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Gewagter Versuch: ein Wochenmagazin

Publicerat onsdag 23 november 2005 kl 16.08

In Schweden gibt es kein politisches Wochenmagazin - vergleichbar etwa mit dem deutschen „Spiegel”, „Stern” oder „Fokus”- gab es bislang nicht. Das wird jetzt anders. Anfang Dezember erscheint die erste Ausgabe des schwedischen Wochenmagazins mit dem Namen „Fokus, und entgegen zahlreichen Unkenrufen wollen die Macher nicht mehr und nicht weniger als die Nummer Eins der schwedischen Medienlandschaft werden.

„Ich komme mitten in eine heiße Phase, es geht um allerletzte Anstellungsfragen, da wird heftig diskutiert“, sagt Karin Pettersson. Das Projekt „Fokus” hat sie gemeinsam mit zwei Kollegen gestartet – einer von ihnen ist Martin Ahlqvist. Er führt mich durch die Redaktionsräume, die noch recht spärlich und provisorisch eingerichtet sind.

Bald schwarze Zahlen
Doch das Provisorium täuscht: Die Strategie für das, worüber in Schweden bald „alle” sprechen sollen, ist laut Ahlqvist generalstabsmäßig geplant. Immerhin hat man eine Gruppe privater Financiers vom Konzept des Blattes überzeugen können. Sie haben vertraglich zugesichert, „Fokus” mindestens drei Jahre lang zu tragen. „Wir hoffen nicht nur, sondern wir sind davon überzeugt, dass das Magazin bis dahin schwarze Zahlen schreiben wird“, sagt Martin Ahlqvist. „Für uns ist es ganz wichtig zu signalisieren: Dieses Blatt wird nicht verschwinden. Mit ‚Fokus’ ist zu rechnen - jetzt und in Zukunft.“

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Schweden sind zwar eifrige Zeitungsleser und das Land liegt bei der Verbreitung von Tageszeitungen gemeinsam mit Finnland seit Jahren weltweit an der Spitze. Aber frühere Versuche, ein politisches Wochenmagazin zu etablieren, sind samt und sonders gescheitert. Hergebrachte Erklärungen dafür gibt es eine ganze Menge: so sei der schwedische Markt mit seinen gerade mal neun Millionen Einwohnern allzu klein. Zudem hätten die hiesigen Tageszeitungen eine anerkannt hohe Qualität und befriedigten somit das Bedürfnis nach Tiefen-Information.

Eingehende Analyse
Doch diese Erklärungen erkennt die „Fokus”-Mannschaft nicht an. Martin Ahlqvist führt vergleichbare Länder wie Finnland, Österreich und die Schweiz ins Feld, die sich sehr wohl ein oder gar mehrere Wochenmagazine leisten. „Fokus” habe seine Hausaufgaben gemacht, sagt er, und die Fehler vor allem jener analysiert, die in den 70er und 80er Jahren ein politisches Wochenmagazin in Schweden etablieren wollten: „Als politisches Nachrichtenmagazin muss man sich an eine bestimmte Form halten, und die besagt: Man muss jede Woche aufs Neue die Titelseite des Landes sein. Das bedeutet entweder die große Enthüllungs-Reportage, die die Leute am Samstagabend beim Essen diskutieren. Oder, wenn man das nicht liefern kann und ein wichtiges Ereignis woanders in der Welt ansteht - wie zum Beispiel ein Terroranschlag in London oder der Rücktritt eines Regierungschefs - dann müssen wir zu diesem Ereignis die beste Erklärung, den interessantesten Einfallswinkel und den besten Hintergrund vermitteln.“

Dieses anspruchsvolle Ziel will man mit einer relativ geringen Zahl von fest angestellten Reportern ansteuern. Für freie Mitarbeiter wird die Hälfte des Etats veranschlagt, genug, damit sich diese einen Monat oder länger ihrem jeweiligen Thema widmen können. Eine ganze Reihe geschätzter publizistischer Namen wie auch neue, hoffnungsfrohe Talente habe man für die freie Mitarbeit gewinnen können, sagt Martin Ahlqvist. „Aber so wichtig alle publizistischen Ambitionen auch sein mögen, genauso wichtig ist, den Markt im Auge zu behalten“, betont er. „Die Strategien für die Auflage und den Anzeigenmarkt müssen bis ins Letzte durchdacht sein. Auch da haben wir die besten Leute.“

Was die harte finanzielle Realität betrifft, lebt Ahlqvist nicht in Wolken-Kuckucksheim. Ebenso wie die beiden anderen Magazin-Gründer hat der einstige politische Reporter beim Schwedischen Rundfunk auch Erfahrungen beim angesehenen Finanzblatt „Finanstidningen” gesammelt. Stolz zeigt er den Raum, in dem die Entwürfe für mögliche Titelbilder an die wände gepinnt sind. „Wissenschaft, zum Beispiel die Gentechnik, könnte ein Top-Thema sein“, sagt er, „ebenso wie die sich wandelnde politische Landschaft in Deutschland oder eine Tiefen-Analyse dessen, was der Islam heute in Schweden bedeutet.“

Politisch unkorrekt
Sozusagen aus der Bewegung heraus will ”Fokus” einen Begriff in Schweden herausfordern, den der so genannten politischen Korrektheit: „Wenn es etwas gibt, was wir nicht sein wollen, dann ist das politisch korrekt. Wir werden über das schreiben, was wir als relevant empfinden, was wichtig und interessant für unsere Leser ist. Das mag selbstverständlich und simpel klingen. Ist es aber nicht. Das müssen wir ständig im Hinterkopf behalten.”

Dass Schweden ein Land der eifrigen Zeitungsleser ist, sieht man bei ”Fokus” als beste Voraussetzung: Der gesellschaftlich interessierte und engagierte Durchschnittsbürger, so hofft man, werde die noch eingehendere Reportage, den noch umfassenderen Background zu schätzen wissen.

Schriller Tonfall
Für den deutschen Beobachter tun sich dennoch Zweifel auf: Wird die vergleichsweise ruhige, um Konsens bemühte politische Szenerie hier in Schweden tatsächlich Woche um Woche genug publizistischen Sprengstoff liefern?  „Im kommenden Herbst stehen Wahlen an“, erinnert Ahlqvist. „Bald wird der politische Ton hier etwas schriller werden.“

Dass diesmal im traditionell sozialdemokratisch beherrschten Schweden ein bürgerlicher Wahlsieg in greifbarer Nähe scheint, dürfte dazu wohl seinen Teil beitragen. Gutes Timing also für den „Fokus”-Start, der nicht zuletzt die Tageszeitungen herausfordet: Die haben sich in den letzten Jahren konsequent auf die Großstadt-Leser orientiert. In den zahlreichen ländlichen Gebieten muss man inzwischen umgerechnet 300 bis 400 Euro für das Jahresabo hinblättern. Ein Jahr „Fokus” bekommt man für 50 Euro - ab 2. Dezember.

Anne Rentzsch

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