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König Karl XII Geheimnisvoller schwedischer Archetyp

Publicerat fredag 2 december 2005 kl 12.07
Deutung unsicher: Karl 12.

* 17. Juni 1682 (Stockholm), † 30. November 1718 (Festung Fredriksten bei Fredrikshald)

Als eine der umstrittensten und geheimnisvollsten historischen Gestalten in Schweden gilt König Karl XII. Er war der letzte Alleinherrscher während der Großmachtzeit Schwedens, sie endete mit seinem Tod 1718. Schon als 15-Jähriger bestieg Karl XII. den Thron und erarbeitete sich in 20 Jahren als Regent einen Ruf, der bis heute nachwirkt. Dass der Monarch sein Land sogar eine zeitlang von Moldawien aus regierte, will nun eine Ausstellung der Leibrüstkammer im Königlichen Schloss ins allgemeine Geschichtsbewusstsein rufen.

Ganz am Ende des dunkel-atmosphärischen Kellergewölbes des Schlosses liegen hinter einer Handvoll Vitrinen die kostbaren Reliquien aus der Zeit Karl XII. in Moldawien. Aufwändig verzierte Revolver - ein Geschenk vom Sultan -, die schwarzen Lederstiefel des fünfjährigen Prinzen sowie eine verlotterte Perücke – übrigens die einzige, die Karl XII. je trug, und das auch nur auf seiner fluchtartigen Heimreise 1714.

Regierungssitz Moldawien

„Als Schweden von Moldawien aus regiert wurde“ heißt die Ausstellung, Kurator Per Sandin erklärt, was es mit dieser Zeit zwischen 1709 und 1714 auf sich hat:

„Das gemeine Volk, die Bauern, hatten sicher nur eine schemenhafte Vorstellung davon, wo sich der König befand. Sehr weit weg eben. Dass er in der Türkei war, wusste man vielleicht gerade noch. Genau so wenig wie die Schweden heute jedoch hatte man eine Ahnung davon, wo genau er sich aufhielt. Aber Schweden wurde wirklich von Moldawien aus regiert. Alle wichtigen Dokumente mussten ja vom König selbst unterschrieben werden, schließlich war er Alleinherrscher. Dass Moldawien schwedischer Regierungssitz war, ist also keine Konstruktion.“

Wieso nur Moldawien?

Doch was hatte Karl XII. überhaupt in der Gegend des damaligen Fürstentums Bessarabien im Osmanischen Reich zu suchen?

Nicht umsonst trägt Karl XII. den Beinamen „Kriegerkönig“. Während des Grossen Nordischen Krieges um 1700 besiegte der schwedische Monarch nach und nach die Alliierten der Gegenseite: Dänemark kapitulierte, die russische Armee musste sich in der Schlacht in Narva geschlagen geben und schließlich streckte auch August II von Sachsen die Waffen und gab die polnische Krone frei.

Berühmte Legende: Tumult in Bender

Im ukrainischen Poltava endete dann der Siegeszug abrupt, der Armee des Zaren Peter des Grossen waren die schwedischen Streitkräfte nicht gewachsen. Nach dem Desaster floh Karl XII. ins Osmanische Reich und ließ sich in der Nähe der legendären Stadt Bender nieder. Beim berühmten „Tumult in Bender“ allerdings handelt es sich um eine fehlerhafte Geschichtsschreibung, auch davon berichtet die Ausstellung in der Leibrüstkammer. Per Sandin:

„Der so genannte Tumult in Bender brach aus, weil der Sultan Karl XII loswerden wollte. Aber eigentlich fand der Tumult gar nicht in Bender statt. Die Schweden hatten nämlich eine eigene Stadt bei Bender errichtet, Warnitza. Das war vorher nur ein Dorf gewesen. Doch als dann eintausend Schweden im Gefolge vom König dort lebten, nannte man die Stadt Carlopolis.“

Architekturinteressierter Kriegerkönig

Kurator Per Sandin will in der kleinen Ausstellung vor allem weg vom Klischee des Kriegerkönigs. Sicher stimmt dieses Bild zu Teilen, denn zweifelsohne war Karl XII. von Kind an zur Macht erzogen worden. Aber, wendet der Ausstellungsmacher ein, Karl XII. war auch ungeheuer interessiert an anderen Kulturen, er interessierte sich für Theater und Architektur und zeichnete sogar. Bei Reformen innerhalb der Verwaltung gilt Karl XII. als absoluter Vorreiter. Auch diese Seiten des Monarchen will die Ausstellung zeigen:

„Könige und Herrscher werden leicht Opfer von stereotypen Vorstellungen. Karl XII. ist dafür ein gutes Beispiel. Teilweise ist er daran selber schuld. Er ist eine sehr rätselhafte Person, weil er so gut wie nie Briefe schrieb, geschweige denn Bücher und so der Nachwelt kaum etwas aus erster Hand hinterlassen hat. Das führt natürlich zu Spekulationen. Keine andere schwedische historische Gestalt ist von so vielen politischen Gruppierungen für ihre Zwecke benutzt worden.“

Für Neonazis ein echter Schwede

Jedes Jahr am 30. November, dem Todestag Karl XII., marschieren in schwedischen Städten die Neonazis auf. Per Sandin glaubt, dies hänge teilweise damit zusammen, dass der König – zumindest nach damaligem Maßstab – dem schwedischen Archetyp entsprach: Einfach gekleidet, hart, männlich, wortkarg. Trotzdem hält Sandin die Huldigung vom äußeren rechten Rand der Gesellschaft für ein grobes Missverständnis:

„Die haben ganz klar den falschen König gewählt, das habe ich schon immer gesagt. Ich weiß nicht, wen sie hätten nehmen sollen, aber kaum Karl XII. Allein sein Aufenthalt im Osmanischen Reich und sein Interesse für die Kultur sind gute Beispiele für diese Fehlinterpretation. Er hat drei Expeditionen finanziert und wollte immer noch mehr über den Orient herausfinden.“

Kulturzentrum in Warnitza geplant

Noch mehr über Karl XII. herausfinden wollen nun auch Schweden und Moldawien gemeinsam: In der Stadt Warnitza – dem damaligen Carlopolis - soll sogar an historischem Ort eine Art Kulturzentrum errichtet werden. Weder Zeitrahmen noch Finanzierung sind derzeit geklärt. Doch Per Sandin schwebt schon heute ein architektonisches Glanzwerk mit türkisch-moldawischen und schwedischen Einflüssen vor.

Liv Heidbüchel

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