Der leidenschaftliche Systematiker

Botaniker aller Länder gucken in diesem Jahr ganz besonders oft nach Schweden, denn 2007 ist es 300 Jahre her, dass ein gewisser Carl von Linné geboren wurde. Im Januar wurden die Feierlichkeiten des Linnéjahres mit der Präsentation eines Buches am Namenstag des großen schwedischen Botanikers eröffnet.

Das Werk heißt „System und Passion” und zeigt das, was Carl von Linné systematisierte in seiner ganzen Schönheit: Blumenblüten in Nahaufnahme. Grosse bunte Blütenblätter, die sich weit ausstrecken, sind da zu sehen, Stängel, die sich zweiteilen und Blüten, die sich verstohlen nach unten öffnen oder klebrig glänzen - fotografiert auf neutralem schwarzen Hintergrund. Initiatorin des Projektes ist die Fotografin Helene Schmitz: „Ich habe in seinem Werk gelesen und fand, dass er sehr schön schreibt. Dann habe ich nach Bildern oder Illustrationen gesucht, die mir zeigen, wie Linné dachte, als er seine Systematik entwickelte. Aber da gab es nichts und ich dachte, dann mache ich doch ein Buch mit Fotografien, die zeigen, wie er das System mit seinen 24 Kategorien geschaffen hat.”  

Bei der Erschaffung seiner Systematik ließ sich der Pfarrerssohn aus Småland von der göttlichen Ordnung leiten und suchte auch bei den Pflanzen männliche und weibliche Anteile. Der Stempel symbolisierte für ihn die männlichen Geschlechtsorgane, die Staude den weiblichen, erzählt Fotografin Helene Schmitz und zeigt eine Fotographie einer Fuchsienblüte: „Diese Fuchsie hier, sie weist acht Stempel auf, das macht also acht Männer in der Ehe mit einer Frau. Und diese Metaphern benutzt er im ganzen System. Und wenn man die Blumen genau betrachtet, dann öffnet sich so eine neue Welt.”

System nach Merkmalen der Blüten 

Aus dieser Betrachtung ergab sich das Linné’sche System, mit dem der Botaniker das Pflanzenreich systematisch einteilte - ein künstliches System, das sich nach den Merkmalen der Blüte richtete und später durch andere Betrachtungsweisen ersetzt wurde. Heute haben sich die Spezialisten ganz von dieser Art der Zählung und Klassifizierung verabschiedet - die genetische Analyse macht’s möglich. Doch darum geht es nicht in „System und Passion” - die ästhetischen Bilder sprechen ihre eigene Sprache.

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