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"Valstuga" - eine Institution der schwedischen Demokratie

Publicerat onsdag 13 september 2006 kl 13.54

In der Hoch-Zeit des schwedischen Wahlkampfes spielen die so genannten „Valstugor“ eine wichtige Rolle: Es sind kleine Holzhütten, die von den verschiedenen Parteien an zentralen Plätzen der schwedische Städte und Dörfer aufgestellt werden, um mit Broschüren und persönlichen Gesprächen die Bevölkerung über das jeweilige Parteiprogramm zu informieren.

In Stockholms Innenstadt, rund um den Sergelstorg steht ein kleines Holzhaus neben dem anderen - es sieht aus wie eine Verkaufsausstellung für Stugor - wie die kleinen schwedischen Sommerhäuser genannt werden.

Doch mit Ferien hat das nichts zu tun - hier wird Wahlkampf geführt. Die kleinen Holzhäuser sind so genannte „Valstugor“, wo sich die Bevölkerung über die Programme der Parteien informieren kann - eine schwedische Besonderheit, die so in Europa nirgends vorkommt.

Broschüren verteilen 

Passend zum Schwerpunkt ihres politischen Programms ist die Valstuga der „Miljöpartiet”, Schwedens „Grüner Partei”, in einem frischen Grün gestrichen. Cecilia Obermüller steht davor und beantwortet geduldig die Fragen einer 15jährigen Schülerin und verteilt Broschüren an interessierte Passanten. Die Stockholmer Gemeinderätin der Umweltpartei erklärt die Funktion ihrer Wahlhütte: „Die Leute wissen, dass man hierher kommen kann, Fragen stellen und Material sammeln kann. Hier trifft man die Parteien in den letzten Wochen vor den Wahlen. Die Wähler holen sich Informationen. Vielleicht haben sie Fragen aus der Schule oder von ihrem Arbeitsplatz mitgebracht, dann können sie die hier klären.”

Die Valstuga der konservativen  „Moderata Samligspartiet” 50 Meter weiter, ist ganz offen gebaut. Annette Lundquist Larsson, die verantwortliche Ansprechpartnerin der Valstuga erklärt das Konzept: „Wir wollen die Wähler einladen hereinzukommen und sich mit Hilfe von Broschüren über die Wahlpolitik unserer Partei und unser 4-Parteien Bündnis „Allianz für Schweden” zu informieren. Es stehen auch unsere Kandidaten aus dem Reichstag und den Kommunen für die Fragen der Leute zur Verfügung. Die Valstuga ist ein Informationsservice für die Wahlen am 17. September.”

Effektive Idee

Auch Håkan Welin von der liberalen Folkpartiet, der vor seinem orangefarbenden Wahlhäuschen Handzettel an die Vorübergehenden verteilt, hält die schwedische Einrichtung der Valstugor für eine sehr gute und effektive Idee: „Leute sehen uns, sie können uns treffen. Sie diskutieren und fragen: was meinen Sie damit? Und dann können wir mehr informieren, direkt auf die Fragen eingehen. Das ist direkte Kommunikation.”

Und was sagt die Bevölkerung zu den Valstugor?
Hierzu die 35jährige Clara: „Sehr gute Sache. Wenn die Leute mehr wissen wollen, können sie hier herkommen und diskutieren.”

Auch der 25 Jahre alte Sebastian findet die Idee gut: „Die Ansichten der Parteien werden hier deutlicher, als wenn man sie von den Politikern im Fernsehen hört. Die Politiker kommen dem Volk näher.”

Die 17jährigen Gymnasiastinnen Anna und Tove, die zwar noch nicht mitwählen, aber Informationen für die Schule über die Christdemokratische Partei sammeln:  „Hier können wir viele Fakten in Erfahrung bringen. Das ist viel besser, als im Internet zu recherchieren. Man kann mit den verschiedenen Partei- Repräsentanten reden. Die Antworten sind konkreter und es ist leichter zu verstehen.”

Politik näher am Volk

Politik näher am Volk und verständlicher gestalten heisst also das Motto der „Valstugor“. In Schweden gelten sie als Symbol von Demokratie, weil die Wähler direkt mit den Politikern kommunizieren können. Sie entstanden in 50er Jahren aus Mangel an Wahllokalen in den neu erbauten Vororten und sind dann nach und nach zur festen Institution im schwedischen Wahlkampf geworden. Welche Bedeutung sie wirklich für die Wahlergebnisse haben, ist nie nachgewiesen worden.

Doch die Parteien sind sich einig, dass diese Art der intensiven Kampagne die Wahl beeinflussen kann. Hierzu noch einmal Cecilia Obermüller von den Grünen: „Viele Wähler entscheiden sich recht spät (und vor allem viele von unseren Wählern) - oft in den letzten zwei Wochen. Viele kommen dann hierher, machen sich schlau, wollen wissen wie wir zu bestimmten Fragen stehen.”

Håkan Welin von der liberalen Folkpartiet: „Es sind ca. 17-20 Prozent, die sich noch nicht festgelegt haben. Das hier ist unsere Chance!”

Die Anzahl der Wahlhütten ist von Partei zu Partei unterschiedlich - je nachdem, wie viel Personal und finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. In Stockholm liegen die Sozialdemokraten mit 39 „Valstugor“ an der Spitze. Die Grünen dagegen haben hier nur fünf zu bieten.

Nach den Wahlen ist dann Schnäppchenzeit in Schweden: Ausverkauf der „Valstugor“. Mussten die Parteien beim Neukauf pro Stuga umgerechnet ca. 2000 Euro auf den Tisch blättern, so können Privatpersonen sie nun häufig für die Hälfte erstehen.Dann wird aus der parteipolitischen Propagandastätte ein idyllisches Gästehäuschen, ein Geräteschuppen oder eine Werkstatt. Neun Quadratmeter - so die Grösse der Valstugor - ist ohne Genehmigung als privates Gartenhaus gerade erlaubt.

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