Forsmark-Stopp verursacht Millionenkosten

Die Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Forsmark könnten die Stromkunden teuer zu stehen kommen. Mindestens zwei Monate lang wird einer der Reaktoren nicht auf voller Leistung fahren können. Befürchtungen, die Mehrkosten von umgerechnet 55 Millionen Euro würden auf die Verbraucher abgewälzt, hält der neue Chef des AKW für unbegründet.

Defekte Messfilter, unbemerkt ausgetretene Radioaktivität, Kurzschlüsse sowie der vermeintliche Beinahe-GAU Ende Juli 2006 – der Pannenreaktor Forsmark kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus, der neue Chef des Atomkraftwerks, Jan Edberg, bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung: „Forsmark 2 könnten wir im Prinzip bald starten, doch Reaktor 1 bedarf einiger Reparaturen. Bis die poröse Gummidichtung dort erneuert ist, dauert es noch einige Wochen. In zwei Monaten werden wir wieder volle Leistung fahren. Den zwischenzeitlichen Wegfall an Strom kann unser Energiekonzern Vattenfall aber durch gut gefüllte Staudämme mit Wasserkraft ausgleichen. Der Nettoeffekt hält sich also in Grenzen.“

Tägliche Verluste 

Wieviel oder wie wenig der Nettoeffekt ausmacht, werden die schwedischen Stromkunden also erst in einigen Wochen zu spüren bekommen. Schon jetzt liegen die täglichen Kosten für den Reaktorausfall bei umgerechnet 750.000 Euro. Verschärfend kommt hinzu, dass nicht einmal der fortlaufende Betrieb des letzten Forsmark-Reaktors gesichert ist. Erst am Donnerstag untersagte die staatliche Kernkraftinspektion SKI die Wiederinbetriebnahme von Forsmark 2. Aufgrund erheblicher Mängel bei den Sicherheitsroutinen muss die Leitung des AKW einen wöchentlichen Sicherheitsbericht bei SKI einreichen.

Dem bisherigen Chef von Forsmark traute man einen reibungslosen Betrieb des Atomkraftwerks nicht mehr zu. Die Verantwortung liegt seit rund einer Woche nun bei Jan Edberg: „Nach einiger Zeit glaubt man, gewisse Teile in der täglichen Arbeit könnten übersprungen werden. Doch so ein Schlendrian ist inakzeptabel. Das führt dann zu den Problemen, die wir nun gesehen haben. Ich habe ein umfassendes Programm in die Wege geleitet, das die Arbeitseinstellung der Mitarbeiter ändern soll. Denn in erster Linie ist das hier eine Frage der Einstellung.“

Internationale Inspektion

Ganz offensichtlich aber hat die Regierung das Vertrauen verloren, Forsmark könne seine Probleme gänzlich alleine lösen. Deswegen wird niemand Geringeres als die Internationale Atomenergiebehörde IAEA selbst das Pannen-AKW sowie alle weiteren schwedischen Atommeiler unter die Lupe nehmen.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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