verführt den aufstrebenden Diener Jean und weiss anschliessend vor Verzweiflung nicht ein noch aus. Jeans bodenständige verlobte Kristin hat für all das nur Verachtung übrig und kündigt schliesslich ihren Dienst.

Die Neuauflage des Klassikers von 1888 war schon vor der Premiere in den Klatschspalten der schwedischen Presse aufmerksam verfolgt worden. Von Skandalen, Sex und Intrigen wurde gemunkelt. Bei der Premiere war von den angeblichen Querelen nichts zu merken. Und die zu Strindbergs Zeiten zweifellos skandalösen Verführungsszenen rauben dem Publikum von heute nicht unbedingt den Atem. Doch Ingela Olsson als Kristin, Maria Bonnevie in der Titelrolle und Mikael Persbrand als Diener Jean imponieren durch ihre schauspielerische Leistung.

Bonnevie und Persbrand sind übrigens auch im wirklichen Leben ein Paar und gehören zu den beliebtesten Darstellern des Landes. Deutschen Zuschauern ist Mikael Persbrand vermutlich vor allem als Gunvald Larsson in den Beck-Krimis vertraut.

Der Beliebtheitsgrad aller Beteiligten ist denn für Pressesprecher Peter Pyk auch der Schlüssel zum Erfolg der Inszenierung: „Bekannte Namen und ein berühmtes Drama von August Strindberg. Hinter dem Gelingen steckt natürlich auch, dass der Regisseur Tommy Berggren ist. Die Rollenbesetzung mit beliebten und guten Schauspielern wie Mikael Persbrand, Maria Bonnevie und Ingela Olsson tut ihr Übriges.“

Zerrissene Frau
Mit dieser Analyse hat Peter Pyk bestimmt Recht. Auch frühere Inszenierungen von „Fräulein Julie“ am schwedischen Nationaltheater waren Renner: Über 4 800 Mal ist die Tragödie dort in den letzen hundert Jahren über die Bühne gegangen. Offenbar sagt Strindbergs Stoff aus dem vorvorigen Jahrhundert uns auch heute noch etwas. Allerdings hat Regisseur Berggren den Akzent vom Gegensatz zwischen Herrschaft und Dienerschaft und dem Gegensatz zwischen Mann und Frau auf die innere Zerrissenheit der Grafentochter Julie verlegt. Sie wurde von ihrem Vater wie ein Junge erzogen und von ihrer Mutter zur Männerhasserin gemacht. Trotz ihrer gesellschaftlichen Stellung fordert sie den Diener Jean auf, ihr den Befehl zum Selbstmord zu geben. Anders als in Strindbergs Originalversion tritt Julie dann am Ende blutüberströmt nochmals auf und stirbt auf der Bühne. Das Engelchen, das sie dabei mitleidig anschaut, wäre allerdings besser in einer Hollywood-Verfilmung untergebracht.

Dramaten setzt in dieser Saison stark auf Klassiker: neben Strindberg Shakespeares „Mass für Mass“ und der „Kaufmann von Venedig“. Darüber ob ein anderer Klassiker, nämlich Nobelpreisträger Harold Pinter nun auch wieder auf den Spielplan gesetzt wird, konnte Radio Schweden heute noch nichts erfahren. Aber als Hinweis mag dienen, dass Pinter einer der Lieblingsdramatiker von Regisseur Tommy Berggren ist.

Sybille Neveling

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