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Schweden weichgespült fürs deutsche Fernsehen

Publicerat torsdag 22 mars 2007 kl 10.19

Sie heißen „Wind über den Schären”, „Mittsommerliebe” und „Sehnsucht nach Marielund” und erreichen in Deutschland ein Millionenpublikum. Die Filme von Inga Lindström im ZDF führen die Rosemunde-Pilcher-Tradition fort, nur in Schweden. Denn schließlich hat auch Schweden wunderbare Landschaften, die sich vortrefflich für zuckersüße Romanzen eignen. Der Serien-Name Inga Lindström ist übrigens nur ein Pseudonym, die Drehbuchautorin heißt Christiane Sadlo und hat auch schon Drehbücher fürs „Traumschiff” geschrieben. Im Sommer wurden in Schweden neue Folgen der Serie eingespielt

Nicht zum ersten Mal ermahnt der Aufnahmeleiter die Menschen auf dem Platz Birger-Jarls-Torg in Stockholm, ruhig zu sein, und es wird nicht das letzte Mal bleiben. Die Schauspieler werden an diesem Tag noch unzählige Male Hand in Hand die Treppe des schwedischen Oberlandesgerichtes hinunterschlendern. Die erste Szene des Filmes „Auf den Spuren der Liebe” geht so:  „Und was machst du jetzt? Da kommt ja Emma. Hej mein Liebster, und bist du nun frei?”

Emma kam gerade mit einem Herz-Luftballon angeweht. Im unpassenden Moment, denn ihr Liebster Thomas will sich soeben von seiner Ex-Frau Caroline verabschieden. Thomas alias Christian K. Schaeffer erklärt das so: „Die Hauptdarstellerin war bis eben meine Gattin und wir haben uns scheiden lassen. Was uns schwer fiel, weil wir uns noch mögen.”

„Caroline! Andreas! Wo kommst du denn her? Na, von zuhause. Du glaubst doch nicht, dass ich dich an deinem Schicksalstag allein lasse. Aber du bist doch nicht den ganzen Weg hierher gefahren, um…”

Weite Wege

Dochdoch, Jugendfreund Andreas ist natürlich den ganzen Weg hierher gefahren, um seine geliebte Caroline am Tag ihrer Scheidung moralisch zu stützen. Caroline alias Romana Pollak erzählt, wie es zunächst weiter geht.

„Und hab mich hier eines Projektes angekommen, das mich zu den Wurzeln meiner Jugend zurückbringt zu einem sehr vertrauten Freund und auf diesem Fleckchen vertrauter Erde treffe ich dann einen neuen Mann.”

Dies wiederum ist ein Bärenforscher, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Hunderte von Drehbuchschreibern haben hunderte Mal das unendliche Thema „Wie finde ich die groβe Liebe” in mehr oder wenige spannende Geschichten zu übersetzen versucht. Und nun also spielen solche Herz-Schmerz-Filme in der malerisch-lieblichen-offenen Landschaft Schwedens.

Schleichwerbung für Schweden

Die wegen Schleichwerbung in die Schlagzeilen geratene Produktionsfirma Bavaria-Film dreht im Auftrag des ZDF und wirbt damit schon wieder - für Schweden. Pressesprecher Christian Schmidt: „Absolut richtig. Ich glaub aber, das ist die positivste Art der Schleichwerbung, weil die Bavaria mit dem ZDF mit groβer Freude Schweden als traumhaftes, neues Filmland entdeckt hat, mit wunderschönen Locations. Die wunderschönen Plätze, Brücken und Seen in und um Stockholm. Wunderschöne Schärenlandschaften, herrlichste Naturreservate und die sicherlich schönsten Wälder Europas.”

Soviele Superlative auf einmal. Natürlich ist in solchen Romanzen nicht gefragt, das sich in Schweden viele Menschen die teure Zahnarztbehandlung nicht leisten können, viele monatelang auf eine Operation warten müssen und feste Arbeitsplätze Mangelware sind, weil viele Stellen immer nur befristet besetzt werden. Wer möchte das schon sehen, am Sonntagabend um 20.15 Uhr. 

„Der Anspruch unseres Senders für diesen Sendeplatz ist eine ganz klare Vorgabe. Und diese Vorgabe lautet, den Zuschauer sich unterhalten zu lassen. Die Leute dürfen sich am Sonntag aufs Sofa fallen lassen und diese Idylle genieβen. Der Anspruch, wie es hier sozialpolisch etc und die alltägliche Problematik, wäre in anderen Sendungen besser aufgehoben”, meint Bavariasprecher Christian Schmidt.

Regen passt nicht in die Idylle

Komparsin Marie-Louise Löfquist läuft bereits zum dritten Mal mit ihren beiden Enkelinnen über den Stockholmer Birger-Jarls-Torg. Das Team musste ein paar Mal das Drehen unterbrechen. Es hat geregnet, das passt nicht zur Schweden-Idylle. Marie-Louise Löfquist meint: Die Inga-Lindström-Filme seien schon realistisch.

„Ja, das ist authentisch. Ist ja alles sauber hier. Die Kultur ist ganz anders als in Deutschland. In Deutschland sieht es ja gar nicht rosig aus. Ich war jetzt sechs Wochen in Berlin. Also, es stinkt.”

Herz-Schmerz aus Schweden wird den gefrusteten Deutschen wieder nach der Wahl präsentiert: Ab Oktober laufen die jetzt produzierten fünf Folgen. Immer einmal im Monat, Sonntagabend 20.15 Uhr dürfen sich die Zuschauer ins Sofa plumsen lassen und wunderschönste Landschaften genieβen, vielleicht in dem Wissen: Die Wirklichkeit sieht anders aus. Aber wer will das schon sehen?

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