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„Gestohlene Kindheit” klagt vor Gericht

Publicerat tisdag 25 april 2006 kl 16.10

Berichte über Misshandlungen in Kinderheimen kratzen seit Monaten am Selbstbild der kinderfreundlichen Schweden. Nun haben 30 ehemalige Kinderheimbewohner mehrere Kommunen im Raum Stockholm auf Schadenersatz für die von ihnen erfahrenen Leiden verklagt. Doch Rechtsexperten bezweifeln, dass die Klage den gewünschten Erfolg bringt.

Es ist ein weiteres Kapitel aus der finsteren Geschichte schwedischer Kinderheime. Am Montag reichte Peter Lindborg, Vorsitzender des Vereins „Stulen Barndom“ – „Gestohlene Kindheit“ – seine insgesamt 32 Klageschriften bei der Justizbehörde ein Was bislang nur für Historiker oder Soziologen interessant war, wird nun also auch ein Fall für die Justiz:

„Wir fordern 100.000 Euro pro Jahr pro Person für das Leiden, das wir in diesen Gefängnissen erfahren mussten.“

Umfassende Misshandlungen

In diesen Gefängnissen haben zwischen 1950 und 1980 rund 100.000 Kinder ihr Dasein gefristet. Lange galten Schwedens Kinderheime als vorbildlich, doch seit geraumer Zeit häufen sich die Berichte über regelmässige und umfassende Misshandlungen. Torbjörn Thornström ist eines der ehemaligen Heimkinder, das mit Schrecken auf die damalige Zeit zurückblickt:

„Ich war sexuellem Missbrauch ausgesetzt, litt unter psychischen Druck. Man hat mich geradezu als Arbeitskraft genutzt. Vielen ging es so. Viele haben danach keine Ausbildung machen können oder mussten krankgeschrieben werden. Wenn man dabei allein die Einkommensausfälle bedenkt, ist die geforderte Schadenersatzsumme wohl nicht zu hoch gegriffen.“

Rechtsexperten skeptisch 

Torbjörn Thornström hat sich wie 31 andere ehemalige Heimkinder nun der Sammelklage des Vereins „Gestohlene Kindheit“ angeschlossen. Doch Rechtsexperten wie Dennis Töllberg sind skeptisch, ob die Gerichte den Schadenersatzforderungen im angestrebten Umfang zustimmen werden:

„Das ist mit dem schwedischen Recht nicht zu vereinbaren. Bei Vergewaltigungen bekommt man allenfalls 20.000 Euro. Oder nehmen Sie Opfer von Diskotheksbränden. Die erhalten sogar weitaus weniger. Die aktuellen Forderungen passen vielleicht auf das US-System, aber nicht auf unseres.“

Nun sind zunächst die Justizbehörden am Zug. Und alles deutet auf langwierige Verfahren hin. Denn: Wie soll man nach Jahrzehnten eine Kindesmisshandlung zweifelsfrei nachweisen? Gleichwohl sehen die ehemaligen Heimbewohner die eingereichte Sammelklage als Etappensieg. Ihr Schicksal ist nun ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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