Fika - schwedische Kaffeetradition

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Bevor die Arbeit los geht erst eine Tasse Kaffe mit den Kollegen (Foto: Janerik Henriksson/Scanpix)
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Bevor die Arbeit los geht erst eine Tasse Kaffe mit den Kollegen (Foto: Janerik Henriksson/Scanpix)


Die Schweden sind zwar nicht die Weltmeister im Kaffeetrinken, das sind die Finnen. Doch die Tasse Kaffee gehört auch für die Schweden zum Alltag. Nicht nur eine, sondern eine morgens, eine auf dem Weg zur Arbeit, eine am Vormittag, nach dem Mittagessen, am Nachmittag, abends und vor dem Schlafengehen. Das Kaffeetrinken ist derart unauslöschbar mit dem schwedischen Alltag verbunden, dass es einen eigenen Namen bekam: „fika“ heißt auf Schwedisch Kaffeetrinken und ist eine tief verwurzelte Tradition.

Veröffentlicht måndag 7 november 2005 kl 12:53

Gleich wird er fertig sein, der erste Kaffee des Tages. Manche trinken ihn vor dem Frühstück, das ist das, was der Schwede „Morgonfika“ nennt, also Kaffeetrinken am Morgen. Manche trinken ihn zum Frühstück, und auch das nennen sie „Morgonfika“. Linda Odén kennt dies von Kindesbeinen an: „Meine Grosseltern tranken immer den ersten Kaffee gleich nach dem Aufstehen gegen sieben Uhr mit etwas Gebäck. Richtig gefrühstückt wurde erst um zehn.”

Laptop-Fika
Linda und ihr Mann Johan haben den Laptop mitgenommen ins Cafe. Ihre kreative Pause wird natürlich mit Kaffee genossen. Eine ganz gewöhnliche Kaffeepause, das ist nur eine Erscheinungsform des Phänomens „Fika”. Neben der Kaffeepause und dem Kaffeetrinken am Morgen gibt es nämlich noch das schnelle Kaffeetrinken zwischendurch, das Kaffeetrinken von Müttern in der Babypause, während die Kinder spielen, und das Kaffeetrinken am Abend.

„Wir sind nie in die Kneipe gegangen, um uns zu treffen”, erklärt Linda. „Man lädt die Leute halt zum Kaffee nach Hause ein.” „Komm rein auf einen Kaffee, sagen wir oft”, ergänzt Johan. „Das ist die Art und Weise, wie wir unsere sozialen Kontakte pflegen. In Deutschland und England trifft man sich in der Kneipe, das sind wir so nicht gewohnt.” Und Linda fügt hinzu: „Das ist eine Folge der strengen Alkoholpolitik.”

Umgangsformen
Natürlich haben sich die Schweden inzwischen auch den Gewohnheiten auf dem Kontinent angepasst und treffen sich auf ein Bier in der Kneipe, meist ist dies dann das Bier nach der Arbeit mit Kollegen. Doch die ureigene schwedische Form des persönlichen Umgangs mit Freunden und Verwandten ist das gemeinsame Kaffeetrinken. So zeigt sich, wer soziale Kompetenz hat: Wer seine Freunde regelmäßig mit einer Einladung zum Kaffeetrinken bedenkt. Und nicht zuletzt ermöglicht die institutionalisierte Form von „Fika“ den sonst reservierten Schweden eine relativ ungezwungene Form der Kontaktaufnahme.

Erdin, die Bedienung im Cafe, schäumt die Milch für den Cafe Latte auf. Italienische Kaffeespezialitäten sind längst in die „Fika”-Tradition integriert worden. Einen frisch gebrühten Latte ziehen vor allem junge Leute dem gewöhnlichen Kaffee vor. Vanja und Christer, zwei Handwerker aus Stockholm, bevorzugen Espresso zum Wochenend-„Fika“. In der Woche macht es auch der gewöhnliche Kaffee. Zum Fika gehört unbedingt auch ein Happen Essen dazu. Ein belegtes Butterbrot, die überaus beliebte „Kanelbulle“ - die Zimtschnecke - oder gar ein Stück Torte.

Vanja und Christer gönnen sich zum Kaffee aber was ganz anderes: „Wir nehmen meist dunkle Schokolade, Mandeln und Nüsse. Nicht so viel Gebäck und keine Torte, keine belegten Brote. Gerade haben wir einen Schokoladentrüffel zum Kaffee gegessen. Der war sehr lecker.”

Und auch Vanja weiß eine Geschichte aus der Familie zu berichten, wie man früher Kaffee trank. „Meine Mutter kochte bei sich zuhause auf dem Land den Kaffee auf ihrem Holzofen. Da war der Kaffee ziemlich heiβ, deshalb hat sie ihn in die Untertasse gegossen, gepustet und so vorsichtig geschlürft.” „Und das Zuckerstück hat sie vorher in den Mund geschoben”, sagt Christer. „Aber heute tut man das nicht mehr. Man kocht den Kaffee ja auch mit der Maschine, dann ist er nicht so heiβ.”

Unbekannter Ursprung
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch Teetrinken als „Fika“ bezeichnet wird. Und selbst, wer weder Tee noch Kaffee trinkt, wer sich kurze Zeit niederlässt, um eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken, der macht eine „Fika-Pause“.

Woher das Wort eigentlich kommt, ist nicht ganz eindeutig klar. Womöglich stammt es von den Aufdrucken auf den Kaffeetassen der Armee. Die kamen früher vom Militärischen Inventur Korps, die schwedische Abkürzung dafür lautete FIK.

Katja Güth

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