Sicherheitsmängel bei allen AKW

Nach den Pannenserien in schwedischen Atomkraftwerken stellt die staatliche Kernkraftinspektion, SKI, den Betreibern kein gutes Zeugnis aus. In ihrem Jahresbericht weist die Behörde auf Sicherheitsmängel in sämtlichen Reaktoren hin. Doch anstatt die Stilllegung weiterer Atommeiler zu verordnen, fordert SKI die Betreiber schlicht zu mehr Sorgfalt auf.

Forsmark, der schwedische Pannenreaktor, der im vergangenen Sommer angeblich kurz vor dem Super-GAU stand, hat es inzwischen zu trauriger internationaler Berühmtheit gebracht. Doch laut staatlicher Kernkraftinspektion geht ebenso von den Großreaktoren in Ringhals und Oskarshamn eine potenzielle Gefahr aus. Laut SKI veränderte der Betreiber – der Energieriese Vattenfall – bei beiden Atomkraftwerken im Jahr 2003 die Arbeitsroutinen, was später zu leichteren Störfällen geführt hat. Lars Skånberg ist zuständig für Materialfragen bei SKI:

„Die Leitung der Kernkraftwerke hat womöglich nicht die Maßnahmen ergriffen, die in solchen Fällen nötig sind. Mitunter hat man vielleicht sogar aus Kostengründen bei der Sicherheit gespart. Vattenfall hat der Sicherheitsfrage einfach nicht genügend Bedeutung eingeräumt.“

Weniger vornehm ausgedrückt hat Vattenfall in Ringhals und Oskarshamn schlichtweg geschlampt. Aus dem Jahresbericht der staatlichen Energieinspektion geht hervor, dass in Oskarshamn 34 Sicherheitschecks nicht rechtzeitig durchgeführt wurden. In Ringhals behielt man einen Reaktor in Betrieb, obwohl ein Leitungsrohr bekanntermaßen leckte. Solcherlei Mängel lassen für den Experten Lars Skånberg keinen anderen Schluss zu als, dass hier eine Gefahr für größere Störfälle bestand. Gleichwohl könne der Staat nach derzeitiger Gesetzeslage nicht viel daran ändern, erklärt Skånberg:

„Wir als Behörde können nicht alle möglichen Mängel bei den Kernkraftwerken aufdecken. Laut schwedischem Recht tragen eindeutig die jeweiligen Betreiber die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Reaktoren. Das heißt, sowohl wir als auch die Betreiber selbst müssen für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen.“

Im Fall des AKW Forsmark wiederum wurde die Toleranzschwelle weit überschritten. Nach anhaltenden Pannen und angesichts einer offenbar planlosen Führung sah sich SKI gezwungen, dort den Kernkraftwerkschef auszuwechseln und eine zeitweilige Stilllegung des Reaktors aus Sicherheitsgründen zu verfügen. Für die neun übrigen Reaktoren Schwedens sind solche drastischen Maßnahmen noch nicht in Sicht.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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