Andrea Hofman (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Andrea Hofman zu Besuch im Stockholmer Funkhaus (Foto: Hansjörg Kissel / Radio Schweden)
Radio Schweden Interview

Schwedische Märchen, auch auf Deutsch

8:20 min

Das Märchenerzähler-Festival von Ljungby in Småland bietet in diesem Jahr auch Programmpunkte auf Deutsch an.

Ab Freitag dreht sich in der südschwedischen Kleinstadt alles um Trolle, Feen und Zwerge. An vier Tagen stellt das Sagenmuseum von Ljungby Workshops, Musikbeiträge, Kinderprogramme und natürlich Märchenstunden auf die Beine. Mit dabei ist diesmal auch die Schweizer Märchenerzählerin Andrea Hofman.

Radio Schweden: Wie kommt eigentlich eine deutschsprachige Erzählerin zu einem Märchenfestival in Småland?

Andrea Hofman: Ich war in Schweden in den Ferien und sah, dass es dort ein Märchenmuseum gibt. Da musste ich sofort hin, wir haben die Route gewechselt und sind dorthin gefahren. Ich war so begeistert, denn die machen dort genau das gleiche wie wir in der Schweiz: Das alte Erzählgut wiederbeleben und die Menschen darauf aufmerksam machen, wie wunderschön dieses ist. In allen Kindergeschichten und Filmen kommen diese Märchen ja in irgendeiner Form vor.

Hat Sie das überrascht, dass es in Schweden ein Märchenmuseum gibt?

Ja, schon. Dass die Schweden genau das gleiche machen wie wir, dass sie ihre Trolle und Riesen lieben, dass jeder Stein belebt ist und all diese ganzen Geschichten. Das fand ich schon super.

In Ljungby werde ich Geschichten erzählen. Das Erzählen ist ja das lebendig machen der Geschichte. Die Märchen sind heutzutage alle aufgeschrieben. Sie vorzulesen ist aber nicht dasselbe, das wird zu trocken. Wenn man erzählt, holt man Bilder hervor. Im Idealfall sieht das Publikum nicht mehr mich, sondern nur noch die Bilder.

Sie werden auf Deutsch erzählen. In Schweden sind aber die Deutschkenntnisse nicht mehr so verbreitet wie früher. Wer in Ljungby ist denn ihr Publikum?

Das werden vor allem Touristen sein. Es wird eine Art Treffen werden: Die schwedischen Märchen treffen die Grimm-Brüder.

Schweden ist bekannt für die Kindergeschichten in der Tradition von Astrid Lindgren. Bei Märchen liest man hierzulande aber auch eher Grimm oder Hans Christian Andersen, die großen Märchenerzähler eben. Was ist denn typisch für schwedische Märchen?

Die Grimm-Märchen sind eben weltbekannt. Soweit ich weiß, gehören ihre Werke neben der Lutherbibel zu den meistverkauften der Welt. Die kennen alle. Dann aber entdecken Sammler und Erzähler in Schweden alte Manuskripte und es wird bewusst, dass nicht nur Deutschland mit den Grimm-Märchen eine Märchenkultur hat, sondern eben auch Schweden. In der Schweiz ist der Prozess ähnlich. Schneewittchen kennen alle, aber es gibt zum Beispiel auch ein Schweizer Rumpelstilzchen. Auch schwedische Hänsel und Gretel gibt es. Die sind sich ähnlich, aber nicht ganz gleich. Lokal gefärbt eben, je nach den Lebensumständen, die damals geherrscht haben.

Am 13. Juni treten Sie auf dem Märchen-Festival von Ljungby auf. Was werden Sie dort vortragen?

Ich werde zwei schwedische Geschichten aus Småland vortragen und zwei Grimm-Märchen. Die beiden schwedischen Geschichten haben lustigerweise Wurst als Hauptthema. Offenbar waren die damals sehr hungrig und wünschten sich immer Würste.

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