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Kriegsgeschichte

Schweden befolgte Nazi-Gesetze

Publicerat tisdag 4 april 2006 kl 14.27
Photo: Dex/Pressens Bild
Schwedischer Nazi

Schweden galt zwar offiziell als neutral im Zweiten Weltkrieg. Das hinderte das Land aber nicht daran, sich dem deutschen Nachbarn im Süden auf unterschiedliche Weise anzubiedern. Doch die antisemitischen Auswüchse in Schweden waren weitaus größer als bislang bekannt. 

Wenn Mattias Rapp über das Schicksal spricht, das seinen Eltern Mitte der 1930er Jahre in Schweden widerfahren ist, dann hat er dafür nur ein Wort: Schandfleck. Als sein deutscher Vater, ein Jude, seine Mutter heiraten wollte, lehnten die schwedischen Behörden den Antrag auf Eheschließung mit Verweis auf die deutschen Rassegesetze ab. Rapps Eltern heirateten trotzdem – in England. Nach der Rückreise nach Schweden erhielten sie eine Vorladung des Amtsgerichts Kolbäck. Mattias Rapp erzählt:

„Sie sollten sich beim Amtsgericht einfinden, um ihre Ehe zu annullieren. Doch natürlich sind sie nicht hingegangen. Die Justiz in Deutschland erkannte ihre Ehe zwar nicht an, aber laut schwedischem Kirchenbuch waren sie weiterhin verheiratet.“

Unmittelbare Auswirkungen auf Schweden 

Als die Nazis die so bezeichneten „Nürnberger Gesetze“ zum Schutz der deutschen Rasse einführten, hatte dies unmittelbare Auswirkungen auf die schwedische Rechtsprechung. Zu diesem Ergebnis gelangt nun eine Studie des Zentrums für Theologie und Religionswissenschaft an der Universität Lund. Auch andere Forscher, wie der Stockholmer Historiker Klas Åmark, haben sich eingehend mit dem Verhalten schwedischer Behörden während der Nazi-Zeit befasst:

„Man musste sich zunächst um das Aufgebot und den Geistlichen kümmern. Der fragte wiederum beim Außenministerium an, welche Gesetze gelten. Und da hieß es meist, man habe die deutschen Gesetze zu befolgen. Das führte dazu, dass Deutsche, die in Schweden heiraten wollten, einen so genannten Ariernachweis zu erbringen hatten. Sie durften also keine jüdischen Vorfahren haben.“

Ungetrübte Beziehungen 

Dass die Eltern von Mattias Rapp am Ende zumindest nach schwedischem Recht als Eheleute gelten durften, hatte vor allem mit dem Wohlwollen ihres Gemeindevorstehers zu tun. Oft genug aber handelten Schwedens Staatsbedienstete im Sinne des deutschen Rassenwahns. Zwar stand nirgendwo eindeutig geschrieben, dass die deutschen Gesetze gleichsam auf das schwedische Rechtssystem anzuwenden seien. Dennoch glänzten etliche Behördenvertreter mit vorauseilendem Gehorsam. Schließlich wollte Schweden nicht seine guten Beziehungen zu Nazi-Deutschland trüben. Dazu Historiker Åmark:

„Wenn man Schwedens Verhalten während der Nazi-Zeit betrachtet, erhält man die gesamte Skala – von Anpassung bis Widerstand. Ein Land, das sich offiziell neutral nennt und von Kriegshandlungen Abstand nimmt, hätte moralisch stark sein müssen. Das gilt nicht zuletzt in Flüchtlingsfragen. Aber diese Erkenntnis hat sich in Schweden nicht durchgesetzt.“

Einmal mehr wird Schweden mit seinem unrühmlichen Verhalten während der Nazi-Zeit konfrontiert. Am Gesamteindruck des Volkes, man habe sich moralisch nichts vorzuwerfen, werden freilich auch die aktuellen Forschungsergebnisse wenig ändern.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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