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Antisemitismus zeigt neues Gesicht

Publicerat tisdag 11 april 2006 kl 13.15

Seit einiger Zeit gehört Antisemitismus zum Alltag für viele Juden in Schweden. Mittlerweile beschränkt er sich nicht mehr nur auf verbale Attacken, auch physische Gewalt gegen Juden und jüdische Einrichtungen sind keine Seltenheit mehr. Und: Der neue Antisemitismus kommt nicht mehr allein von rechtsradikaler Seite, sagt Lisa Abramowicz, Chefin der schwedischen Israel-Information:

„Der Antisemitismus in Schweden hat sich verschoben von Rechtsextremen zu Linksextremen und Muslimen. Der muslimische Antisemitismus ist in letzter Zeit angestiegen.”

Das Büro der Israel-Information in der Stockholmer Innenstadt ist leicht zu übersehen. Kein Klingelschild, kein Name an der Tür. Unauffälligkeit als Schutz, hofft Lisa Abramovicz. Briefe ohne Absender wandern prinzipiell in den Müll. Und auch im Telefonbuch sucht man ihren Namen vergeblich. Aber Angst um sich selbst habe sie nicht, nur um ihre Familie. Genauso wie Lena Posner-Körösi. Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Schweden und Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Stockholm, spricht sogar von einer Radikalisierung des Antisemitismus von muslimischer und linksextremistischer Seite: „Nicht alle, natürlich nicht. Das kann man überhaupt nicht sagen. Aber es gibt so radikale Gruppen, die auch Juden töten wollen und das sagen. Wir kriegen Drohanrufe, Briefe, und auch auf der Strasse erleben wir Antisemitismus. Das passiert nicht nur in Stockholm. Wir sehen das auch in Göteborg und in Malmö. Und in Malmö ist es noch schlimmer. Denn 25 Prozent aller Einwohner in Malmö sind Muslime.”

Aufruf zum Heiligen Krieg

Ende November vergangenen Jahres veröffentlichte der Schwedische Rundfunk Tonbandkassetten, die im Buchladen der Grossen Moschee von Stockholm ganz legal verkauft wurden. Inhalt der Bänder: Aufrufe zum Heiligen Krieg gegen die Juden. Die daraufhin eingeleiteten Untersuchungen wegen Volksverhetzung wurden Anfang Februar eingestellt. Kein Einzelfall, sondern die Regel, meint Lisa Abramowicz: „Ob es sich dabei nun um Radio Islam handelt oder Kassetten in der großen Moschee - Antisemitismus kommt systematisch vor. Wir zeigen das an, und die Anzeigen werden zu den Akten gelegt! Untersuchungen werden nicht weiter verfolgt, sondern eingestellt. Von den  Behörden bis zum Justizkanzler - wir fühlen uns ziemlich alleingelassen.”

Wie im Frühling 2002, als es ausgerechnet auf Demonstrationen für mehr Toleranz zu regelrechten Ausschreitungen kam. Lisa Abramowicz erinnert sich mit Schaudern: „Auf den Demonstrationen im Frühling 2002, wohlgemerkt gegen ‚Antisemitismus’ und ‚Islamophobie’, wurden Juden angegriffen und geschlagen, sehr unbehaglich, richtige Pogromstimmung war das. Die Polizei hat nicht eingegriffen oder kam ziemlich zu spät.”

Mangelnde Integration 

Was klingt wie Pogrome in Zeiten der Judenverfolgung, ist inzwischen schwedischer Alltag. Dabei wird vor allem die mangelnde Integration vieler der 400.000 Muslime zum Boomerang für Schwedens 20.000 Juden. Eine weitere Ursache dieser neuen Antisemitismuswelle vermutet Abramowicz in der diffusen Vermischung von Kritik an Israels Politik einerseits und Vorbehalten gegen Schwedens Juden andererseits: ”Die Situation im Nahen Osten ist natürlich ein Anlass, aber ich glaube, sie ist eher ein Vorwand, um antisemitische Gefühle zu zeigen.”

Antisemitismus galt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Schweden lange als nicht politisch korrekt. Dies habe sich nun geändert, konstatiert Abramowicz: „Einstellungen gegenüber Juden, die vor 50 Jahren noch völlig unakzeptabel erschienen, sind heute salonfähiger geworden”.

Israelkritische Haltung

Seit Olof Palmes eindeutiger Parteinahme für die Palästinenser gehört Kritik am Staat Israel in Schweden zum guten Ton. Kaum ein Schwede hinterfragt alte antisemitische Schablonen. Im Vergleich zu Deutschland schneidet Schweden deshalb in den Augen der Jüdischen Zentralratsvorsitzenden Lena Posner-Körösi ziemlich schlecht ab: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, das wirklich etwas getan hat, das wirklich alles verstanden hat. Das glaube ich. Mein Vater ist von dort, ich habe Verwandte in Deutschland. Und ich finde, Deutschland ist wirklich, wirklich viel besser für die Juden.”

Für die Zukunft setzt Posner-Körösi auf Dialog. Mit Vertretern der Muslime, mit der schwedischen Regierung: „Ich bin trotzdem optimistisch. Ich glaube, es wird besser sein. Aber vielleicht noch nicht in dieser Generation. Es muss besser sein für alle. Wenn es gut für alle Leute ist, ist es auch gut für die Juden und wenn es gut für die Juden ist, ist es auch gut für alle anderen. Antisemitismus, Rassismus und Xenophobie sind natürlich auch Probleme für die ganze Gesellschaft, nicht nur für einzelne Gruppen wie Homosexuelle, Immigranten oder Juden.”

Lisa Abramowicz hingegen hält nichts für ausgeschlossen. Noch seien es in erster Linie die älteren Gemeindemitglieder, vor allem die Holocaust-Überlebenden, die mehr Angst als früher haben. Auswanderung sei aber derzeit nur für Einzelne ein Thema: ”Im Moment sehe ich keine Massenflucht, aber man weiß nicht, was noch kommt, es ist schon ein komisches Gefühl, sich nicht sicher zu fühlen in dem Land, in dem man lebt, keine Massenflucht also, aber Unruhe.”

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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