Skooterfahren: Umweltfrevel oder Freizeitvergnügen?

Im Winter gibt es bei ausreichend Schnee inzwischen nur noch ein Fortbewegungsmittel, den Skooter. Das Schneemobil. Von Jahr zu Jahr wird dieses Gefährt vor allem in Nordschweden immer beliebter. Immer mehr Wege werden gespurt, immer mehr Skooter-Klubs sprießen aus dem Boden, immer mehr Meisterschaften werden ausgetragen, immer mehr frische Waldluft wird verpestet.

Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid und Stickstoffoxide kommen dröhnend und ungefiltert aus den Abgasrohren. So klingt es, wenn Skooter kreuz und quer vorgeführt werden: die neuesten Modelle der Hersteller und die tollsten Gefährte der Bastler. Die Skootervereinigung Hertsön in der nordschwedischen Stadt Luleå hat zum Probe fahren eingeladen. Ungefähr 50 Probanten stehen an der Piste und probieren aus, was der Markt so bietet.

Anders Åström hat das Spektakel mit organisiert und erklärt dem Nichteingeweihten einige vorbeifahrende Superskooter: „Das da ist einer mit besonders breitem Kettenband. Der eignet sich, um schwere Sachen zu transportieren, Holz zum Beispiel. Das war der neueste Sportskooter, Viertakter, umweltfreundlich, 120 PS. Und da kommen alte Zweitakter, vom Typ auch das Sportmodell, ziemlich laut. Da hört schon man schon den Unterschied zu den neuen Viertaktern, die viel leiser sind.”

Und umweltfreundlicher. Ein alter Zweitakt-Skooter kann bis zu zehntausend Mal mehr Kohlenwasserstoff ausstoßen als ein Auto mit Katalysator. 30 Prozent der Abgase in Nordschweden werden im Winter inzwischen von den Schneeskootern verursacht. Katalysatoren sind nicht vorgeschrieben, sollen aber in den kommenden Jahren verpflichtend werden.

Mitten drin im Lärm der Zwei- und Viertakter und ziemlich unbeeindruckt davon steht die Jagdhündin Bella. Ihr Herrchen verweist sogleich darauf, dass auch er ein umweltfreundliches Modell fährt. „Der da klingt nicht wie mein Skooter, das ist ja Umweltzerstörung. Ein Skooter muss klingen wie der.” (Grummel) „So einen habe ich, wie fein das klingt.”

Bequeme Jagd mit dem Skooter

Mit dem fein klingenden Skooter und Hündin Bella obendrauf ist Hans Möller gerne unterwegs, um nach Wild Ausschau zu halten. Das ist bequem und umweltschonend, meint der Freizeitjäger.

„Skooterfahren gibt mir die Möglichkeit, jeden Tag raus in die Natur zu kommen. Ohne, dass ich die Skier nehmen müsste. Ich fahre einfach aus meiner Garage raus, bin dann gleich auf den Skooterweg und kann mit meinem Hund oder der Familie draußen sein, wann ich will.”

Damit ist in der Tat der größte Vorteil des Skooters beschrieben: Gerade im Norden Schwedens gibt es inzwischen viele markierte Skooterwege, die durch die Wälder oder über zugefrorene Flüsse, Sümpfe und Seen und in die Berge führen. Zu Stellen, die man mit dem Auto nicht erreicht. Entlang der Wege gibt es Rasthütten, wo man gemütlich ein Feuer machen kann.

Wahnsinnstempo

Die Saison hat gerade begonnen, jetzt wo die Sonne wärmt, wird die schöne Stille - hauptsächlich am Wochenende - vom Knattern und Dröhnen der Skooter durchlärmt. Nicht zu reden von denen, die mit einem Wahnsinnstempo über Stock und Stein brettern. Emil Sandkvist an der Piste in Luleå verrät nicht, ob er zu der Kategorie gehört, doch seine Augen leuchten merkbar, als er erzählt, dass er alle Modelle getestet hat, sein Wunschmobil jedoch zu teuer ist: „Ich habe einen älteren Skooter.”

Wie oft er damit fährt? „Jedes Wochenende. Ist einfach cool.” 

Und dann kommt noch der „Zusch”, dieses Lufteinziehen in den Mund, das typisch ist für Nordschweden und „ja” bedeutet. Typisch ist eben auch der Skooter.

Männersache

Selbst Frans, der zehnjährige Sohn des Organisators fährt schon Skooter. Sein Vater hat mit 16 seinen ersten bekommen, das war 1986 und in ganz Schweden waren über 100.000 solcher Gefährte registriert. Inzwischen sind es über 180.000 Skooter.

War es nicht früher ruhiger und gemütlicher? Skooterfahrer Anders Åström antwortet etwas gereizt: „Gemütlicher? Ich finde es immer noch gemütlich. Es ist einfach nett, diese Gemeinschaft zu haben. Wir sind doch alle Freunde und eine grobe Familie. Wenn einer liegen bleibt, halten wir an und helfen.”

Eine gemütliche Gemeinschaft von - Jungs. Unter den Besuchern der Testveranstaltung sind nämlich nur Männer. Bis auf eine Ausnahme, eine Frau ist tatsächlich auch gekommen. Cecilia hat sich vor einer Woche einen gebrauchten Viertakter gekauft. Das Skooterfahren wird wirklich immer beliebter.

Katja Güth

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