Boomtown Haparanda - dank IKEA

Die Eröffnung eines IKEA-Möbelhauses ist nichts Besonderes mehr. Abgesehen von Moskau oder Dubai vielleicht, dann erregt man Aufmerksamkeit, weil der Möbelriese demokratische und marktwirtschaftliche Prinzipien vertritt. Aber im eigenen Land? Im eigenen Land hat IKEA nun fast einer ganzen Region einen Aufschwung verpasst: Haparanda-Tornio; die schwedisch-finnische Stadt am Ende des Bottnischen Meerbusens ist seitdem nicht mehr wiederzuerkennen.

Es ist dieses eine Wort, das seit einiger Zeit die Runde macht in der Stadt. FRAMTIDSTRO. Zukunftsglaube. Stolz ausgesprochen, vernehmbar, selbstbewusst. Haparanda ist nicht mehr nur die Stadt hoch im Norden Schwedens, die höchstens mit Ruhe und Beschaulichkeit werben kann und sonst eine der höchsten Arbeitslosenquoten Schwedens hat. Haparanda ist nun vielmehr eine Stadt, die auf dem richtigen Weg ist. Weniger Arbeitslose, weniger Krankschreibungen. 1.500 neue Jobs, erstmal. Haparanda boomt.

Daniel Julén arbeitet im Hamburger-Grill seiner Mutter: „Der Unterschied zu früher ist, dass meine Freunde alle Arbeit haben. Bevor IKEA kam, waren sie arbeitslos. Das ist schon bemerkenswert. Plötzlich haben sie keine Zeit mehr, weil sie arbeiten müssen.”

Anne Borén ist eine von derzeit 169 IKEA-Angestellten. Alles Mögliche hat sie schon gemacht: ”Im Restaurant gearbeitet, in der Fischfabrik, Telefoninterviews, Altenpflege.” Jetzt ist sie die Empfangsdame am Anfang, die man fragt, ob es besondere Angebote gibt und hofft, dass sie nach der Probezeit übernommen wird.

Schöne bunte Warenwelt
Ein paar Meter weiter in der schönen bunten Warenwelt ist die Einrichtungsabteilung des Einrichtungshauses schon mit dem Frühling beschäftigt. Sofie Lindkvist gestaltet mit ihren Kollegen eine Inspirationsecke neu. Die Einrichtungsfachfrau kommt aus der Provinz Dalarna: „In Dalarna gibt es nun mal kein IKEA. Deshalb bin ich hierhergezogen.”

Noch ein paar Schritte weiter arbeitet Valentina Asplund. Die gebürtige Russin ist eine von acht Mitarbeitern, die auch russisch sprechen. IKEA hat sich in Haparanda etabliert, weil Kunden aus vier Ländern für Umsatz sorgen sollen. Neben Schweden, Finnland, Norwegen und eben Russland. „Es gibt viele russische Kunden”, erzählt Valentina Asplund. „Vor zwei Wochen erst waren 13 Besucher aus Russland hier. Um die und deren Kinder konnte ich mich dann kümmern. Es gibt schon einen groben Bedarf an russischsprachigem Personal.”

Nie dagewesener Bauboom
Die Ansiedlung des Möbelhauses hat einen Bauboom ausgelöst, der seinesgleichen in Nordschweden sucht. Gleich nebenan, auf der anderen Straßenseite wird ein weiteres Einkaufszentrum gebaut, mit 6.000 Quadratmetern Einkaufsfläche.

Kommunalrat Sven-Erik Bucht wird geradezu euphorisch, wenn er die weitere Entwicklung der Stadt prophezeit: „Das ist gerade das Ende vom Anfang. Es wird noch viel mehr kommen. Ein Logistikzentrum zum Beispiel. Alle stehen nun Schlange und wollen ein Stück vom Kuchen ab haben. Wenn man eine der weltweit stärksten Marken in der Stadt hat, dann kommen alle anderen auch. Es ist wie mit den Fliegen, die es zum Zucker zieht.”

Anziehungskraft Haparandas

Zu den Fliegen zählen alle anderen schwedischen Marken, die es in den Städten gibt: Baumärkte, Sportläden, Supermärkte, andere Einrichtungshäuser. Wohin wird es führen, wird die Kaufkraft dafür überhaupt reichen? Wo doch in der hundert Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Luleå fast dieselben Ketten ansässig sind.

Andreas Lind von der Handelskammer Norrbotten: „Ich glaube nicht, dass die Unternehmen investieren, ohne vorher die Kaufkraft und Bevölkerungszahl untersucht zu haben. Sicher wird es Unternehmen geben, die wieder aufgeben, dafür sorgt der Markt schon. Aber es gibt eine gute Grundlage sowohl in Haparanda als in Luleå. Historisch gesehen haben wir ja in Norrbotten keine weitreichenden Einkaufstraditionen. Wir schließen nun auf zum Rest des Landes.”

Unverbrüchlicher Zukunftsglaube
Haparandas Kommunalrat Sven-Erik Bucht jedoch plant schon weiter. Waren von China nach Europa könnten über Haparanda verladen werden, mit der Eisenbahn: „Dieses Projekt entwickeln wir gerade. Die Welt verändert sich ja so schnell und eröffnet neue Möglichkeiten und wir wollen da mitspielen.”

Der Zukunftsglaube. Er scheint unerschütterlich zu sein in dieser Boomzeit in Haparanda. Gibt es denn überhaupt Negatives in der Stadt gerade? Daniel Julén, die Bedienung vom Hamburgergrill überlegt kurz: ”Es ist mehr Verkehr geworden. Aber sonst? Nichts.”

Doch, etwas ist da noch, natürlich. Die Immobilienpreise haben angezogen, Wohnraum ist knapp geworden. Doch allein drei neue Wohngebiete sind schon in der Planung.

Katja Güth

26.1.2007

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