Abgasrichtlinie stößt auf geteiltes Echo

Die schwedische Automobilbranche hat mit Ablehnung auf die von der EU beschlossenen Abgasgrenzwerte reagiert. Für die Traditionsmarken Volvo und Saab sind die EU-Richtlinien ein Schritt in die falsche Richtung. Anders sehen das offenbar Schwedens Autofahrer. Sie finden immer mehr gefallen an umweltfreundlichen Modellen.

Anders Helmersson ist einer von 11.000 Schweden, die ein biogasbetriebenes Auto fahren. Er genießt die Steuervorteile sowie den vergleichsweise preiswerten Sprit: „Das ist umweltfreundlich und billig. Pro Kilometer kostet es ungefähr zwei bis drei Cent weniger als normales Benzin. Und beim Fahren merkt man keinen Unterschied. Es macht Spaß, umweltfreundlich zu fahren, wenn es billig ist.“

Keine Kunden im hohen Norden 
Wirklich billig ist Biogas allerdings nicht für alle. Allein der Bau einer Biogaszapfsäule kostet umgerechnet mehr als 200.000 Euro. Deswegen muss der Staat alle Zapfsäulen in Schweden finanzieren – die nördlichste steht in Uppsala, 80 Kilometer von Stockholm entfernt. Doch nun sollen auch Autofahrer im äußersten Norden des Landes auf Biogas umsteigen. Dafür lässt die Regierung insgesamt 46 neue Tankstellen mit dem umweltverträglichen Kraftstoff bauen. Allerdings könnte diese gut gemeinte umweltpolitische Maβnahme schon bald ins Leere laufen. Denn Volvo, bislang der mit Abstand größte Hersteller von Biogasautos in Schweden, will seine Produktion einstellen und nur noch gewöhnliche Pkw auf den Markt bringen.

Mattias Goldman von der Vereinigung „Grüne Autofahrer“, hofft, dass Volvo seinen Beschluss überdenkt: „Noch ist nichts entschieden. Die Regierung will weitere 70 Biogastankstellen im ganzen Land finanzieren. Gleichzeitig will der größte Autobauer auf diesem Sektor seine Produktion einstellen. Vielleicht erleben wir also einen Boom oder eben doch ein Fiasko. Aber die Signale der Verbraucher stimmen uns positiv. Es gibt sogar neue Biogastankstellen im hohen Norden, weil immer mehr Autofahrer ganz bewusst auf umweltfreundliche Modelle umsteigen.“

Zukunftsmodell Ethanol? 
Ganz auf umweltfreundliche Kraftstoffe will Volvo freilich nicht verzichten. Nicht zuletzt im Hinblick auf die von der EU beschlossenen Abgasrichtlinien setzt der schwedische Autobauer auf Ethanol. Bereits heute fahren rund 50.000 Ethanolautos auf schwedischen Straßen – Tendenz steigend. Jan Åke Jonsson ist Chef von Saab Automobile: „Meiner Ansicht nach wäre der Ausbau alternativer Kraftstoffe sinnvoller. Die machen immerhin bereits 15 Prozent des Marktes aus. Setzen wir doch lieber auf diesen Sektor. Das bringt mehr als die strengen EU-Regeln.“

Das System mit den Ethanol-Pkw funktioniert allerdings noch nicht so, wie es sollte. Zwar steigen die Verkaufszahlen von Ethanolautos, jedoch kommt dies bei weitem nicht immer der Natur zugute. So häufen sich die Berichte über Autofahrer, die sich einen Ethanol-Pkw anschaffen, um sich Steuervorteile zu sichern. Gleichzeitig tanken sie aber normales Benzin. Der Gewinn für die Umwelt läuft dabei gegen null. Abhilfe könnten nun die EU-Abgasrichtlinie schaffen. Sie legen klar fest, dass ein Neuwagen von 2012 an nur noch 130 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen darf. Mit anderen Worten: Kein Auto darf dann mehr als einen halben Liter Benzin auf zehn Kilometern verbrauchen.

Eine Frage der Glaubwürdigkeit
In einem Flächenland wie Schweden, wo meist große Wagen mit hohem Kraftstoffverbrauch gefahren werden, kein leichtes Unterfangen. Entsprechend stark war der anfänglich Widerstand seitens der Autolobby gegen die EU-Pläne. Doch Rolf Johansson, Umweltchef beim Autokonzern Saab, kann den Richtlinien durchaus etwas Gutes abgewinnen: „An sich ist es richtig, gegen den Kohlendioxidausstoß vorzugehen – nicht nur in der Autoindustrie. Es ist an der Zeit, dass die EU als übergeordnetes Organ den Automobilkonzernen zeigt, wo es langgeht.“

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, international führend bei der Verringerung von Treibhausgasen zu werden. Vor allem für Schweden bedeutet das noch große Kraftanstrengungen. Bislang liegt der Kohlendioxidausstoß des Landes rund 20 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Schuld hieran ist vor allem die Automobilindustrie. Etliche schwedische Verbraucher hingegen sind schon einen Schritt weiter und scheinen zu Umstellungen bereit.

Dies dürfte ganz im Sinne der stellvertretenden EU-Kommissionsvorsitzenden Margot Wallström sein. Die mächtigste Schwedin in Brüssel verteidigte jüngst die strengen Abgasrichtlinien als notwendigen Schritt in Richtung umweltbewusste Zukunft: „Das ist ein offensiver Vorschlag der EU-Kommission. Wir müssen Maßnahmen zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes ergreifen. Sonst ist unsere Klimapolitik unglaubwürdig.“

Alexander Schmidt-Hirschfelder

2007.2.14

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Du hittar dina sparade ljud i menyn under Min lista