Frauen an die Plattenteller!

Immer noch ist der DJ-Beruf ein von Männern dominiertes Feld. Nur wenige Frauen schaffen es, sich in der Clubszene einen Namen zu machen. Und noch schwieriger ist es in Schweden, einem Land mit einer recht beschaulichen Clubszene. Ein Grund mehr für die Frauen der Branche sich zusammenzutun. Das Ergebnis ist Sister Stockholm: das erste und bisher einzige Netzwerk weiblicher DJs in Schweden.

Der letzte grosse Auftritt war das Hultsfredsfestival 2006: Die Menge jubelte, tanzte, schwitzte, während sich auf der Bühne das DJ-Kombinat Ana International Penetrators an den Plattentellern austobte. Für ihre große Show auf der Festivalbühne hatten sich die vier weiblichen DJs zwei Sängerinnen als Verstärkung geholt. Die erfolgreichen Vinylkünstlerinnen sind Mitglieder bei Sisters Stockholm, dem ersten schwedischen Netzwerk für weibliche Plattenkünstlerinnen.

Die Idee dazu hatte Anna Gavanas alias DJ Gavana: „Ich war in New York und traf dort Sister New York und Sister San Francisco. Und wir dachten uns, wir könnten in Schweden etwas aufbauen, das auf der gleichen Idee basiert - auf der Idee der Verschwesterung, dass man sich gegenseitig unterstützt, Erfahrungen austauscht.”

Weibliches DJ-Kollektiv

Zusammen mit Anna Öström alias DJ Anaya setzte Anna Gavana die Idee in die Tat um. Im Jahr 2002 war Sister Stockholm geboren - ein weibliches DJ-Kollektiv, das gemeinsam Partys organisiert. „Wir haben als kleine Gruppe befreundeter DJs begonnen und so ist das Projekt gewachsen. Heute sind wir eines der größten DJ-Netzwerke in Schweden überhaupt”, erklärt Anna Öström. 

Ein Erfolg, auf den sie sehr stolz ist. Mittlerweile zählt die eingeschworene Gruppe beinahe 40 Mitglieder und das Kollektiv wächst stetig weiter. In Uppsala hat sich bereits die erste regionale Filiale gebildet. Sisters Uppsala.

Starthilfe für Anfängerinnen

Johanna legt in ihrer Freizeit Musik auf Partys ihrer Freunde auf und ist begeistert von dem Konzept. Gerade sie als Anfängerin am Plattenspieler profitiert von dem Netzwerk: ”Nicht jeder hat ja eine komplette DJ-Ausrüstung zu Hause. Wenn man zu Mehreren ist, dann wird das leichter. Man kann die Kosten für die Technik teilen, man kann sich austauschen.”

Sister Stockholm vereint die weiblichen Stilikonen aus dem Geschäft: von Techno bis Elektro, von House bis Hiphop - Plattenkünstlerinnen aller musikalischen Spielarten der Clubmusik sind im Netzwerk vertreten. Unter ihnen auch Sophie Rimheden, Elektro-DJ und eine der erfolgreichsten Produzentinnen im schwedischen Musikgeschäft.

Um in der Branche Erfolg zu haben, zählt vor allem eines, sagt Anna Öström: Man muss die richtigen Leute kennen: „Kontakte sind sehr wichtig, wenn man sich in der Clubszene etablieren möchte. Und in Stockholm wimmelt es nur so von begabten Djs in den Clubs. Aber es ist eben nicht für alle Platz in den wenigen Clubs, die es hier gibt.”

Der Vorteil, Frau zu sein

Frau zu sein, kann da durchaus von Vorteil sein, sagt die DJane Anna Gavanas: „Für weibliche Djs kann es tatsächlich leichter sein, Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn man ist immer noch eine Art Phänomen.” Auch im Land der Gleichstellung sehen sich weibliche Plattendreherinnen oft mit Vorurteilen konfrontiert, sagt Anna Öström, die seit sieben Jahren professionell Platten auflegt: „Man wird oft mit Männern verglichen und muss sich dann Sprüche anhören, wie ’für eine Frau legst du aber gut auf’. Allerdings zeigen männliche Kollegen umso mehr Respekt, wenn man als weiblicher DJ Erfolg hat.”

Und das bedeutet auch, dass man als Frau auch in diesem Geschäft immer ein bisschen härter arbeiten muss, als die männlichen Kollegen. Um die technischen Fertigkeiten zu perfektionieren, bietet Sisters Stockholm regelmässige Workshops an. Und dazu holen sich die Netzwerker auch gern Hilfe aus dem Ausland.

Nachhilfe aus dem Ausland

Anna Öström lädt einmal im Monat namhafte DJs ein, ihre Künste am Mischpult vorzuführen. Plattenkünstler von London bis Berlin kommen zum ”Svaj Klubbing” nach Stockholm. Zuletzt gab die Berliner Elektronikerin Aroma ein Stelldichein - als Gast-DJ und als Lehrerin. „Sie hat einen tollen Workshop gemacht und uns eine Einführung in ein neues Mix-Programm gegeben,” sagt Anaya.

Doch eine Erfolgsgarantie können auch die DJ-Schwestern nicht geben. Wer in der Branche wirklich erfolgreich sein will, der muss vor allem eines tun: üben, üben, üben. „Wir sind keine DJ-Ausbildungsstelle”, betont Anna Öström. ”Bei Sister Stockholm geht es eher darum, sich auszutauschen, seine Erfahrungen weiterzugeben, zu schauen, wie machen es die anderen Mädels, und darum, sich gegenseitig zu inspirieren. Den Beruf DJ kann man nicht lernen, Plattenauflegen, das muss sich jeder selbst beibringen. Man muss üben, üben, üben am besten zu Hause am eigenen Mischpult. Das ist unser Grundsatz.”

Birgit Ulrich

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