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1905 in Stockholm - Ein Laden nur für Frauen

Publicerat tisdag 11 april 2006 kl 11.23

Am 8. November 1905 wurde unter großem Tumult am Stureplan in der Stockholmer City ein kleines Lebensmittelgeschäft eröffnet. Frauen waren die Besitzer, und nur Frauen durften in dem Laden einkaufen. Revolutionär zu einer Zeit, da die Schwedinnen noch kein Stimmrecht hatten - und gemeinhin auch kein eigenes Geld. Dem erbitterten Widerstand der übrigen - männlichen - Stockholmer Händler zum Trotz entwickelte sich die Kooperative „Svenska Hem” zu einer echten Erfolgsstory und zum Vorläufer der heute landesweit präsenten Konsum-Kette. Das Stockholmer Stadtmuseum greift jetzt die Geschichte der findigen Damen in einer Ausstellung auf – Radio Schweden hat sie besucht.

Ein Schritt nur, - schon taucht man ein in die Zeit um die vorige Jahrhundertwende. Eine lebensgroße Dame in eleganter schwarzer Ausgeh-Kluft empfängt den Besucher am Eingang des halbdunklen, an die 50 Quadratmeter großen Raumes, der die Jahre zwischen 1905 und 1914 wieder auferstehen lässt - mit Fotos, Zeitungsartikeln und Schmeckerchen für das Sammlerherz wie Original-Konserven von anno dazumal.

Der Gründung der Kooperative war eine Reihe von Skandalen wie jener vorausgegangen, von dem ein Artikel aus „Dagens Nyheter” berichtet, hier im Faksimile zu sehen. Der lange Arm des Gesetzes, so heißt es, greift jetzt nach einer gewissen Frau Jansson. Frau Jansson hat nämlich verpanschte Milch verkauft. Schändlich, aber keineswegs ungewöhnlich für die damalige Zeit, sagt Eva Kaijser, Koautorin des Buches über „Svenska Hem”, das der Ausstellung zu Grunde liegt: „Vor hundert Jahren waren die Lebensmittel in Schweden oft von mieser Qualität. Wenn eine Haushälterin Milch kaufen ging, wurde ihr stets aufgetragen, sie solle die Milch zu Hause erst mal in eine Glaskanne gießen und mindestens eine Stunde stehen lassen, um zu sehen, ob sich am Boden Schmutz absetzt.”

Entschlossene Gründerin

Dieses Zustands höchst überdrüssig war Anna Whitlock. Auf einem Foto ist eine Frau mit rundem, offenem Gesicht zu sehen, das kurze Haar umso strenger zurückgekämmt. Gemeinsam mit der Tochter im Vorschulalter lächelt sie in die Kamera -freundliche Entschlossenheit strahlt sie aus, die spätere Gründerin von „Svenska Hem”.

  1. „Anna Whitlock leitete eine Schule in Stockholm”, erzählt Eva Kaijser, und eine ganze Reihe ihrer Schüler waren an Krankheiten wie Durchfall und Cholera gestorben. Ihr lag viel an ordentlichen Lebensmitteln. Gleichzeitig engagierte sie sich stark für das Frauen-Stimmrecht. Sie reiste also nach England, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Sie holte sich politischen Rat bei den englischen Frauenrechtlerinnen, den Suffragetten, und sie traf Vertreter von Handelskooperativen, die ja damals in ganz Europa auf dem Vormarsch waren.”  

Männliche Dominanz

Ein Geschäft von Frauen für Frauen, mit Lebensmitten und Haushaltswaren guter Qualität zum vernünftigen Preis. Vor uns breitet sich ein nachgestellter Ladentisch aus, mit verschiedensten Seifensorten, mit Konserven und Döschen, Trockenobst und Gesundheits-Pushern wie Haselnüssen, zu umgerechnet fünf Cent übrigens pro Liter, und Walnüssen, 10 Cent pro Kilo. Nicht gerade umstürzlerisch, sollte man meinen - doch die männlichen Händler sahen das anders.

Boykottaufrufe

Der Händlerverband mahnte die schwedischen Zulieferer zum Totalboykott, der prompt funktionierte.  ”Die Frauen waren also gezwungen, andere Wege zu finden.”, berichtet Eva Kaijser. „Ein Großhändler in Norrköping sprang ein, er scherte sich nicht um den Boykott. Man verhandelte mit Bauernhöfen überall in Schweden. Man reiste nach Malmö - aber Pustekuchen, der Boykott galt auch dort und wie sich zeigte, sogar im Ausland. In Hamburg gingen die Frauen leer aus und in Amsterdam ebenfalls.

Aber in Rotterdam und London wurden sie mit Hilfe dortiger Kooperativen fündig. In London kauften sie zum Beispiel Tee, Marmelade und Plätzchen. In der Schweiz dann Käse, in Italien Olivenöl. All das lief aber nur über Direktimport.”  Und zwar bestens. Das Sortiment wuchs auf 4000 unterschiedliche Produkte, die Zahl der Läden auf fünf, das Angebot an Diensten auf Hausgerät-Verleih, Lieferungen frei Haus, Haushaltskurse und die Vorstellung technischer Innovationen.

Weltkrieg beendet Erfolgsstory

Unter anderem mit Gehalt nach Berufserfahrung und garantiertem Krankengeldanspruch für die Verkäuferinnen setzten die Frauen auch soziale Maßstäbe. 1916 wurde dann das letzte Kapitel der Erfolgsstory geschrieben. Der Erste Weltkrieg setzte der Kooperative ökonomisch mächtig zu - nach langem Ringen tat man sich mit der weitaus mitgliederschwächeren „Konsumentenvereinigung Stockholm”, dem Vorläufer des heutigen Konsum zusammen. Die bösen Ahnungen von „SvenskaHem”-Gründerin Anna Whitlock wurden wahr: Nach ein paar Jahren stand keinem Geschäft mehr eine Frau vor.

Die gewohnte Ordnung war somit also wieder hergestellt. Ein in Vergessenheit geratenes Kapitel erfolgreichen weiblichen Unternehmertums illustriert die Ausstellung „Svenska Hem” im Stockholmer Stadtmuseum, zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 7.5.2006.

Anne Rentzsch

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