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Boulevard-Presse erschwert Verurteilung von mutmasslichem Vergewaltiger

Publicerat fredag 31 mars 2006 kl 15.52
Hätte es nicht bei dem Bild bleiben können?

Die Verhaftung eines mutmasslichen mehrfachen Vergewaltigers in Umeå wirft Zweifel an den Methoden von Presse und Polizei auf: Kaum war der 33-Jährige festgenommen, tischten Boulevardpresse und verschiedene Fernsehsender etliche Details über den vermeintlichen Verbrecher auf. Das Revolverblatt „Expressen“ machte sogar kurz nach der Verhaftung den Namen des Mannes publik, und das obwohl der mutmassliche Vergewaltiger erst heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. Die Polizei befürchtet bereits Probleme bei einer kommenden Gegenüberstellung, über die Informanten in den eigenen Reihen schweigt man sich aus

Sein bisheriger Name: „Haga-Mann” – denn der Täter überfiel und vergewaltigte seine Opfer im Stadtteil Haga in Umeå. Nun ist der Mann wohl gefasst, der Umeås Bewohner und Polizei seit 1998 in Atem hielt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem mutmasslichen Täter brutale Vergewaltigung in vier Fällen sowie Mordversuch in zwei Fällen vor. Zusätzlich steht der Mann im Verdacht, vier weitere Überfälle auf Frauen verübt zu haben.

Mehr als nur der „Haga-Mann“

Für die Boulevardzeitung „Expressen“ war die Festnahme des „Haga-Mannes“ Anlass dazu, sämtliche ergatterte Einzelheiten über den mutmasslichen Vergewaltiger zu veröffentlichen – mit Bild und Namen. Unverantwortlich, sagen Kritiker, darunter der ehemalige Presseombudsman Pär-Arne Jigenius:

„Die Veröffentlichung trifft ja nicht nur den Verdächtigen, sondern auch seine Kinder und Angehörigen. In der Schuldfrage darf die Presse keine vorgefertigte Meinung haben und sie darf keinen Verdächtigen als definitiv schuldig verurteilen. Aber das ist hier eindeutig der Fall.“

Der Herausgeber von „Expressen“, Otto Sjöberg, wäscht seine Hände in Unschuld:

„Unsere wichtigste Aufgabe ist es zu berichten. Die Festnahme des „Haga-Mannes“ ist eine Nachricht von grossem allgemeinem Interesse. Ich bewerte unsere Veröffentlichung nicht als eine Erschwernis für die Ermittlungen.“

DNA-Spuren reichen nicht

Bei seinem publizistischen Beschluss stützt sich Herausgeber Sjöberg - wie übrigens auch private Fernsehsender - vor allem auf die Beweiskraft der DNA-Spuren, die zur Überführung des mutmasslichen Täters führten. Fakt ist jedoch, dass nur die DNA allein nicht ausreicht, um einen Verbrecher zu verurteilen. Deshalb hat die Polizei schon eine Hausdurchsuchung durchgeführt und ist fieberhaft auf der Suche nach weiteren Beweisen, die den Verdächtigen an seine Taten binden könnten.

Im Normalfall wäre eine Gegenüberstellung und damit die Identifizierung des Mannes nötig und sinnvoll gewesen. Diese Möglichkeit ist jedoch laut stellvertretendem Polizeipräsident in Umeå, Krister Sandqvist, nun kaum noch gegeben:

„Eine Bildveröffentlichung beeinflusst natürlich die Beweiskraft einer solchen Gegenüberstellung. Diese Tatsache könnte sich sogar die Verteidigung zu Nutze machen.“

Informanten in Polizeikreisen bisher unbehelligt

Am Ende also hat „Expressen“ zwar eine Rekordauflage verkauft, könnte dafür jedoch für erschwerte Ermittlungen in dem Fall verantwortlich sein, der nach dem Mord an Ministerpräsident Palme die umfassendsten Nachforschungen vorweisen kann. Doch nicht nur das Verhalten der Boulevard-Presse erscheint diese Tage in einem negativen Licht. Auch die Polizei, die nach der Veröffentlichung von Name und Bild des Verdächtigen über mangelnde Beweislast klagt, muss sich eins fragen lassen: Wer in den eigenen Reihen verdient sich ein Zubrot durch das Verkaufen von geheimen Informationen an Vertreter der Presse? Diese Diskussion jedoch hat noch gar nicht begonnen.

Liv Heidbüchel

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