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Vaterzeit ist ganz normal

Publicerat onsdag 19 april 2006 kl 15.16

Soll der Staat Familien vorschreiben, wer von beiden Eltern die Kinder erzieht? Über diese Frage tobt in Deutschland in diesen Tagen ein erbitterter Streit. Denn Familienministerin von der Leyen will die Zahlung des geplanten Elterngeldes davon abhängig machen, dass auch Väter zwei Monate Erziehungsurlaub nehmen. In Schweden sind zwar auch zwei Monate an den Mann gebunden. Die Familien können aber selbst entscheiden, ob er sie nehmen oder verfallen lassen will.

 Ein helles Wohnzimmer in einem Holzhaus in Stockholm. Auf dem Boden sitzt Edith: blonde Haare, verrutschte Strumpfhose, eineinhalb Jahre alt. Gerade versucht sie, Holzringe auf einen Stift zu stapeln. Ihr Vater bereitet unterdessen in der Küche das Mittagessen vor: Spagetti Bolognese. Seit Mitte Dezember ist der 35-Jährige mit seinen beiden Töchtern Edith und Agnes zu Hause. Eine Entscheidung, die Mats Hallman nicht schwer gefallen ist: 
”Ich habe gemerkt, dass ich zu wenig Zeit mit meinen Kindern verbracht  habe, als ich noch gearbeitet habe. Ich ging, bevor sie aufgewacht sind. Und wenn ich nach Hause kam, waren sie schon wieder auf dem Weg ins Bett. Jetzt habe ich einen viel besseren Kontakt mit meinen Kindern. Inzwischen ist es ganz selbstverständlich, dass sie sich an mich wenden, wenn sie Hilfe brauchen und nicht nur an ihre Mutter.”
Bis August ist der schlanke Schwede mit dem grauen Dreitagebart von seiner Arbeit freigestellt. 80 Prozent seines Gehalts erhält er in dieser Zeit pro Monat vom Staat, bis zu einer Obergrenze, die derzeit bei 2400 Euro liegt. Weil sein Gehalt darüber liegt, legt sein Arbeitgeber sogar noch etwas drauf. Ab dem 1. Juli soll die Obergrenze dann auf 3500 Euro angehobern werden, plant die sozialdemokratische Regierung. Auch ein Kindergartenplatz für die 3-Jährige Agnes gehört zum Angebot – bis zu sechs Stunden täglich. Seine Frau geht unterdessen arbeiten. Für die Beziehung hat das nur Vorteile, meint Hallman:

„Die Statistik in Schweden zeigt, dass Scheidungen in der Gruppe, in der beide Eltern Elternzeit nehmen, geringer ist. Ich glaube, das hat mit dem besseren Verständnis füreinander zu tun. Kinder zu betreuen, das ist ein harter Job. Da gibt es gute und schlechte Tage. Und wenn man dann mal sauer und müde ist am Abend, dann sagt der andere vielleicht: Hattest Du einen schlechten Tag? Das kann ich gut verstehen.” 
Statt Kalkulationen und Strategiesitzungen bestimmen derzeit Windeln und die richtige Portion Sosse auf den Nudeln den Alltag von Mats Hallman. Morgens bringt er die Dreijährige in den Kindergarten, dann schläft die Kleine zu Hause. Nach dem Mittagessen geht es raus auf den Spielplatz. Dann wieder zum Kindergarten, die Grosse abholen. Viel Zeit für eigene Projekte bleibt da nicht. Doch das ist kein Problem für den Werbefachmann. Die Selbstverwirklichung im Beruf hat er bereits hinreichend genossen. Als er in der Agentur - einem mittelgrossen Unternehmen - seine Vaterzeit ankündigte, erregte dies kein besonderes Aufsehen:
„Viele meiner Kollegen haben ihre Elternzeit bereits genommen. Das war nichts Ungewöhnliches. Mein Chef hat selber vier Kinder. Er selbst hat zwar keine Elternzeit genommen, aber er hatte viel Verständnis für meine Situation. Wir wollen immer gerne glauben, dass wir unersetzbar sind. Aber leider stimmt das nicht. Da gilt es, rechtzeitig im Voraus zu planen. Das ist alles.”

Zwei der maximal 15 Monate schwedischer Elternzeit hat die sozialdemokratische Regierung den Vätern reserviert. Das soll die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann bei der Erziehungsarbeit fördern. Böse Zungen behaupten zwar, dass sich Männer für ihre Kinder vor allem in den Monaten freinehmen, wenn die Elchjagd ansteht oder grosse Sportereignisse. Mats Hallman winkt lächelnd ab: Bei den Olympischen Winterspielen habe er die meisten Wettbewerbe verpasst: Sie seien einfach nicht auf die Schlaf- und Wachzeiten seiner Töchter abgestimmt gewesen.

19,5 Prozent der Elternzeit wurde im vergangenen Jahr in Schweden von Männern genommen, Tendenz steigend. Der Löwenanteil liegt also immer noch bei den Frauen. Vor allem, weil sie in der Regel weniger verdienen. Um wirkliche Gleichberechtigung zu erzielen, müsste der Staat hier noch mehr finanzielle Anreize schaffen, meint Mats Hallman:

”Die wirtschaftliche Situation ist immer entscheidend. Besonders, wenn man mitten in der Karriere ist. Am Ende geht es allerdings darum, sich die Frage zu beantworten: Wer war ich für meine Kinder? Und da kann man sich schon jetzt fragen: Wer will ich später für meine Kinder gewesen sein? ”

Für die kleine Edith ist die Antwort auf diese Frage derzeit glasklar: Pappa ist für mich da. Unerbittlich verfolgt sie ihren Vater auf Schritt und Tritt. Besonders gern surft sie mit ihm im Internet. Der Laptop steht in der Küche gegenüber dem Herd auf einem Regal. Mats Hallman hat eine Seite für Kinder im Internet angeklickt und zeigt seiner Tochter verschiedene Bilderbuchfiguren. Die eineinhalbjährige Edith sitzt auf seinem Arm und zeigt begeistert auf die bunten Strichmännchen. Ob sie sich je wieder an ihre Mutter gewöhnen wird?

Elternzeit in Schweden – so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Und eine weitere Verbesserung der Lage soll es ab Juli geben: Die schwedische Regierung plant, die Einkommensobergrenze für die Berechnung des Elterngeldes auf knapp 3500 Euro brutto anzuheben. In Deutschland soll es ab 1. Januar 2007 rund 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens geben, ein Jahr lang und bis zu einer Einkommens-Obergrenze von maximal 1800 Euro – allerdings nur, wenn der Vater zwei der 12 Monate nimmt. Wir werden sehen, wie der Streit ausgeht.

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