Attraktives Kaufobjekt Analognetz

Bis zum Jahresende wird das gesamte analoge Fernsehnetz in Schweden stillgelegt. Dadurch werden mit einem Schlag enorme Kapazitäten im Äther frei. Viele Telekommunikationsunternehmen hoffen nun, die frei werdenden Frequenzen für neue Dienste nutzen zu können - und damit neue Einnahmequellen zu erschließen.

Die Digitalisierung des schwedischen Fernsehnetzes kommt schrittweise. Den Anfang machte vor rund anderthalb Jahren die Insel Gotland, am 12. März wird im Raum Stockholm das analoge Netz abgeschaltet und bis Ende dieses Jahres wird der TV-Empfang über die alte Hausantenne im ganzen Land der Vergangenheit angehören. Doch mit der Digitalisierung des Fernsehens ist nur der erste Schritt in Richtung Zukunft getan. Schon lecken sich die Telekommunikationsanbieter die Finger nach den bald ungenutzten Analogfrequenzen.

Jeder will sich seinen Anteil sichern, entsprechend wohl überlegt müsse der Staat als Verwalter dieser Frequenzen nun vorgehen, meint Carl Jeding, Frequenzexperte im Wirtschaftsministerium: „Es handelt sich um enorme Ressourcen. Darum sollte man hier sorgfältig abwägen. Hat man sich einmal entschieden, wie man die Frequenzen verwenden will, kann man nur schwer etwas daran ändern. Es wäre sinnvoll, wenn wir in ganz Europa einheitlich damit umgingen. Das würde den Wert der Frequenzen noch steigern.”

Flächendeckende Übertragung
Schon jetzt ist das in den 1950er Jahren aufgebaute Analognetz buchstäblich Gold wert, denn die niedrigen Frequenzen eignen sich besonders gut zur flächendeckenden Übertragung von elektronischen Daten. Das erst in den 1990er Jahren aufgebaute UMTS-Netz hingegen sendet über hohe Frequenzen, die weitaus schlechter zur Informationsübermittlung geeignet sind. Deshalb braucht man bislang für UMTS mehr Sendemaste als für das analoge Fernsehen. Schätzungen zufolge wäre das UMTS-Netz um 90 Prozent billiger gewesen, wenn es auf die niedrigen Analogfrequenzen hätte zurückgreifen können.

Torbjörn Nilsson, Berater des schwedischen Telekomriesen Ericsson, vermutet, das bald ein Run auf die Analogfrequenzen einsetzen wird: „Wir haben zwar bereits Kabel- und Satellitenfernsehen, doch das Interesse an den Frequenzen ist sehr hoch. Hier bahnt sich ein Wettstreit zwischen der Telekomindustrie auf der einen und der Fernsehindustrie auf der anderen Seite an.”

Militär zeigt Interesse
Noch höher könnten die künftigen Einnahmen jedoch ausfallen, wenn man in ganz Europa einheitlich über die Zukunft des Analognetzes befinden würde, meint Carl Jeding. Früher oder später werde das Analogfernsehen schließlich auf dem gesamten Kontinent abgewickelt sein; neue technische Dienste könnten dann grenzüberschreitend genutzt werden, prophezeit der Frequenzexperte: „Technologisch gesehen liegt Schweden an der Spitze in Europa. Deswegen drängen wir auch auf eine gesamteuropäische Linie in der Frage. Andere Länder sehen keinen dringenden Handlungsbedarf.”

In jedem Fall werden die Telekommunikationsunternehmen den Kuchen nicht allein unter sich aufteilen können. Das schwedische Militär hat nämlich seinerseits Interesse an dem gut funktionierenden Analognetz signalisiert.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

23.2.2007

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