Stürmische Debatte um Schwedischen Rundfunk

Auf Pump gelebt und offenbar über seine Verhältnisse gehaushaltet hat der Schwedische Rundfunk, Sveriges Radio. Das Minus für das laufende Jahr ist beträchtlich: Einsparungen von umgerechnet nahezu 12 Millionen Euro sind in diesem Jahr erforderlich! Zusammen mit Veränderungen im Programmangebot hat das harsche Kritik bei den Hörern und in den Medien hervorgerufen. Ein Blick in die Presse:

Die liberale ”Göteborgs-Posten” meldet starke Zweifel an Rundfunk-Chef Peter Örn und an den organisatorischen Veränderungen an, die das Funkhaus in Stockholm unter Örns Federführung in jüngerer Vergangenheit durchlaufen hat - so gibt es neue Leitungsstrukturen, eine Reihe populärer Programme wurde abgeschafft und mehr und mehr Produktionsteams von auβen sind in das Public-Service-Unternehmen eingebunden worden. Mit Verweis auf Letztere schreibt Göteborgs-Posten: „Im Gegensatz zu Peter Örns Behauptung bringt eine solche Veränderung kaum ein Mehr an originellen Ideen. Im Gegenteil: Die externen Teams lernen rasch, was die Chefs von Sveriges Radio haben wollen - paradoxerweise führt das letztlich zu noch mehr stromlinienförmigen Programmen.”

Das sozialdemokratisch ausgerichtete „Aftonbladet” mahnt stattdessen wirkliche publizistisch motivierte Veränderungen an und fragt sich: „Wagt es die Leitung von Sveriges Radio, in solchen neuen Bahnen zu denken? … Bislang hat sie sich vor allem monatelanger Umorganisation gewidmet, mit dem Ergebnis, dass nun eine Leitungsstruktur besteht, die noch nicht einmal im Hause selbst alle verstehen. Organisation ging vor Publizik”, schreibt „Aftonbladet”.

Das konservative „Svenska Dagbladet” verweist darauf, dass Radiochef Peter Örn im Bezug auf einige seiner engen Mitarbeiter deren „lange publizistische Erfahrung” hervorgehoben hat. „Örn selbst hat keinerlei solcher Erfahrung”, stellt „Svenska Dagbladet” dazu lakonisch fest.

Wenig Gnade gegenüber dem Rundfunk-Chef lässt das liberale Blatt „Dagens Nyheter” walten. „Peter Örn ist ein netter Kerl, aber das bedeutet noch längst nicht Geschick in der Leitung einer Organisation, das weiss man auch an seinen zwei früheren Arbeitsplätzen, am Reichstheater und beim Roten Kreuz”, schreibt „Dagens Nyheter”. „Sveriges Radio braucht jemand anders als Örn, jemanden, der Journalist ist.”

Der Rundfunk habe in den vergangenen Jahren die Veränderung um der Veränderung willen hochgehalten, am eigenen Markennamen um der Marke willen gefeilt und komplizierte Zusammenhänge populistisch leichtverdaulich serviert, schreibt die Zeitung. Dies stünde einer Privatfirma, nicht aber einem Public-Service-Unternehmen zu Gesicht. Nicht zuletzt fordert „Dagens Nyheter” genaue Auskunft über den Ursprung des riesigen Finanzlochs, das nun voraussichtlich 150 Mitarbeiter den Job kosten wird:

„Wo sind die Gelder überhaupt geblieben? Und weshalb hat die Leitung des Hauses das Finanzloch erst im Januar erkannt? Entweder hat die Leitung ihre eigenen Beschlüsse nicht richtig verstanden, oder man wollte Dinge verdunkeln. Beides erhöht nicht gerade das Vertrauen für Sveriges Radio”, schreibt „Dagens Nyheter”.

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