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Möbelhaus hofft auf grenzübschreitendes Geschäft im Hohen Norden

Publicerat onsdag 29 mars 2006 kl 11.43
Ikeabaustelle in Haparanda 28.3.2006

Hoch oben im schwedischen Norden, in den Weiten Lapplands, liegt Haparanda. Die 10.000-Seelen-Stadt an der Grenze zu Finnland sorgte in den vergangenen Jahren vor allem für Negativ-Schlagzeilen: mit einer Arbeitslosenquote, die weit höher ist als der Landesdurchschnitt, mit hohem Krankenstand und anderen Begleiterscheinungen des Lebens in einem Ort weit ab vom Schuss. Doch all das ist jetzt Vergangenheit. Haparanda startet durch, eine Woge des Optimismus hat die Gemeinde erfasst. Hinter dem wundersamen Wandel steht ein Zauberwort: IKEA. Der Möbelriese baut ein Warenhaus in der Stadt, die sich nun auf die neue Rolle als Metropole freut.

Große Dinge geschehen derzeit in Haparanda. Else Strålberg lebt seit langem hier, der Baulärm stört sie nicht: „Toll, dass IKEA herkommt. Die ganzen Jahre war es doch immer die gleiche Leier: Die Jungen ziehen weg, es gibt keine Arbeit hier. Eine Menge Leute gingen stempeln, saßen nur zu Hause und ließen den Kopf hängen.”  

Bei knapp 17 Prozent lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2004, mehr als dreimal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Doch jetzt geht die Zahl gegen Null. Das neue Möbelhaus soll zwar erst im Herbst nächsten Jahres eingeweiht werden, sorgt aber schon jetzt für Goldgräber-Stimmung. Firmen, Geschäfte, Hotels - alle wollen dorthin, wo IKEA ist, sagt Sirkka-Lisa Stock von der Gemeindeverwaltung: „Hier hinter unserem alten Zollhaus soll ein riesengroßes Hotel entstehen, mit einem hohen Turm obendrauf und mit 260 Zimmern. Und gleich daneben IKEA.” 

Riesenschritte
Im lange verschlafenen Haparanda läuft die Zeit jetzt mit Riesenschritten. Noch nicht mal ein Jahr ist es her, seit IKEA die freudige Bombe platzen ließ - den Beschluss, das neue Warenhaus just im tiefen schwedischen Lappland zu bauen. Seither, so Kommunalrat Sven Erik Bucht, ist nichts mehr wie es war. „Jetzt geht es los. Jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung. Dies ist das Wichtigste, was hier seit der Grenzziehung von 1809 passiert ist.”

Damals, nach dem so genannten Frieden von Fredriksberg, wurde Schweden von Russland per Grenzwall entlang dem mächtigen Torne- und Muonioälv getrennt. Heute soll der Möbelriese zusammenführen, was zusammengehört: eine shopping-freudige Bevölkerung aus dem gesamten hoch-nördlichen Europa. Mit einer Million Kunden im geografischen Einzugsbereich liebäugelt IKEA. Im Schlepptau des Einrichtungskonzerns kommen weitere Goldgräber: auf beiden Seiten der schwedisch-finnischen Grenze entstehen derzeit Shoppingcenter, Hotels, Jugendherbergen und Campingplätze.

Andere profitieren ebenfalls 
Niemand will den großen Aufschwung verpassen. Auch nicht die ortsansässigen Unternehmer. Familie Kouljoniemi betreibt in der dritten Generation ein Elektrogeschäft. Pontus Kouljaniemi hat den Laden jetzt um die doppelte Fläche ausgebaut: „Wir gehen davon aus, dass unser Umsatz steigen wird. Bald werden ja eine Menge Leute herkommen, Kunden, die Dinge früher vielleicht per Katalog oder Internet bestellt haben”, hofft der Händler.

Schon jetzt ist es voller geworden auf den Straßen. Der Wohnungsmarkt hat ungewohnte Hitzegrade erreicht; Einfamilienhäuser sind kaum mehr zu haben, die Preise sind seit vergangenem Sommer um ein Viertel gestiegen.

Juani und Marja-Lena Toppola wollen die Gunst der Stunde nutzen und ihr Haus zu möglichst gutem Preis verkaufen. Ganz in der Nähe entstehen nun drei große Mietshäuser - dort hoffen sie auf eine Wohnung. „Das ist ein großer Schritt für uns”, sagt Marja-Lena Toppola, wir sind nicht mehr die Jüngsten, ein Haus macht viel Arbeit, eine Wohnung ist besser für uns.” 

Und wo kommen die neuen Jobs her? Ikea allein wird 100 Mitarbeiter anstellen, darüber hinaus rechnet die Gemeinde vor allem im Handel und im Servicebereich für die kommenden drei Jahre mit 1500 neuen Arbeitsplätzen - nicht schlecht für eine Stadt mit 10.000 Einwohnern.

Schulung von Arbeitssuchenden 
Das Arbeitsamt in Haparanda schult die Arbeitssuchenden jetzt vor allem in Sachen Handel und Verkauf. Ingrid Ekelund besucht regelmäßig einen der angebotenen Kurse: „Man fühlt sich wie eine Art Pionier. Wir dürfen dabei sein und ein ganz neues Haparanda aufbauen”, sagt sie. Auch Pia Tepani ist zuversichtlich: „Zunächst mal werden eine Menge Touristen herkommen, und das verschafft uns Jobs.”

Victoria Engström, hofft, dass sich Haparanda im Zuge des Aufschwungs auch des viel verbreiteten Vorurteils entledigen kann, wonach sich hier lediglich Elch und Ren gute Nacht sagen und ansonsten kaum etwas läuft.  „Die Leute denken, es ist hier ständig eiskalt, 30 Grad minus on früh bis spät und Schneeberge so weit man schaut. So ist es nicht. Hier ist viel mehr los als man sich woanders vorstellt. Und Rentiere laufen schon gar nicht auf der Straße herum.”

Jedenfalls nicht ständig. Aber das eine oder andere Rentier zeigt sich dennoch dem Besucher, so er Glück hat. IKEA und Aufschwung hin oder her, das Exotische an Haparanda bleibt. Gewiss nicht zum Nachteil einer aufstrebenden Tourismus-Industrie.

Anne Rentzsch

29.3.2006

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