Fuglesang im All - Schweden im Freudentaumel

In der Nacht zum Mittwoch hat der schwedische Astronaut Christer Fuglesang seinen ersten Ausflug ins All unternommen. Während die Weltraummission in Schweden mit Begeisterung aufgenommen wird, erntet sie internationale Kritik: Der Bau der Weltraumstation ISS sei rausgeschmissenes Geld. Klaus Heilbronner:

„Ich hoffe, dass andere mir folgen und hier heraufkommen und beim Bau der Mondbasis helfen werden.“

Schwedens erster Raumfahrer, Christer Fuglesang, hat eine Botschaft zur Erde gesandt, und die Begeisterung der Nation kennt keine Grenzen. Das wird besonders verständlich, wenn man bedenkt, dass Fuglesang 14 Jahre warten musste, bevor sein Traum von der Schwerelosigkeit im All endlich wahr wurde. Für viele Schweden ist es fast so, als hätte die bemannte Raumfahrt jetzt erst richtig begonnen. Und Fuglesang stellte dann auch gleich einen Rekord auf:  Bei seinem ersten Weltraumspaziergang entfernte sich der Astronaut so weit von der Luftschleuse der Raumfähre „Discovery“ wie noch kein anderer vor ihm, nämlich 60 Meter. Bei seinen Montagearbeiten an der angedockten Raumstation ISS entglitt Fuglesang ein Teil seines elektrischen Schraubenschlüssels – herunterfallen kann ja im All nichts. Der Verlust des sicher nicht ganz billiges Werkzeuges tut der Sache wohl keinen Abbruch, denn wenn es um Kosten geht, denkt die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA in ganz anderen Kategorien:

Allein der immer wieder verzögerte Bau der International Space Station dürfte nach der Vollendung die 100-Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten, wie Kritiker glauben. Das sind umgerechnet fast 700 Milliarden Kronen - in etwa Schwedens Jahresetat. Und es ist noch längst nicht sicher, ob der nach mehreren Verzögerungen jetzt als verbindlich genannte Einweihungs-Termin 2010 auch wirklich eingehalten werden kann. Trotzdem halten viele Experten das ISS-Projekt für nützlich. Die Astronomin Marie Rådbo vom Göteborger Physik-Institut erklärt ihren Landsleuten noch einmal die wissenschaftlichen Zielsetzungen:

„Hauptzweck der Station ist festzustellen, wie der menschliche Körper über längere Zeit die Schwerelosigkeit verträgt. Anlass für diese Forschung sind vor allem die Pläne für Flüge zum Mars. Wir wissen, dass es dabei zu grossen körperlichen Belastungen kommen wird. Und vielleicht sind diese Belastungen ja so gross, dass Menschen einen Flug zum Mars und zurück nicht verkraften können.“

Bevor die Forscher mit konkreten Ergebnissen aufwarten können, werden noch Jahre vergehen. John Logsdon, Direktor der Instituts für Raumfahrtpolitik an der George-Washington-Universität, räumt denn auch ein:

„Die Raumstation erfüllt bisher nicht die erforderlichen Bedingungen für erstklassige wissenschaftliche Arbeiten. Das geplante Laboratorium ist noch nicht einsatzbereit. Andererseits wäre es kurzsichtig zu behaupten, dass das Laboratorium keinen wissenschaftlichen Wert hat, bevor die Versuche überhaut begonnen haben.“

Die Zukunft der ISS hängt auch entscheidend davon ab, wie es mit den inzwischen veralteten Raumfähren, den Space Shuttles, weitergeht. Das Shuttle-Programm hat in seinen bisher 25 Jahren zwei Katastrophen und unzählige Pannen zu verzeichnen. Der Verlust der 2003 mit ihrer Besatzung über Texas verglühten Raumfähre „Columbia“ ist nach Befürchtungen von Experten nur vorläufiger Schlusspunkt einer unheilvollen Entwicklung: Weil die NASA immer weniger Geld bekommt, wachsen die Risiken. Die 1981 als allererste Raumfähre in Betrieb genommene „Columbia“ verunglückte bei ihrem 28. Flug, weil beim Start eine Hitzeschild-Kachel von einem abgerissenen Bauteil beschädigt worden war. Auch an der linken Tragfläche der jetzt um die Erde kreisenden „Discovery“ ist eine solche Kachel schadhaft. Sie soll bei einem weiteren Weltraumspaziergang durch Beschichten mit Silikon-Paste repariert werden. Vielleicht bekommt ja Christer Fuglesang diese möglicherweise lebenswichtige Aufgabe.

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