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Keine Angst vor Job-Abwanderung

Publicerat tisdag 21 februari 2006 kl 15.49

Immer mehr Arbeitsplätze verschwinden aus den westlichen Industrieländern ins Ausland – eine Entwicklung, die auch vor Schweden nicht halt macht. Allerdings ist die Angst vor einem Ausverkauf von Jobs in Niedriglohnländer stark übertrieben. So sieht man es jedenfalls beim staatlichen Institut für Wachstumsstudien, ITPS.

Ann-Christin Sandell hat bei ITPS die Entwicklung der vergangenen Jahre analysiert. “Nach meiner Überzeugung wird die Job-Auslagerung viel zu sehr hochgespielt“, meint sie, „es gibt keinen Anlass, derart besorgt zu sein. Betroffen sind ja vor allem einzelne, sehr arbeitsintensive Bereiche der Fertigungsindustrie, einfache Jobs also, die unter starker Preiskonkurrenz ausgeführt werden. In diesem Fall ist es tatsächlich besser, die Arbeit in ein kostengünstigeres Land zu verlagern.“

Wie viele Jobs in den vergangenen Jahren tatsächlich aus Schweden verschwunden sind, darüber gibt es keine exakten Angaben. Verschiedene Zahlen sind im Umlauf. So geht der Schwedische Wirtschaftsverband von einem jährlichen Verlust von 24.000 Arbeitsplätzen seit dem Jahr 2000 aus – eine stattliche Zahl für ein Land mit neun Millionen Einwohnern. Laut ITPS aber unrealistisch. Das Institut hat jetzt seine eigene Statistik veröffentlicht und sich dabei an den Angaben orientiert, die das Zentralamt für Arbeit zu Kündigungen herausgegeben hat. Demnach haben im vergangenen Jahr lediglich 2.000 Personen in Schweden den Bescheid erhalten, ihr Arbeitsplatz werde aufgrund von Auslandsverlagerung verschwinden. Meist würden zudem nicht alle anvisierten Kündigungen in die Praxis umgesetzt, gibt Ann-Christin Sandell zu bedenken.

Mehr und mehr Firmen umgehen inzwischen den Weg des Arbeitsplatzabbaus daheim – Neuinvestitionen tätigen sie direkt im Ausland. Aber auch das muss nicht negativ für die Jobentwicklung in Schweden sein, meint Ann-Christin Strandel. Im Gegenteil: “Wenn die Expansion im Ausland erfolgreich ist, dann kann sie mehr Arbeitsplätze in Schweden schaffen, ganz einfach, weil das Unternehmen dann besser läuft. Das kann man am Beispiel vieler schwedischer Firmen sehen. Die Auslandsexpansion hat unter anderem dazu beigetragen, auf wichtigen Märkten präsent zu sein und bessere Beziehungen zu den Kunden zu knüpfen.“

Und bei allem, so Ann-Christin Strandel, solle man eines nicht vergessen: Nach wie vor sei ein Grossteil der Mitarbeiter in schwedischen Unternehmen in den alten EU-Ländern und den USA angestellt. Der Zuwachs in Osteuropa und Asien sei zweifellos gross, aber bislang bei weitem nicht so gewaltig wie oft in den Medien dargestellt.

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